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Gewalt gegen AktivistenUmweltschutz kann tödlich sein

Bewaffneter Mann im gerodeten Regenwald und Hubschrauber in der Luft
Der Kampf um Rohstoffe und Agrobusiness fordert jährlich weltweit Hunderte Todesopfer. (Foto: Ibama from Brasil / Wikimedia Commons / CC BY-SA 2.0)

Die Umwelt zu schützen hat in vielen Ländern dieser Erde einen hohen Preis. Die Zahl der Morde an Umweltschützern hat sich laut einer Studie in den letzten 15 Jahren verdoppelt. Laxe Gesetze und korrupte Regierungen spielen den Mördern in die Hand.

16.08.2019 – Für den Klima- und Umweltschutz auf die Straße gehen – das machen engagierte Menschen seit vielen Jahrzehnten, mit und ohne Erfolg. Die Fridays for Future-Bewegung hat aktuell vor allem junge Menschen dazu gebracht, sich wieder verstärkt für die Rettung des Klimas einzusetzen. Klimaschutz ist damit weltweit populärer geworden. Das bringt natürlich auch die Gegner verstärkt auf den Plan und treibt sie mitunter zu verbaler Gewalt, etwa in den sozialen Medien; so werden teilweise sogar Kinder und Jugendliche für ihr Engagement beschimpft. Doch der Großteil der Gesellschaft ist momentan auf ihrer Seite und bietet moralischen Halt.

Umweltschützer leben mitunter gefährlich

Während der Einsatz für die Umwelt uns also in der Regel hauptsächlich Zeit und moralische Stärke und Integrität kostet, kostet das Engagement für den Schutz von Umwelt und Klima in etlichen Ländern den Menschen das Leben. Eine Studie im Fachmagazin Nature Sustainability zeichnet ein düsteres Bild der Lage: Es werden zunehmend Umweltaktivsten ermordet. In den letzten 15 Jahren hat sich demnach die Zahl der Morde sogar verdoppelt. Zudem nehme auch die Zahl der Länder zu, in denen Morde an Umweltaktivisten verübt werden.

Die Studie stützt sich u. a. auf Daten der Menschenrechtsorganisation Global Witness, Die NGO veröffentlicht jährlich einen Bericht, der die Gefahren für Umweltaktivisten weltweit beleuchtet. Zu den für Umweltschützer gefährlichsten Ländern zählen demnach die Philippinen an der Spitze, auch Indien, Kolumbien, Brasilien, Guatemala und Mexiko. Vor allem in den mittel- und südamerikanischen Ländern nehme die Gewalt erschreckend zu. Zu den Mordopfern zählen Aktivisten, Anwälte, Journalisten und Mitarbeiter von NGOs. – und häufig Indigene, die oft nur Land und Leben verteidigen gegen die drohende Zerstörung ihrer Lebensräume durch Konzerne, die Rohstoffe plündern und Wälder für ihr Agrobusiness roden und zerstören.

Bei der tödlichen Statistik werden lediglich die angezeigten Morde aufgeführt. Die Dunkelziffer dürfte noch höher liegen, ebenso bei Gewalttaten, die nicht zum Tod führen. Mächtige Konzerne und Regierungen nutzen in vielen Ländern die Justiz, um Gegner zum Schweigen zu bringen. Häufig gehen Landräuber und Mörder straflos aus solchen Prozessen, nur in etwa zehn Prozent der Fälle komme es zu einer Verurteilung – während Umweltschützer häufig kriminalisiert werden.

Auch in Deutschland werden Umweltaktivisten mitunter drangsaliert. Die Aktivisten vom Hambacher Wald können da bspw. einiges berichten, etwa von Übergriffen durch den Wachschutz oder die Polizei. Doch rechtliche Grundlagen schützen uns in Europa immerhin vor ausufernder physischer Gewalt – wenn auch (noch) nicht vor staatlich legitimierter und doch gewaltsamer Enteignung, wenn ganze Dörfer für den Kohleabbau zerstört werden.

Lieferketten der Gewalt durchbrechen

Wirtschaft, Investoren, Juristen und nationale Regierungen müssen etwas gegen die „Lieferketten der Gewalt“ unternehmen, fordern nun die Wissenschaftler in der Studie. Auch als Konsument könne jeder eine gewisse Verantwortung übernehmen. Mit dem erst kürzlich beschlossenen Freihandelsabkommen Mercosur, das bislang nur die französische Regierung in Frage gestellt hat, macht Europa allerdings genau das Gegenteil. Das Freihandelsabkommen mit den vier südamerikanischen Staaten Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay öffnet dem Export von Mais, Soja, Zuckerrüben und Rindfleisch aus diesen Ländern nach Europa alle Tore. Profiteur ist einmal mehr die mächtige Agrarlobby – die Bewohner des Regenwaldes werden die Verlierer sein. Denn Klimaschützer fürchten, dass weiterhin Regenwald abgeholzt wird, um noch mehr Anbauflächen für die große Landwirtschaft zu schaffen. So werden nicht nur Klima und Umwelt nachhaltig zerstört, sondern auch die Gewaltspirale –mit Europas Unterstützung – immer weiter fortgesetzt. na