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Report von Weltbank und PIKÜber 100 Millionen Binnen-Klimaflüchtlinge bis 2050

Wie hier in Eritrea werden die Dürre-Perioden immer länger. Neben Bürgerkrieg und Unterdrückung bewegt auch das Klima die Menschen zur Flucht. (Foto: © CAN Europe / flickr.com, CC0 1.0)

Sollte der Klimawandel wie bisher fortschreiten, könnten bis 2050 über 100 Millionen Menschen innerhalb von Staaten migrieren. Aufgrund abnehmender Wasserressourcen und landwirtschaftlicher Erträge wäre besonders Afrika südlich der Sahara betroffen.

20.03.2018 - „Dass Migrationsentscheidungen von Klimafaktoren beeinflusst werden können, belegt bereits eine Vielzahl von Fallstudien. Der neue Bericht zeigt jetzt das mögliche Ausmaß von klimagetriebener Binnenmigration in drei großen Weltregionen, und zwar auf Grundlage einer Kette von Computersimulationen - vom Klimasystem über Wasserressourcen und Landwirtschaft bis hin zur Bevölkerungsverteilung“, sagt Jacob Schewe vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) und Co-Autor einer neuen Studie. Gemeinsam mit der Weltbank untersuchte das PIK mithilfe von Computersimulationen mögliche Binnenmigrationen aufgrund des Klimawandels in den Regionen Südasien, Lateinamerika und Sub-Sahara-Afrika.

"Migration ist heute ein vielerorts auch überhitzt diskutiertes Thema - Populisten schüren Ängste in der Bevölkerung vieler Industrieländer, ob in Deutschland oder den USA. Am meisten betroffen von Migration sind aber die Länder des Südens, und die meisten Migranten bewegen sich nur innerhalb ihrer Landesgrenzen“, ergänzt Schewe. Dabei kommt die Studie auch zu dem Schluss, dass eine entschlossene Reduktion der Treibhausgasemissionen die Migrationsbewegungen um bis zu 80 Prozent verringern könnte.

Der Klimawandel treibt Menschen vom Land in die Städte

Bei einem besonders pessimistischen Szenario jedoch – welches hohe Emissionswerte mit ungleicher Entwicklung kombiniert und reflektiert – könnten Binnen-Wanderungen sogar bis zu 143 Millionen Menschen betreffen. Alleine 85,7 Millionen Menschen in Sub-Sahara-Afrika. Dürre und Überschwemmungen treiben die Menschen vor allem aus ländlichen Regionen in die urbanen Zentren des Landes.

„Wenn jetzt Städte Maßnahmen ergreifen, um sich auf den Anstieg der Zuwanderung aus ländlichen Gebieten einzustellen, und um etwa die Möglichkeiten für Bildung und Beschäftigung zu verbessern, dann wird sich das langfristig auszahlen“, erklärt der Vorstandsvorsitzende der Weltbank, Kristalina Georgieva. Durch eine positive sozioökonomische Entwicklung der Länder könnten selbst bei weiterhin hohen Emissionswerten Schäden durch Migrationsbewegungen teilweise aufgefangen werden.

Der globale Norden muss seine Treibhausgasemissionen radikal senken

Doch um klimabedingte Binnenmigration in Afrika zu vermeiden, müssen vor allem die führenden Industrieländer dieser Erde ihren CO2-Ausstoß radikal senken. „Dass sie vom Klimawandel dazu gezwungen werden können ihre Heimat zu verlassen, und dabei oft auch noch in wirtschaftliche Not geraten, kann uns im Norden, die wir den Klimawandel hauptsächlich verursacht haben, nicht egal sein. Auch weil regionale Krisen heute rasch globale Auswirkungen haben können", sagt Jacob Schewe.

Und klimabedingte Flucht ist bereits heute auch in Europa spürbar. Um entsprechende Migrationsbewegungen auch über Landesgrenzen hinweg besser prognostizieren zu können, arbeitet ein Team um Schewe bereits an der Entwicklung einer noch größeren Computersimulation. mf


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