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In den USA schließen die großen Kohlekraftwerke

Selbst produzierte, dunkle Wolken über der Navajo Generating Station nahe der Stadt Page im US-Bundesstaat Arizona. Ende 2019 soll das 2.250-MW-Kohlekraftwerk schließen. (Foto: © <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/File:Navajo_generating_station_Pag
Selbst produzierte, dunkle Wolken über der Navajo Generating Station nahe der Stadt Page im US-Bundesstaat Arizona. Ende 2019 soll das 2.250-MW-Kohlekraftwerk schließen. (Foto: © Myrabella / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0)

Zwei der größten Kohlekraftwerke des Landes stehen vor dem Aus, der Weiterbetrieb sei unwirtschaftlich gaben die Betreiber bekannt. Auch mit dem Aussetzen von Umweltauflagen kann US-Präsident Trump den Niedergang der Kohleindustrie nicht aufhalten.

21.02.2017 – Die US-Kohleindustrie zu alter Größe zurückführen und Tausende arbeitslose Kohlekumpel wieder in Lohn und Brot bringen, das hatte US-Präsident Donald Trump mehrfach versprochen. Am vergangenen Donnerstag hob er deshalb eine Wasserschutzrichtlinie für Kohleförderer auf, die sein Amtsvorgänger zum Schutz von Flüssen und Wasserläufen erlassen hatte. Weitere Erleichterungen für Kohlegruben und Kohlekraftwerke sollen folgen. Energieexperten bezweifeln dagegen, dass der Präsident den Jobverlust in der Kohleindustrie und den weltweiten Trend aufhalten kann.

Die Schließung zwei der größten Kohlekraftwerke des Landes sprechen für diese Einschätzung. Innerhalb von drei Wochen gaben die Betreiber der Kohlekraftwerke Navajo in Arizona und J.M. Stuart in Ohio die Aufgabe ihrer Anlagen Ende 2019 bzw. Mitte 2018 bekannt. Im Falle des Navajo-Kraftwerks (Leistung: 2.250 Megawatt, MW) wurde die Schließung mit Ende 2019 noch einmal um zwei Jahre hinausgezögert, es gab auch Pläne die Anlage bereits in diesem Jahr stillzulegen. Die Betreiber hätten sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, verteidigte eines der beteiligten Unternehmen ihren Entschluss. In dem Kraftwerk in Arizona arbeiten größtenteils Angehörige der Indianer-Stämme der Navajo und Hopi und generieren Einnahmen für ihre Gemeinde. Sie haben das Recht, das Kohlekraftwerk auch nach 2019 weiterzubetreiben, was allerdings als sehr unwahrscheinlich gilt.

Solar- und Windparks statt Kohlekraftwerke

Denn die wirtschaftliche Lage für Kohle sieht düster aus. Die Betreiber begründen die Stilllegung mit der sich schnell verändernden ökonomischen Situation auf dem Energiemarkt. Fracking-Gas steht in großem Maße zur Verfügung, kann kostengünstiger gefördert und flexibler in Kraftwerken eingesetzt werden. Der arbeits- und kostenintensive Kohleabbau in den USA kann da nicht mithalten. Umweltschützer in Arizona und dem angrenzenden Utah freuen sich dagegen, denn das Navajo-Kraftwerk ist einer Untersuchung der Umweltbehörde EPA zufolge der drittgrößte CO2-Emittent des Landes.

Vor drei Wochen gab der Versorger Dayton Power and Light (DP&L) die Schließung der beiden Kohlekraftwerke J.M. Stuart (2.440 MW) und Killen (666 MW) in Ohio bekannt. Die Stilllegung ist Teil eines groß angelegten Plans, den DP&L mit der größten US-Umweltorganisation Sierra Club, der Stadt Dayton und weiteren Akteuren vereinbart hat. Darin bekennt sich der Versorger dazu bis 2022 Solar- und Windenergieprojekte mit einer Leistung von mindestens 300 MW in Ohio zu errichten, zwei Millionen US-Dollar für den Strukturwandel und die Umschulung von Kohlearbeitern bereitzustellen und eine halbe Million zur Unterstützung von einkommensschwachen Stromkunden auszugeben. Zudem sollen 35 Millionen Dollar in den Aufbau von intelligenten Stromnetzen fließen.

Versorger müssen Umdenken

Die Kohlekraftwerke schreiben seit Jahren rote Zahlen, die Schließung sei ökonomisch notwendig, bestätigte DP&L. Der Sierra Club spricht von zusätzlichen Kosten von 37 Millionen US-Dollar vermiedenen Gesundheitskosten durch die Stilllegung, sowie 1.200 Asthma-Anfällen, 100 Herzinfarkten und nahezu 100 vorzeitigen Todesfällen.

Die Schließung der Kohlekraftwerke zeigt die sich schnell ändernden wirtschaftlichen Gesetzmäßigkeiten im amerikanischen Energiesektor, die Versorger zum Umdenken zwingen und zum Schrumpfen des Kohlesektors führen. Diesen Trend wird auch US-Präsident Donald Trump kaum aufhalten können. cw


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Kommentare

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F Heilbronner 23.02.2017, 08:50:45

+186 Gut Antworten

Eine gute Nachticht für die Welt und die Menschheit.

Soviel steht zweifellos fest. Die schliessungen resultieren aus strengen Umweltstandarts

Nur eine Frage sei angebracht:

Die us -Grenzwerte für Kohlemeiler sind mit D verglichen geradezu legendär gut: egal ob NO2, CO2, Quecksilber u tausend andere..

 

Wann führen wir solche standarts ein? Deutsche Meiler wären in der USA gar nicht genehmigungsfähig: pro jahr bläst ein kohlewerk im schnitt soviel Quecksilber raus, wie 3 Mio Energiesparlampen versorgen könnten?

 

Wann setzten wir die Standarts hoch?

Clemens Weiß 23.02.2017, 09:14:26

+187 Gut Antworten

Lieber Herr/Frau Heilbronner,

 

das sind sehr gute Fragen, deren Beantwortung wir uns auch wünschen! Zur Erhöhung der Quecksilber-Grenzwerte für Kohlekraftwerke in Deutschland und der EU gibt es Vorschläge von Umweltverbänden, die Technik ist vorhanden (siehe USA).

 

Leider sind uns zum jetztigen Zeitpunkt keine Initiativen der regierenden Parteien in Deutschland oder der EU-Kommission bekannt.

 

Viele Grüße,

Clemens Weiß / Redaktion


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