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Fossile Energie

Braunkohle könnte Deutschlands CO2 Budget ausschöpfen

Keine Zukunft für die Kohle – so sehen es neben Umweltschutzorganisationen auch die Klimaaktivsten aus dem Hambacher Forst (Foto: ©Manuel Först)

Allein die Ausbeute aller bereits freigegebenen Braunkohlereserven in Deutschland würde das gesamte CO2 Budget für den Energiesektor zum Erreichen der Pariser Klimaziele verbrauchen. Die Kohlekommission sollte gewarnt sein.

14.07.2018 – Mit rund 3,84 Milliarden Tonnen CO2 würde Deutschland zusätzlich die Atmosphäre belasten, wenn es die bereits freigegeben Reserven in den Braunkohlerevieren vom Rheinland bis in die Lausitz aufbrauchen würde. Zu diesen Ergebnissen kommt ein neues Kurzgutachten des WWF. Dabei darf der gesamte Energiesektor – laut den Pariser Klimazielen – bis 2050 nur noch 2 bis 4 Milliarden Tonnen ausstoßen, um eine Begrenzung der Erderwärmung auf deutlich unter 2 Grad zu erreichen und die Ziele fair auf alle Länder und Sektoren zu verteilen.

Doch die Braunkohle wird in Zukunft nicht alleine für den Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase verantwortlich sein. Auch Steinkohle, Erdgas und Erdöl werden im Energiesektor weiterhin die Umwelt belasten. „Die Kohlekommission darf über den wichtigen wirtschaftlichen und sozialen Aspekten des Kohleausstiegs in Deutschland den verheerenden Einfluss der Braunkohle auf das Weltklima nicht aus den Augen verlieren“, warnt daher Michael Schäfer vom WWF Deutschland die Kohlekommission vor ihrem heutigen ersten Arbeitstreffen.

Braunkohle: der schmutzigste Energieträger weltweit

Der Stromsektor in Deutschland repräsentiert den bei Weitem größten Einzelbeitrag zum Ausstoß von Treibhausgasen in die Atmosphäre, mit aktuell 37 Prozent. Fast die Hälfte der im Stromsektor verursachten CO2-Emissionennimmt dabei die Braunkohle in Anspruch. Und bei den bislang geleisteten Emissionsminderungen seit 1990 leistete der Stromsektor nur einen unterproportionalen Minderungsbeitrag.

Deutschland ist Braunkohleweltmeister„Deutschland ist Braunkohleweltmeister. Kein anderes Land der Welt fördert mehr Braunkohle als wir. Dabei ist Braunkohle der schmutzigste Energieträger mit dem höchsten CO2-Ausstoß pro Kilowattstunde“, so Schäfer. Mit 171,5 Millionen Tonnen förderte Deutschland im Jahr 2016 mehr Braunkohle als alle anderen Staaten dieser Erde, obwohl in vielen anderen Regionen der Welt weitaus mehr Reserven und Ressourcen zur Verfügung stehen.

So findet beispielsweise in Vietnam trotz der Reserven von 244 Millionen Tonnen und einem verbleibenden Gesamtpotenzial von 200 Gigatonnen bis heute keine Braunkohleförderung statt. Auch Russland fördert mit 73,7 Millionen Tonnen derzeit nur Braunkohle in Höhe von einem Tausendstel seiner Reserven.

Politik und Verwaltung unterstützen den Abbau von Braunkohle

In Deutschland jedoch erteilen Politik und Verwaltung immer neue Abbaugenehmigungen. So genehmigte die Bezirksregierung Arnsberg Ende März weitere Rodungen im Hambacher Forst für die Fortführung des dortigen Braunkohleabbaus. Stand jetzt darf RWE, seinem Betriebsplan folgend, ab Oktober wieder in dem Wald roden, um den Hambacher Tagebau auszuschöpfen.

Klimaaktivsten stellen sich jedoch seit Jahren gegen den Energiekonzern und versuchen die Rodungen und den Abbau der Braunkohle mit Protestaktionen zu verhindern. Der BUND NRW versucht derweil vor Gericht weiteren Rodungen entgegenzuwirken. Erst diese Woche reichte der Landesverband einen neuen Eilantrag vor dem Kölner Verwaltungsgericht ein.

Dieser ist nun Teil von insgesamt fünf Verfahren, die der BUND NRW gegen RWE führt, um den Hambacher Forst als schützenswertes Biotop zu erhalten. Auch der BUND appelliert an die heute stattfindende Kohlekommission und erneuerte seine Forderung nach einem Kohle-Moratorium: „Alle Maßnahmen im Braunkohlen-Revier, die unumkehrbare Fakten schaffen würden, müssten sofort eingestellt werden.“ mf


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