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Stromtrassen egoistisch geplant

Der Bau neuer Stromtrassen ist dringend notwendig, stößt jedoch insbesondere in Bayern auf Widerstand. (Bild: © Jana Wersch/ pixelio.de)
Der Bau neuer Stromtrassen ist dringend notwendig, stößt jedoch insbesondere in Bayern auf Widerstand. (Bild: © Jana Wersch/ pixelio.de)

Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner möchte die geplante Stromtrasse SuedLink offenbar so gebaut sehen, dass sie größtenteils durch Hessen und Baden-Württemberg verläuft. Die bayerische Region Unterfranken soll so von Masten verschont werden.

19.05.2015 – Stromtrasse ja, aber bitte bei den anderen: Die bayerische Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) würde die geplante Stromtrasse SuedLink gerne in westliche Richtung verschieben, so dass sie nicht durch den Freistaat sondern stattdessen größtenteils durch Hessen und Baden-Württemberg führt. Das berichtet die „Rundschau“ des Bayerischen Fernsehens unter Berufung auf eine Stellungnahme des bayerischen Wirtschaftsministeriums zu einem Entwurf der Bundesnetzagentur. Aigner argumentiert demnach, Unterfranken solle nicht zur „nationalen Stromdrehscheibe“ werden.

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hatte in der Vergangenheit wiederholt angekündigt, einen Bau der Stromtrasse durch Bayern verhindern zu wollen. Er stellt die Notwendigkeit des Baus in der geplanten Form grundsätzlich in Frage und erntete dafür viel Kritik von Seiten der anderen Bundesländer. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) kündigte als Reaktion darauf an, die sogenannte Süd-Ost-Trasse aus Sachsen-Anhalt weitgehend entlang bereits bestehender Leitungen zu errichten. Auf der restlichen Strecke sollen die Kabel zudem, wenn möglich, unterirdisch verbaut werden.

Mit ihrer Verhinderungstaktik könnte die Regierung in München allerdings für verteuerte Strompreise ausgerechnet im eigenen Bundesland sorgen. Denn um einen einheitlichen Strompreis in ganz Deutschland beibehalten zu können, ist der Netzausbau ein entscheidender Faktor. Einheitspreise sind nur möglich, weil regionale Versorgungsengpässe als Übergangsproblem angesehen werden: Die bundesweit einheitliche Preiszone unterstellt ein engpassfreies Netz. Dabei ist dies schon heute häufig nicht mehr der Fall. Zeitweise reichen die Netzkapazitäten in der Mitte Deutschlands nicht aus, um den größtenteils im Norden und Osten erzeugten Windstrom in die Lastzentren in Süddeutschland zu transportieren.

In begrenztem Maße lassen sich Engpässe durch Eingriffe der Netzbetreiber, sogenannte Redispatches, beheben. Das verursacht Kosten, die über die Netzentgelte auf die Stromverbraucher umgelegt werden. Sehr viele Redispatches machen das System zudem ineffizienter und anfälliger für Fehler. Die Situation wird sich künftig verschärfen, da in Bayern und Baden-Württemberg im bundesweiten Vergleich nur wenige Windräder installiert werden, gleichzeitig jedoch weitere Atomkraftwerke in Süddeutschland bis 2022 vom Netz gehen. Sollte etwa die bayerische Landesregierung den Bau neuer Leitungen verhindern, so würden künftig kostenintensive Redispatch-Maßnahmen drastisch zunehmen.

Bei einem einheitlichen Preissystem müssten dies beispielsweise auch die Stromkunden in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern mittragen – beides Bundesländer, die den Netzausbau im Süden nicht blockieren und zudem durch den Ausbau der Windenergie für gute Erzeugungskapazitäten sorgen. Um zu verhindern, dass Stromkunden in der nördlichen Hälfte Deutschlands die mangelnde Erzeugungs- und Infrastruktur in Süddeutschland permanent über ihre Stromrechnung  mitzahlen, müssten zwei Preiszonen entstehen: eine teure im Süden und eine günstige im Norden. Das will die Bundesregierung verhindern – durch einen Ausbau der Stromleitungen und der Grenzkuppelstellen. rr


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