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Solaranlage in Tschernobyl am Start

Nur 100 Meter neben dem Beton-Sarkophag, der über dem zerstörten Atomreaktor in Tschernobyl errichtet wurde, ist nun eine Freiland-Solaranlage installiert worden. Weitere sollen folgen. Der Plan gefällt allerdings nicht jedem.  (Foto: <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3ATschernobyl_2013_2.jpg" target="_blank"> Arne Müseler / www.arne-mueseler.de </a>, <a href=" https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en " target="_blank"> CC BY-SA 3.0 </a>)
Nur 100 Meter neben dem Beton-Sarkophag, der über dem zerstörten Atomreaktor in Tschernobyl errichtet wurde, ist nun eine Freiland-Solaranlage installiert worden. Weitere sollen folgen. Der Plan gefällt allerdings nicht jedem. (Foto: Arne Müseler / www.arne-mueseler.de , CC BY-SA 3.0 )

In Nähe des Beton-Sarkophags über dem zerstörten Atomreaktor in Tschernobyl wird eine Photovoltaik-Pilotanlage mit einem Megawatt Leistung ans Netz gehen. Die Regierung der Ukraine will damit Investoren für Solarprojekte in der Schutzzone gewinnen.

02.02.2018 – Ende 2016 hatten Spezialisten die Ruine des 1986 havarierten Reaktors in Tschernobyl mit einer Schutzhülle aus Beton verschlossen, die 100 Jahre Sicherheit vor radioaktiver Strahlung garantieren soll. Nur 100 Meter daneben wird nun die Photovoltaik-Anlage des deutsch-ukrainischen Unternehmens Solar Chernobyl in Kürze in Betrieb gehen. Die Solaranlage wurde als Pilotprojekt entwickelt. Relativ günstige Pachtflächen und hohe Einspeisevergütungen sollen Solaranlagen im Schutzgebiet attraktiv machen und weitere Investoren anlocken. Der Abnahmepreis pro Kilowattstunde Solarstrom soll bei der 1-Megawatt-Anlage bei 15 Eurocent bis zum Jahr 2030 liegen.

Die noch immer verstrahlten Gebiete rund um die Reaktoren sind seit der Katastrophe Sperrgebiet, für Menschen unbewohnbar und ebenso ungeeignet für die Landwirtschaft. Daher sollte es jetzt nach Meinung der ukrainischen Behörden industriell genutzt werden. Bereits im August 2016 trat der Erlass zur Umwandlung der 30-Kilometer-Schutzzone um den havarierten Reaktor von Tschernobyl in ein Biosphärenreservat in Kraft; zudem Gesetze, die den Bau von Windkraft- und Solaranlagen sowie wissenschaftliche Forschung auf dem rund 227.000 Hektar großen Gebiet erlauben. Interesse kam daraufhin von Solarunternehmen aus China, Saudi-Arabien, Kanada und Frankreich.

Energieversorgung in der Ukraine sichern

Ein Teil der Infrastruktur ist vorhanden, so könnten die alten Stromleitungen des AKW für den Abtransport des Solarstroms in den erhofft großen Mengen reaktiviert werden. Für den Bau und Betrieb eines Solarkraftwerks gelten in dem verstrahlten Landstrich allerdings besondere Sicherheitsbedingungen: So ist laut Angaben des Unternehmens der Aufwand beim Bau höher und die Kontrollen aufwändiger als bei einer Freilandanlage auf einem normalen Acker.

Das Pilot-Solarkraftwerk soll laut Angaben des Unternehmens Solar Chernobyl – der ukranischen Rodina Energy Group und der deutschen Enerparc – den Strombedarf von etwa 2.000 Haushalten decken. Ziel sei es langfristig, berichtet das deutsch-ukrainische Konsortium, Kraftwerke mit insgesamt 100 Megawatt Leistung zu errichten.

Die Pläne des ukrainischen Umweltministers Ostap Semerak sind indes noch viel größer: Er sprach bereits 2016 von einer installierten Solarkapazität von 4.000 Megawatt. Man sollte das verstrahlte Gebiet nicht als Katastrophenzone, sondern als Entwicklungszone betrachten. Investitionen in Erneuerbare Energien haben für die Ukraine einen weiteren Vorteil: Die starke Abhängigkeit von russischen Gas- und Kohlelieferungen könnte verringert werden – was seit dem Ausbruch des Kriegs im Osten des Landes noch viel wichtiger geworden ist.

Umweltschützer fordern bürgernahe dezentrale Energiewende

Die Nutzung der Tschernobyl-Schutzzone für Erneuerbare Energien finden allerdings nicht alle gut: Ukrainische Umweltschützer sehen auch Gefahren und Nachteile. Sie kritisieren, dass die Photovoltaik-Anlagen als verstrahltes Material irgendwann umweltverträglich entsorgt werden müssten- dafür gebe es keinerlei Planung. Zudem müssten sich in dem Ausbau-Gebiet Menschen aufhalten, was für diese eine zu hohe Strahlenbelastung bedeute. Für eine nachhaltige Energiewende in der Ukraine sollten nicht gigantische Freiflächenanlagen gebaut werden, so ihre Forderung, sondern vielmehr der dezentrale Ausbau Erneuerbarer-Energien-Anlagen in Kommunen und Energiekooperativen gefördert werden. na


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