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Mögliche Blaupause für eine Wärmewende

Energetisch sanieren macht Sinn, denn die Wärmeverluste in alten Häusern sind oft enorm. (Fotolia / smuki)
Energetisch sanieren macht Sinn, denn die Wärmeverluste in alten Häusern sind oft enorm. (Fotolia / smuki)

Da die Energiewende in Deutschland weitgehend im Stromsektor stattfindet und vorhandenes Potenzial im Wärmebereich nicht ausgeschöpft wird, zeigt die Deutsche Umwelthilfe in einem Positionspaper Handlungsoptionen auf, um die Wärmewende voranzutreiben.

01.03.2016 – Das Ziel, bis 2050 den Ausstoß von Treibhausgasemissionen im Wärmesektor um 80 Prozent zu reduzieren, kann mit bestehenden Maßnahmen nicht erreicht werden, befindet die Deutsche Umwelthilfe (DUH) in ihrem Positionspapier Blaupause Wärmewende und sieht die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Klimaschutzpolitik vor allem in der Steigerung der Energieeffizienz und den Ausbau der Erneuerbaren Energien im Gebäudebereich.

Die Wärmeversorgung sei konsequent umzustrukturieren. Dazu zählten die Weiterentwicklung der Gesetzesrahmen, die Einführung verbindlicher Sanierungsfahrpläne sowie der Ausbau staatlicher Förderprogramme. „Es fehlen wichtige Anreize für den Umstieg auf eine erneuerbare Energieversorgung“, so Peter Ahmels, Bereichsleiter Energie und Klimaschutz bei der DUH. „Gerade jetzt, wo die Energieeinsparverordnung und das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz überarbeitet werden und die Energiepreise sehr niedrig sind, ist eine günstige Gelegenheit dafür. Bevor wieder eine Festlegung für viele Jahrzehnte erfolgt und die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen noch für Jahrzehnte festgeschrieben wird.“

Gegenüber fossilen Brennstoffen weist Strom im Wärmemarkt erhebliche Wettbewerbsnachteile durch eine Mehrbelastung mit verschiedenen Stromkostenkomponenten auf, kritisiert die DUH. Auf der einen Seite bezeichne die Bundesregierung Wärmepumpen als die neuen Hoffnungsträger der Wärmewende, auf der anderen Seite werde wenig unternommen, die dafür passenden Rahmenbedingungen zu schaffen. Die hohen Preisunterschiede zwischen Heizöl/-gas und Strom zählten zu den großen Hemmnissen für die Zielerreichung im Wärmesektor. Die DUH empfiehlt eine umfassende und sektorübergreifende Besteuerung für fossile Energieträger, um das notwendige Preissignal und die richtigen Anreize zu setzen.

Der Komplexität des Wärmesektors gerecht werden

Sieben richtungsweisende Kernpunkte für mehr Energieeffizienz und erneuerbare Wärme sind im Papier genannt, die Erkenntnisse sind nicht ganz neu, werden aber bislang nicht umgesetzt. Das liege vor allem daran, dass die politischen Rahmenbedingungen der Komplexität des Themas Wärmeenergie nicht gerecht werden, bemängelt DUH-Effizienzexpertin Paula Brandmeyer.

Zugegeben, die Bandbreite an unterschiedlicher Infrastruktur, Technologien sowie Gebäude- und Verbrauchstypen ist groß und einen eindeutigen Weg zur Beschleunigung der Wärmewende gebe es wohl nicht. Kontraproduktiv für die praktische Umsetzung wirkt laut DUH aber vor allem eine unstete Förderpolitik mit einem Nebeneinander mehrerer gesetzlicher Regelungen. Transparenz und Planungssicherheit durch verlässliche Rahmenbedingungen müssten geschaffen werden, um Investitionsentscheidungen für klimaschonende Sanierungsmaßnamen zu fördern. Verbesserungspotenzial sieht die DUH bei der Kommunikation über die Vorzüge einer erneuerbaren Wärmeversorgung und der effizienten Nutzung von Endenergie. Auch die Debatte um Nachhaltigkeit und ökologische Folgen von Bau- und Sanierungsaktivitäten werde bisher vernachlässigt.

Regelungssysteme abgleichen, Planungssicherheit schaffen

Das Nebeneinander der unterschiedlichen Regelungssysteme des Energieeinsparungsgesetzes (EnEG), Erneuerbare-Energien-Wärmegesetzes (EEWärmeG) und der Energieeinsparverordnung (EnEV) erweise sich in der Praxis als hinderlich, vor allem weil die Berechnungen aufgrund unterschiedlicher Maßstäbe und Kenngrößen sehr komplex sind. Das EEWärmeG bezieht sich derzeit bspw. nur auf einzelne Gebäude, nicht jedoch auf die Quartiersebene. Hier wäre ein Abgleich der bestehenden Regelungen und die Zusammenführung der Gesetze und Verordnung unter einem einheitlichen gesetzlichen Rahmen notwendig, fordert die DUH, um Planern und Hauseigentürmern Planungssicherheit zu geben.

Auch im Bereich der kommunalen Wärmeplanung und dem Ausbau von Wärmenetzen liegen noch ungenutzte Potenziale, die es auszuschöpfen gelte. Als Grundlage für eine langfristige und kosteneffiziente Wärmeversorgung empfiehlt die DUH eine nachhaltige Energieversorgung als Teil der kommunalen Daseinsvorsorge zu verankern. Kommunale Unternehmen sollten dabei gefördert werden, Wärmedienstleistungen anzubieten.

Energieausweis vereinheitlichen, Sanierung individuell begleiten

Die DUH fordert die Bundesregierung auf, den Energieausweis im Zuge der anstehenden EnEV-Novellierung hinsichtlich seiner Verständlichkeit und Praxisfähigkeit zu verbessern und damit die Akzeptanz zu erhöhen. Vorschlag im Papier ist es, nur noch einen einheitlichen und aussagekräftigen Energieausweis zur Regel zu machen. Die DUH legt sich dabei aber auf kein Modell fest. Die Berechnungsmethode nach unterschiedlichen DIN-Normen sollte nach Meinung der DUH überarbeitet und mit bestimmten Standard-Parametern vereinfacht werden, so dass Ermessensspielräume zugunsten einer besseren Vergleichbarkeit eingeschränkt werden. Ein schwieriges Thema in der Praxis, mit sehr unterschiedlichen Meinungen der Akteure.

Die DUH setzt sich für eine verbindliche Einführung von individuellen Sanierungsfahrplänen ein, um die Chance zu erhöhen, dass nach einer Reihe von Teilsanierungen ein effizientes Gesamtkonzept entsteht. In Baden-Württemberg ist bspw. ein Sanierungsfahrplan als Erfüllungsoption im Rahmen des landesspezifischen Erneuerbare-Wärme-Gesetz teilweise anrechenbar. Um eine inhaltliche Qualität der gebäudeindividuellen Sanierungsfahrpläne sicher zu stellen, müsse es aber parallel eine entsprechende Qualifizierungsoffensive für Energieberater geben. Eine Erfüllung des Sanierungsfahrplans seitens der Gebäudeeigentümer könnte nach Meinung der DUH und vieler anderer Experten vor allem über einen finanziellen steuerlichen Anreiz stimuliert werden – bei dem Punkt hat sich die Politik aber bislang stur gestellt.

Heizkosten transparent machen

Die Einführung der ersten Heizkostenverordnung hat im Durchschnitt zu einer Verringerung des Energieverbrauchs von 15 Prozent beigetragen. Neuste Untersuchungen belegen nun, so Ahmels, dass durch eine Veränderung der Heizkostenabrechnung weitere Einsparungen von 3,5 bis 7 Prozent möglich sein könnten. Die DUH fordert daher die Politik auf, eine Überarbeitung der Heizkostenverordnung v. a. im Hinblick auf eine übersichtliche und transparente Darstellung der Heizkosten noch in dieser Legislaturperiode auf den Weg zu bringen.

Energiesparend ist nicht immer ökologisch

Einer der ersten Schritte zur Sanierung ist oft eine Wärmedämmung des Gebäudes, doch ökologisch ist das nicht immer – es kommt auf den Baustoff an. Nicht zuletzt sollte deshalb die strukturelle Benachteiligung von Naturdämmstoffen durch unterschiedliche Bewertungen in den bestehenden Bauordnungen der Bundesländer beseitigt werden, fordert die DUH. Trotz technischer Neuerungen sind Baustoffe aus nachwachsenden Rohstoffen schlechter gestellt als konventionelle, denn es bedarf in den meisten Fällen einer individuellen Regelung für ein Brandschutzkonzept. Dadurch ergibt sich ein erheblicher Mehraufwand an Planungs- und Koordinationsaufgaben und damit häufig ein Ausschlusskriterium für die Verwendung von nachwachsenden Baustoffen. Zu diesem Thema hat die DUH ein umfangreiches Papier erarbeitet. na


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