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EnergiekriseRussland stoppt Gaslieferungen

Neue Gaspipeline bei Cusop, UK
Russland stoppt Gaslieferungen nach Deutschland erneut. Stattdessen wird das Gas an Ort und Stelle verbrannt. (Bild: Chris Heaton / CC BY-SA 2.0)

Russland hat die Gaslieferungen durch Nord Stream 1 erneut gestoppt. Seit gestern fließt nun drei Tage lang kein Gas durch die Ostsee-Pipeline nach Deutschland. Begründet wird dies mit Wartungen. Riesige Gasmengen werden wohl vor Ort verbrannt.

01.09.2022 – Der russische Staatskonzern Gazprom hat Gaslieferungen nach Deutschland durch die Gaspipline Nord Stream 1 nach einer kurzfristigen Ankündigung erneut gestoppt. Nach offiziellen Angaben des Konzerns muss die einzig noch verbliebene Turbine in der Kompressorstation Portowaja, die der Pipeline vorgelagert ist, gewartet werden. Dies berichtet die Tagesschau.

Technisch nicht nachvollziehbar

Der Bundesnetzagentur zufolge ist die Begründung technisch nicht nachvollziehbar. Kremlsprecher Dmitri Peskow verwies auf die westlichen Sanktionen, die die technische Wartung der Anlagen erschweren würden. Technische Probleme sind dem Kreml zufolge der Grund für jegliche Abweichungen Russlands von den vertraglich vereinbarten Gaslieferungen.

So lieferte Russland zuletzt nur noch rund 20 Prozent der für Deutschland bestimmten Mengen Gas. Auch die Drosselung wurde mit technischen Problemen begründet – und mit dem Fehlen einer Turbine, die in Kanada gewartet wurde. Die Turbine, die zeitweise aufgrund der Sanktionen gegen Russland in Kanada feststeckte, befindet sich allerdings wieder in Deutschland. Trotz vorheriger Willensbekundung baute Gazprom sie jedoch bisher nicht ein. Stattdessen verwies der Kreml auf bürokratische Hürden.

Politische Gründe für Drosselung, Wartungsverzögerung und Lieferstopp wurden vom Kreml erneut dementiert. Die Bundesregierung wirft Russland vor, die technischen Probleme als Vorwand zu nutzen, um Deutschland und Europa unter Druck zu setzen.

Russland verbrennt Gas, anstatt es zu exportieren

Zudem verbrennt Russland Medienberichten zufolge nahe der Ostsee-Pipeline große Mengen Gas. Gasflammen sind grundsätzlich nicht ungewöhnlich für fossile Infrastruktur: Das sogenannte Flaring entsteht an verschiedenen Stellen der Öl- und Gasförderung routinemäßig.

Ungewöhnlich ist die Größe der Flamme. Das norwegische Energieforschungsunternehmen Rystad ermittelte jedoch anhand von Satellitenbildern, dass Russland wohl täglich rund 4,3 Millionen Kubikmeter Gas verbrennt. Es wird davon ausgegangen, dass es sich dabei um die für Deutschland bestimmten Gasmengen handelt, die ungenutzt verbrannt werden. Das entspricht rund 9000 Tonnen CO2 pro Tag, die zusätzlich in die Atmosphäre gelangen.

Das Flaring wurde zum ersten Mal am 11. Juni beobachtet, als die Gaslieferungen für eine angekündigte Wartung von Nord Stream 1 über mehrere Tage vollständig ausgesetzt wurden. Energieexperten vermuten, dass das Gas nicht anderweitig abgeführt werden kann – oder Russland ein politisches Zeichen setzen will.

Weiterer Lieferstopp im Oktober erwartet      

Die auf russischer Seite noch laufende Turbine muss laut Angaben von Gazprom alle 1.000 Arbeitsstunden gewartet werden. Obwohl dies noch nicht konkret angekündigt wurde, wird auf deutscher Seite davon ausgegangen, dass im Oktober die Lieferungen erneut zeitweise eingestellt werden.

Deutschlands Gasspeicher sind zurzeit im Durchschnitt bereits um 84 Prozent befüllt. Der seit kurzem gesetzlich vorgegebene Füllstand von 85 Prozent wird aller Vorrausicht nach trotz Lieferstopp aus Russland in den kommenden Tagen erreicht werden. Deutschland bezieht einen Großteil seines Gases inzwischen aus Norwegen und setzt auf Flüssiggaslieferungen aus den USA. jb

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