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HessenNachhaltige Nutzung von Ressourcen in Fulda

Eine Stadt von oben mit hügeliger Landschaft im Hintergrund
Fulda in Osthessen, liegt nahe der geographischen Mitte Deutschlands (Foto: Stadt Fulda/ Bilderstürmer)

Biogas aus organischen Reststoffen, Abwärme eines Rechenzentrums und Wärmegewinnung aus Abwasser, die Stadt Fulda geht bei der Energiewende voran. Stillstand gibt es nicht. Gemeinsam mit Bürger:innen wird bereits an neuen Konzepten gefeilt.

02.05.2024 – Das Ausbaupotenzial Erneuerbarer Energien ist begrenzt und noch muss die Stadt Fulda einen Großteil ihres Energiebedarfs für die Wärmegewinnung importieren. Umso mehr setzt Fulda bereits auf innovative Lösungen, will diese weiter ausbauen und neue Konzepte entwickeln. Grund genug für die Agentur für Erneuerbare Energien (AEE) Fulda als Energie-Kommune des Monats April auszuzeichnen.

„Klimaschutz ist kein endender Vorgang“, so AEE-Geschäftsführer Dr. Robert Brandt. „Vielmehr ist Klimaschutz ein stetiger Prozess, der in alle Facetten der Verwaltung, des täglichen Lebens, der Arbeitswelt vordringt.“ Fulda sei ein wunderbares Beispiel dafür, wie Offenheit, Innovation und Vielfältigkeit der Erneuerbaren helfen, Ressourcen effizient zu nutzen.

Abwasser fürs Löhertor-Quartier

Ein Beispiel ist das Löhertor-Quartier, wo die Zentrale des Energieversorgers RhönEnergie Fulda, das Finanzamt, ein Hotel und zahlreiche Wohngebäude untergebracht sind. Der Wärmebedarf der rund 30.000 Quadratmeter Nutzfläche wird aus Abwasser gewonnen. Unter einer Straße an der Außenseite des Quartiers befindet sich eine große Abwasser-Rohrleitung des Abwasserverbandes Fulda. 2022 wurde dort eine Schachtsiebanlage installiert, die 100 Kubikmeter Abwasser pro Stunde filtert.

Durch einen Wärmetauscher und darin enthaltener Soleflüssigkeit wird dem selbst im Winter acht bis elf Grad warmen Abwasser die Energie entzogen und durch eine mit Photovoltaik-Anlagen betriebene Wärmepumpe auf 48 bis 58 Grad Celsius erwärmt. Im Sommer hat das Abwasser eine Temperatur von 16 bis 18 Grad und kann als Wärmesenke zum Kühlen des Quartiers genutzt werden. Insgesamt stehen so 600 Kilowatt (kW) Leistung zum Heizen und 400 kW Leistung zum Kühlen zur Verfügung.

Der weitere Energiebedarf für Strom und Wärme wird durch die PV-Anlagen auf den Dächern des Quartiers und ein Blockheizkraftwerk (BHKW) gedeckt. Betrieben wird das BHKW mit Biomethan aus der nahegelegenen Biogas-Anlage am Finkenberg. Eine Nassvergärung (jährlich 6.500 t Gülle und 26.000 t Lebensmittelabfälle) und eine Trockenvergärung (jährlich 32.000 t organische Gewerbeabfälle und Inhalte der braunen Tonne) produzieren dort rechnerisch Bio-Methan für Heizenergie von 2.400 Haushalten. Den Energiedarf der Biogas-Anlage selbst decken PV-Anlagen auf den Dächern und eine Freiflächenanlage, die zusätzlich Strom ins Netz einspeisen.

Geothermie fürs Rechenzentrum der Stadt

Ein weiteres Beispiel in kleinerem Maßstab ist das Rechenzentrum der Stadtverwaltung. Die Kommune setzt hier nicht auf energieintensive Kältemaschinen, sondern auf geothermale Energie. In einem umgenutzten Luftschutzbunker wird das Rechenzentrum mit einer Kombination aus Erdkühlung und moderner Freikühlung zur Hot-Spot-Kühlung betrieben. Die Abwärme des Rechenzentrums wird zugleich zum Beheizen einer angrenzenden Halle eingesetzt.

Während das Löhertor-Quartier komplett CO2-Neutral mit Energie versorgt wird, hat Fulda insgesamt noch einen weiten Weg vor sich. Laut Angaben der AEE beläuft sich der Gesamtenergiebedarf der 70.000 Einwohner:innen-Stadt auf 3.150 Gigawattstunden (GWh). Bisher werden mit acht Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen und unter anderem 1.413 Photovoltaik-Anlagen lediglich 28 GWh Strom vor Ort erzeugt. Das entspricht einem Anteil von 4,4 Prozent. Der Wärmebedarf der Kommune wird zu 1,2 Prozent mit Erneuerbaren Energien gedeckt. Solarthermie, Holz, Umweltwärme und Biomasse produzieren 25 GWh.

Um die Stadt bis 2040 treibhausgasneutral zu versorgen, sind die Stadt, ihre Bewohner:innen und Energieversorger dabei neue Konzepte zu erstellen. Die RhönEnergie Gruppe will in den nächsten Jahren insgesamt 100 Millionen in Windparks und PV-Anlagen investieren. Weitere 100 Millionen Euro sollen in das Stromnetz fließen. Arnt Meyer, Geschäftsführer der RhönEnergie Gruppe, sagt: „Wir sehen uns als kraftvoller Motor der Energiewende in unserer Region und freuen uns, dass wir im engen Schulterschluss mit der Stadt so viel voranbringen konnten. In unseren Bemühungen werden wir in Zukunft noch mehr Tempo machen.“

Gemeinsam mit den Einwohner:innen Fuldas erarbeitet die Stadt in mehreren Workshops eine Fortschreibung des städtischen Klimaschutzkonzeptes bis 2040. Das bisherige stammt aus dem Jahr 2013. Thema der bereits durchgeführten Workshops waren: Stadtplanung und Wohnen: Energie einsparen und erneuerbare Energien nutzen; Klimaanpassung: Hitze und Starkregen meistern; Konsum, Kultur und Bildung; Verkehr und Mobilität.

Im Juli sollen die Ergebnisse vorgestellt werden. Laut Potenzialanalyse der Stadt liegen die eigenen Möglichkeiten durch Energieeinsparung, Energieeffizienz und Erneuerbare Energien bei immerhin 1.013 GWh. Den Rest müsste Fulda weiter importieren und hoffen, dass in ganz Deutschland ähnlich engagierte Politiker:innen und Bürger:innen für eine klimaneutrale Energieversorgung sorgen. mg

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