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Meinung der Woche
30. Oktober 2017

Wandel und Chancen: Elektromobilität und der Arbeitsmarkt

Das Konzept der Mobilität steht auf dem Prüfstand, spätestens seit alternative Antriebe alltagstauglich geworden sind. Ein guter Anlass, um auch die Entwicklung des Arbeitsmarktes genauer unter die Lupe zu nehmen um dem Mythos „Jobkiller Elektromobilität“ auf den Grund zu gehen.

Laura Jentsch, Joblift PR & Content Marketing

Laura Jentsch, Joblift PR & Content Marketing
Laura Jentsch ist PR und Content Marketing Manager bei Joblift, einer Metasuchmaschine für aktuell mehr als 1.000.000 Jobs aus über 100 Partnerjobbörsen. (Foto: privat)
Laura Jentsch ist PR und Content Marketing Manager bei Joblift, einer Metasuchmaschine für aktuell mehr als 1.000.000 Jobs aus über 100 Partnerjobbörsen. (Foto: privat)

30.10.2017 – Seit dem Dieselskandal kursieren verschiedene Studien zu den vermeintlich katastrophalen Auswirkungen eines eventuellen Verbots des Verbrennungsmotors auf die deutsche Industrie. Zuletzt konstatierte das Ifo-Institut: Mindestens 426.000 Arbeitsplätze im direkten Umfeld der Automobilbranche sind gefährdet. Sollten wir in Anbetracht solcher Prognosen – die im Übrigen völlig außer Acht lassen, wie sehr sich der Mobilitätssektor in den nächsten Jahren durch die Digitalisierung und den wachsenden Wettbewerb weltweit ohnehin hätte transformieren müssen – jeglichen Fortschritt verneinen und auf veralteten Technologien beharren? Deutschland ist traditionell eigentlich ein Innovationsstandort. Bisher kommen die E-Mobility-Lösungen aber aus den USA und aus China, nicht aus den Automobilmekkas Stuttgart und München. Werden wir diesen Trend noch umkehren können? Wenn ja, dann wird der Arbeitsmarkt ein Verbot der Verbrenner vermutlich verkraften können.

Werfen wir einen Blick auf die Datenlage: Allein in den letzten 24 Monaten wurden 7.330 Experten für Elektromobilität in Deutschland gesucht. In diesem Jahr stieg der Bedarf sogar noch einmal um 58 % im Vergleich zu 2016 an. Damit wuchs der Stellenmarkt für alternative Antriebe zweieinhalbmal so schnell wie in der konventionellen Autobranche. Voraussichtlich könnten 208.500 neue Jobs bis 2030 entstehen, und das nur im explizit auf E-Mobilität spezialisierten Bereich. Und schon ergibt sich ein anderes Bild der Situation, denn bereits diese Arbeitsplätze würden 48 % der wahrscheinlich wegfallenden Jobs ersetzen können.

Die entscheidende Frage in den nächsten Jahrzehnten könnte eine andere sein, wenn man die regionale Entwicklung betrachtet. Bisher profitieren von dem starken Wachstum des Stellenmarktes in der Elektromobilität vor allem Baden-Württemberg und Bayern. Klar, entwickelt wird in den Stammwerken, dort entstehen zwei von drei Arbeitsplätzen. Aber was passiert mit den restlichen Produktionsstandorten, die sich auf die anderen Länder verteilen? Ein gewöhnlicher Pkw besteht zu 70 % aus Teilen von Zulieferern, aber da die Motoren für Elektroautos weniger komplex sind und keine aufwendigen Getriebe mehr gefertigt werden müssen, geraten diese Firmen nun besonders unter Druck. Ein weiteres gravierendes Problem offenbart sich, wenn man einen Blick auf die erforderlichen Qualifikationen wirft: Die Entwicklung von alternativen Antrieben verlangt gerade in der ersten Zeit verstärkt nach Ingenieuren und IT-Spezialisten. Insgesamt 87 % der bisherigen Ausschreibungen suchen Bewerber mit einem Hochschulabschluss, nur für 8 % reicht eine Berufsausbildung. In den traditionellen Berufen hingegen setzen noch nicht einmal die Hälfte der Gesuche ein Studium voraus. Uns steht demnach eine massive Akademisierung im Automobilsektor bevor, wie sie die Digitalisierung in vielen Branchen ausgelöst hat.

Wie sich die Anzahl der Arbeitsplätze im Automobilbereich entwickeln wird, ist und bleibt reine Spekulation. Stattdessen sollte uns die Veränderung in der Personalstruktur beschäftigen, denn sie konfrontiert uns mit dem bisher ungelösten Dilemma der Technologisierung – was bringt die Zukunft für gelernte Mechatroniker, Bandarbeiter und Monteure? Und wir sollten uns fragen, wie sich der Industriestandort Deutschland in den nächsten Jahren in anderen Regionen als dem Südwesten weiterentwickeln kann – um den Arbeitsmarkt langfristig überall zu stabilisieren.

Laura Jentsch ist PR und Content Marketing Manager bei Joblift, einer Metasuchmaschine für aktuell mehr als 1.000.000 Jobs aus über 100 Partnerjobbörsen.




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