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DeutschlandEin Jahr nach dem Atomausstieg

Warnschild nukleare Strahlung im Gras
Ein Jahr nach dem Atomausstieg sinken Emissionen aus der Stromerzeugung und der Anteil an Erneuerbaren im Stromnetz steigt (Bild: Kilian Karger auf Unsplash).

Ein Jahr nach dem Atomausstieg Deutschlands ziehen Umweltorganisationen Bilanz. Der Anteil Erneuerbarer Energien steigt stetig an, Strom wird günstiger und Emissionen sinken. Die Energieversorgung ist gesichert.

15.04.2024 – Vor genau einem Jahr wurden die letzten drei Atomkraftwerke Neckarwestheim 2, Emsland und Isar 2 endgültig abgeschaltet. Deutschland produziert keine Atomenergie mehr. Schreckensszenarien auf dem Strommarkt sind nicht eingetreten. Ein Jahr nach dem Atomausstieg ist die Stromversorgung heute mit mehr Erneuerbaren im Netz sicherer, günstiger und sauberer denn je.

Weniger fossiler Strom, weniger Emissionen

Das bestätigt auch eine gemeinsame Studie von Greenpeace und der Ökoenergiegenossenschaft Green Planet Energy, die untersucht, wie sich der Wegfall des Atomstroms auf die deutsche Energieversorgung ausgewirkt hat.

Der Anteil fossiler Energie ging im Vorjahresvergleich deutlich zurück. Die Verstromung von Braunkohle sank um 29 Prozent, von Steinkohle um 47 Prozent und von Gas um fünf Prozent. Die Emissionen aus der Stromerzeugung sind so um 24 Prozent gesunken. Die gesamte Stromnachfrage in Deutschland ging dabei im Vorjahresvergleich nur um ein Prozent zurück.

Energieversorgung gesichert

Zwar wurde im Jahresvergleich rund 20,6 TWh mehr Strom importiert als exportiert. Das liegt aber nicht daran, dass Deutschland nicht ausreichend Strom produzieren konnte. Stattdessen war in bestimmten Marktsituationen der Import von Strom aus dem Europäischen Ausland schlicht günstiger als Strom aus Gaskraftwerken im Inland.

Bei knapp der Hälfte des importierten Stroms handelte es sich um grüne, Erneuerbare Energie. Die andere Hälfte Bestand wiederum fast gleichauf aus Atomstrom und fossiler Energie. Insgesamt machten importierter fossiler und atomarer Strom jedoch jeweils lediglich vier Prozent der Stromnachfrage im Betrachtungszeitraum aus.

Die Autoren der Studie erwarten, dass Deutschland bei stetigem Ausbau der Erneuerbaren bereits ab etwa 2030 günstigen grünen Strom exportiert. „Der Ausstieg aus dieser Hochrisikotechnologie hat die Energiewende beschleunigt - er war die richtige Entscheidung“, fasst Heinz Smital, Atomexperte von Greenpeace zusammen. „Die Erneuerbaren Energien werden immer stärker ausgebaut und haben die Leistung der Atommeiler längst ausgeglichen – ganz ohne zusätzliche Kohleverstromung“, betont auch NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger.

Teurer Atomstrom, günstiger Ökostrom

Wird die gesamte Wertschöpfungskette betrachtet, ist Atomkraft die teuerste Form der Energieerzeugung. AKW-Betreiber können nur deshalb kurzfristige Gewinne machen, weil die jahrhundertelangen Endlagerkosten von Atommüll an der Gesellschaft hängen bleiben. Hinter dem Bau von AKW stehen normalerweise Staaten.

„Kein Konzern würde aus eigener Tasche in AKW investieren, dafür braucht es sehr viel Geld und Risikoblindheit. Der Markt funktioniert, kein Unternehmen lässt sich auf solche Wetten gegen die Zukunft ein. Geld zum Bau kam und kommt immer von den Steuerzahlenden“, hebt Olaf Bandt, BUND-Vorsitzender hervor.

Atomstrom ist nicht sauber

Atomstrom macht weltweit weniger als zwei Prozent des Endenergieverbrauchs aus. Für die Energieversorgung ist Atomstrom kaum relevant. Trotzdem fordern CDU und FDP auch nach einem langwierigen Ausstiegsprozess immer wieder den Wiedereinstieg in Atomkraft. Gelegentlich wird die Klimakrise als Grund herangezogen.

Atomkraft ist weder klimafreundlich noch CO2-neutral. Der auf stabile Bedingungen ausgelegte Betrieb stellt zudem eine wachsende Gefahr in politisch, und eben klimatisch instabilen Regionen dar.

„Alles in allem ist Atomkraft kein Heilsbringer in der Klimakrise, sondern ein erhebliches Hemmnis“, erteilt Bandt den Phantom-Diskussionen eine Absage. „Denn sie bindet weiterhin Kapazitäten und Investitionen, die dann im naturverträglichen Ausbau erneuerbarer Energien und Speichertechnologien fehlen. Dort würden sie einen echten Beitrag leisten, um die Erderhitzung einzudämmen.“  

Atomkraft, nein danke!

Es bleibt die Endlagersuche und der Produktionsstopp nuklearen Materials zur Vollendung des Atomausstiegs. Atommüll muss über Jahrhunderte gelagert werden, auch in Deutschland. Da noch kein Endlager gefunden wurde, sind teils hochradioaktive Abfälle in Zwischenlagern untergebracht. Deren Sicherheit ist fragwürdig. Kommende Generationen werden mit dem verstrahlten Problem über Jahrhunderte leben müssen. jb

Helmut L. am 16.04.2024

Was in der Diskussion um Kernkraftwerke stets vergessen wird:

Das Drama um die Kraftwerke in Saporischschja zeigt, wie verwundbar die KKWs sind. Sie brauchen auch in abgeschaltetem Zustand Kühlwasser, das mit elektrischen Pumpen bewegt wird, und dazu braucht man Strom aus dem Netz. Wird durch Sabotage oder Kriegshandlungen der Netzanschluss zerstört, müssen Dieselgeneratoren den Strom für die Pumpen liefern. Ist der Treibstoff alle, stehen die Pumpen still, der Reaktor überhitzt und der GAU tritt ein. Aufgrund der aktuellen Erfahrungen mit Saporischschja die Wiederinbetriebnahme oder den Neubau von Reaktoren zu fordern ist unverzeihlich ignorant und dumm.

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