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Energy SharingBürger könnten die Energiewende beschleunigen

PV-Anlage auf einem Haus in Berlin mit Menschen
Mieterstromprojekt in Berlin. Beteiligt sind hier alle Bewohner. (Foto: Clemens Weiß)

In ganz Deutschland gibt es Potenzial für lokale und regionale Erneuerbare-Energie-Gemeinschaften. Eine Analyse zeigt: 42 Prozent des Zubaus Erneuerbarer Energien bis 2030 könnten Bürger übernehmen. Wenn die Politik sie denn mal unterstützen würde.

14.04.2022 – Wenn Bürger die Energiewende weiter vorantreiben sollen, braucht es einen neuen Marktrahmen zur Nutzung des Stromnetzes und einen finanziellen Vorteil, wenn selbst erzeugter Strom regional zeitgleich verbraucht wird, fordert das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW). In seiner Eröffnungsbilanz hatte Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck deutlich gemacht, dass es neue Instrumente braucht, um Erneuerbare Energien schneller auszubauen und Deutschlands Klimaziele zu erreichen.

Das Bündnis Bürgerenergie hatte mit dem Energy-Sharing-Konzept einen Vorschlag geliefert. Das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) hat nun das Potenzial untersucht, das darin steckt, wenn Bürger über Energy Sharing an der Energiewende beteiligt werden. In ganz Deutschland gibt es der Untersuchung des IÖW zufolge geeignete Standorte, so dass sich mehr als 90 Prozent der Menschen in „Erneuerbare-Energien-Gemeinschaften“ zusammenschließen könnten.

Die Idee von Energy Sharing: Bürger erzeugen regional ihren eigenen Wind- und Solarstrom, den sie vor Ort in einem Umkreis von 25 Kilometern selbst nutzen. Bei entsprechender politischer Förderung und Anpassung des Marktrahmens können so 42 Prozent des Zubaus Erneuerbarer Energien bis 2030 gemäß dem aktuellen Ausbauplan zum Erreichen der Klimaziele durch Bürger getragen werden, so die Studie.

„Wir erleben derzeit, dass sich die teilweise fehlende Akzeptanz für den Ausbau von Anlagen zur Erzeugung Erneuerbarer Energie zu einem Bremsklotz entwickelt“, erläutert Studienautorin Astrid Aretz, Energiewendeexpertin am IÖW. Das könnte mit den richtigen Instrumenten ins Gegenteil gewendet werden, so die Wissenschaftlerin. „Wir haben hochgerechnet, dass ein Investitionsvolumen von bis zu 6,5 Milliarden Euro über eine Umsetzung von Energy-Sharing-Konzepten durch Bürger:innen ausgelöst werden könnte.“

EU-Recht für die Bürgerenergie durchsetzen

Deutschland müsse nun europäisches Recht zur Förderung von Bürgerenergie umsetzen. Denn die bestehenden Strukturen zur Förderung Erneuerbarer Energien sehen Konzepte wie Energy Sharing bislang nicht vor. Dabei gibt es auf europäischer Ebene bereits seit 2018 einen Vorstoß, den Deutschland bislang allerdings noch nicht umgesetzt habe. „Damit Energy Sharing im öffentlichen Stromnetz wirtschaftlich möglich ist, muss der gesetzliche Rahmen nun zügig an das geltende EU-Recht angepasst werden“, fordert auch Co-Autor Jan Wiesenthal. Dann könnten sich Erzeugungs- und Verbrauchsgemeinschaften bilden, die gemeinsam in Anlagen investieren. „Die Gemeinschaften sollten eine angemessene Vergütung erhalten, wenn sie ihren Verbrauch zeitlich und räumlich an die fluktuierende Erzeugung von Wind- und Solarstrom anpassen. Von einem solchen netzdienlichen Verhalten würde das gesamte Energiesystem profitieren“, erklärt Wiesenthal.

Die Studienautoren geben in einem aktuellen Politikbriefing Empfehlungen für eine schnelle Verbreitung von Energy Sharing in Deutschland. So sollte es vor allem finanzielle Anreize geben, um Energy-Sharing-Konzepte voranzubringen. Verringerte Stromnebenkosten oder eine Prämienzahlung können dabei unterstützen, wirtschaftlich tragfähige Modelle zu fördern. Auch sollte es für Stromverbrauchende unkompliziert möglich sein, in eine Erneuerbare-Energie-Gemeinschaft zu wechseln. Die Politikempfehlung ist im Rahmen einer Potenzialanalyse im Auftrag des Bündnisses Bürgerenergie entstanden.

Im Osterpaket der Bundesregierung heißt es zumindest, dass Bürgerenergieprojekte erleichtert werden sollen - indem von Bürgern geplante Windparks bis 18 Megawatt und Solarparks bis 6 Megawatt von der Ausschreibungspflicht befreit sind. Die Beteiligung der Kommunen solle ausgeweitet werden und mehr Flächen für Freiflächensolarparks bebaubar sein. na


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Kommentare

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Roland Fuchs 17.04.2022, 06:33:28

Hallo

Da bin ich voll und ganz ihrer Meinung. Wenn man finanzielle Anreize, und steuerliche Entlastung anstreben würde, werden mit Sicherheit mehr private Haushalte bereit sein eine PV Anlage zu installieren. Meine Anlage läuft schon 1,5 Jahre, ich hätte das schon viel früher machen sollen als mit Gas zu heizen. Ich bin im überlegen eine Elektroheizung zu installieren, da müsste ich meine 9,9 kWp Anlage erweitern. Aber die steuerlichen Vorraussetzungen sind da im Wege. Wenn der Staat auch noch Geld verdienen will und alle Vorhaben ausbremst, steht er seinen Klimazielen zu erreichen selbst im Weg. Der Bürger wäre bereit der Staat und die Regierung scheinbar nicht.

Roland Fuchs 17.04.2022, 07:11:00

Ich habe ihnen heute einen Kommentar gemailt. Man kann noch viel mehr um die Klimaziele zu erreichen beitragen. Aber das passt nicht alles in eine Email. Ich hätte noch mehr Vorschläge, die nichts kosten, denn die Experten kommen scheinbar auch nicht voran. Ich weiß nicht woran das liegt. Will man oder nicht, will man hinauszögern, was wahrscheinlich viel Geld einbringt.

Roland Fuchs 10.07.2022, 06:35:49

Ich habe in einem Magazin gelesen, dass am 07.07.2022 die Nachbesserungen die die EU vorgegeben hat im Bundestag beschlossen hat. Jetzt muss nur noch der Bundesrat die Sache absegnen. Ich muss sagen es wurde allerhöchste Zeit. Denn Kohlekraftwerke wieder anwerfen und Klimaziele erreichen wollen, wie soll das gehen? Jetzt weiß man in Berlin wie’s geht. Hat allerdings sehr lange gedauert, wie so vieles bis man darauf kommt. Wir PV Anlagenbetreiber wussten das schon viel früher, aber bei den Politikern dauert es länger bis ein Licht aufgeht.


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