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LNGFrankreich importiert russisches Gas, das es selbst nicht braucht

Auf ein LNG-Tanker haben Aktivisten von einem Schlauchboot aus "Gas kills" geschrieben.
Bei der Einfahrt eines LNG-Tankers im französischen Le Havre überraschen Greenpeace-Aktivist:innen mit einer Protestaktion (Bild: © Jean Nicholas Guillo / Greenpeace)

Noch immer ist Russland zweitgrößter Importeur von Flüssigerdgas nach Frankreich. Gas, das die Franzosen immer weniger nutzen und trotzdem zusätzliche LNG-Kapazitäten planen. Stattdessen wird Gas wieder exportiert, unter anderem nach Deutschland.

11.10.2023 – Bis zum russischen Angriffskrieg in der Ukraine existierten bereits vier feste Terminals für die Anlandung von Flüssigerdgas – auf Englisch: Liquefid Natural Gas, kurz LNG – in Frankreich. Infolge des Krieges und drohender Gasmangellage in Europa, wurde ein weiteres schwimmendes LNG-Terminal in Le Havre in Betrieb genommen und das existierende in Fos Cavaou erweitert. Geplant ist, dieses für die Aufnahme zusätzlicher LNG-Kapazitäten weiter auszubauen.

Dabei geht der Gasbedarf in Frankreich selbst rapide zurück. Aufgrund milden Wetters und hoher Preise sparten die Haushalte in Frankreich kräftig ein. Gegenüber dem Vorjahr ging der Gaskonsum des Landes 2022 um 9 Prozent zurück, wie das Institute for Energy Economic und Financial Analysis (IEEFA) auf Grundlage von Eurostat Daten in einem Report berichtet. Ein Trend, der sich in diesem Jahr fortsetzte. Im ersten halben Jahr 2023 war der Gasverbrauch geringer als in derselben Periode in den zwei Jahren zuvor. Im August 2023 war der Verbrauch auf einem zehn Jahres Tief und mit 1.351 Milliarden Kubikmetern (bcm) sogar geringer als in Folge der Corona-Krise und schwachen wirtschaftlichen Aktivitäten.

Die Folge: Frankreich exportiert Gas weiter in die Nachbarländer, unter anderem nach Deutschland. Ein üblicher Vorgang im gemeinsamen europäischen Energiemarkt. Doch damit bezieht Deutschland indirekt weiteres russisches Gas. Denn nach den USA ist Russland zweitwichtigster Importeur von LNG nach Frankreich. 2022 zahlte Frankreich 32 Milliarden Euro für LNG-Importe. 16 Milliarden davon gingen in die USA, 5,4 Milliarden nach Russland und 3,2 Milliarden Euro nach Katar. Zudem wurden an französischen Häfen weitere 2,57 Milliarden Kubikmeter russisches LNG von Anfang 2022 bis Mitte 2023 umgeladen, für den Weitertransport in andere Länder. Auch andere europäische Länder steigerten ihre direkten Importe russischen Flüssigerdgases seit Beginn des Krieges.

Wärmepumpen verdrängen Gas

Nach einem zwischenzeitlich hohen Bedarf 2022 fiel die Auslastung französischer LNG-Terminals wieder und lag von Januar bis inklusive August diesen Jahres bei durchschnittlich 49 (Fos Tonkin) bis 65 Prozent (Montoir-de-Bretagne). Ana Maria Jaller-Makarewicz, Energie- Analystin und Autorin des IEEFA-Reports warnt: „Wenn der Bedarf weiter sinkt, riskieren Frankreich und die europäischen Nachbarstaaten in Gas-Infrastrukturen zu investieren, die die Energiesicherheit (durch Abhängigkeiten) weiter gefährden und nicht ausreichend genutzt werden.“

Seit diesem Jahr gibt es in Frankreich eine Förderung von 5.000 Euro für den Ersatz von Öl- oder Gasheizungen durch eine Wärmepumpe. Mit weiteren erheblichen Förderungen will die französische Regierung den industriellen Hochlaufs des Wärmepumpenmarktes vorantreiben. Über 460.000 Wärmepumpen wurden in Frankreich schon im letzten Jahr abgesetzt (Zum Vergleich: 2022 waren es in Deutschland 236.000 verkaufte Wärmepumpen).

Bis 2027 soll die französische Industrie derart gestärkt werden, dass eine Millionen Wärmepumpen im Land selbst gefertigt werden können, eine Verdreifachung der aktuellen Fertigung. Zudem soll die Schulung von Fachkräften erheblich intensiviert werden, sodass schon bald 30.000 Installateure für Frankreichs Wärmewende bereitstehen. Der Bedarf von Gas, dass aktuell noch 40 Prozent der französischen Haushalte heizt, wird damit weiter rapide abnehmen. Gleichzeitig verlässt sich Frankreich weiterhin auf die strittige Atomkraft, mit der künftig auch vermehrt die strombetriebenen Wärmepumpen laufen werden. mg

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