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Oxfam-StudieWie die Investments der Reichsten die Klimakrise befeuern

Eine Figur eines Mädchens steht vor einer Figur eines Bullen
Der Bulle, Symbol für Erfolg an den Märkten, und das „Fearless Girl“ vor der New Yorker Börse 2017. Von den 20 reichsten Menschen dieser Erde, stammen 13 aus den USA. (Anthony Quintano, flickr, CC BY 2.0)

Mit erheblichen Anteilen an großen Unternehmen besitzen die reichsten Menschen dieser Erde eine unglaubliche Machtfülle – und tragen damit zur Klimaverschmutzung im Ausmaße ganzer Staaten bei. Regierungen könnten dem Einhalt gebieten.

07.11.2022 – Die reichsten Menschen befeuern mit ihrem Lebensstil die Klimakrise, dass machte die Nothilfe- und Entwicklungsorganisation Oxfam in den letzten zwei Jahren in Analysen deutlich – sowohl in der Vergangenheit als auch in einer Prognose für die Zukunft. Der neueste, am heutigen Montag erschienene Bericht, weitet den Blick auf einen weiteren, wesentlichen Verantwortungsbereich der Superreichen. 50 bis 70 Prozent der CO2-Emissionen der reichsten Menschen dieser Welt stammen aus deren Investitionen. Demnach sorgen allein die Investments der 125 reichsten Milliardäre dieser Welt für Emissionen so hoch, wie die aller 67 Millionen Einwohner:innen Frankreichs zusammen.

Jeder einzelne Milliardär und jede einzelne Milliardärin verantworten mit ihren Investments einen CO2-Ausstoß von 3,1 Millionen Tonnen. Zum Vergleich: 90 Prozent der Menschheit kommt auf einen durchschnittlichen CO2-Ausstoß von 2,76 Tonnen. Durchschnittliche Emissionen von 2,1 Tonnen pro Kopf wären im Übrigen konform mit der Einhaltung des CO2-Budgets für 2030, zur Erreichung der Pariser Klimaziele. 90 Prozent der Menschheit kommen dem also schon nahe. Doch rechnet man allein die 10 Prozent reichsten hinzu, steigt der globale pro Kopf Ausstoß auf 4,7 Tonnen. Und: allein in Deutschland liegt der pro Kopf Ausstoß von CO2 bei 10,8 Tonnen.

International sticht der indische Unternehmer Gautam Adani hervor, der mit überwiegenden Mehrheitsbeteiligungen in von ihm gegründeten Firmen, wie Adani Power, Adani Transmission und Adani Ports and Special Economic Zone, CO2-Emissionen von fast 30 Millionen Tonnen jährlich verursacht. In Deutschland ist es vor allem der Logistiker Klaus-Michael Kühne, der mit Beteiligungen an Hapag Lloyd und Kühne&Nagel hohe CO2-Emissionen von  fast 4 Millionen Tonnen jährlich verursacht.

Millionen mal höher

„Die Emissionen, die der Lebensstil der Milliardär:innen, wie Privatjets und Yachten, verursacht, ist schon tausendmal höher als der einer Durchschnittsperson. Schon allein das ist nicht nachhaltig und inakzeptabel. Aber wenn wir darüber hinaus deren Emissionen aus Investments einpreisen, dann sind deren CO2-Emissionen Millionen Mal höher“, konstatiert Oxfam in seinem Bericht „Carbon Billionaires: The investment emissions of World’s richest people“, den die Organisation gemeinsam mit Expert:innen des World Inequality Lab, der London School of Economics and Political Science, der University of Sussex, dem Institute for European Environmental Policy und Daten von Exerica erarbeitete.

Grundlage der Analyse war der „Bloomberg Billionaires Index“ von August 2022, der die reichsten Menschen der Welt mit einem Vermögen von mindestens einer Milliarde US-Dollar abbildet. Die reichsten fünf besitzen dabei jeweils ein Vermögen von mehr als 100 Milliarden US-Dollar. Die Autor:innen des Oxfam-Berichts nahmen die Beteiligungen der 220 reichsten Milliardäre an Firmen genauer unter die Lupe und analysierten die sogenannten „Scope-Emissions“, die die Treibhausgasemissionen eines Unternehmens in drei Kategorien unterteilt. Die Scope 1-Emissionen sind die direkten Emissionen eines Unternehmens, die etwa bei der Produktion von Gütern ausgestoßen werden. Scope 2-Emissionen umfassen darüber hinaus die ausgestoßenen Treibhausgase, die bei der Produktion der Energie entstehen, die das Unternehmen verbraucht. Scope 3-Emissionen beinhalten zusätzlich alle darüber hinaus ausgestoßenen Treibhausgase eines Unternehmens, die gesamte Lieferkette betreffend.

Unternehmen sind international eigentlich dazu verpflichtet ihre Scope-Emissions zu melden, doch die Analyse von Oxfam zeigte, dass von 604 in Betrachtung genommenen Unternehmen 338 keine Scope 1 und 2 Emissionen veröffentlichten. Diese wurden aus der Datenbasis herausgenommen. Ebenso wurden Investments der Milliardäre von weniger als 10 Prozent nicht berücksichtigt. Grundlage der Analyse waren am Ende die Investments von 125 Milliardären in 183 Unternehmen. Das zeigt: Der CO2-Ausstoß durch Investments der Superreichen ist wahrscheinlich noch wesentlich höher. Zudem betrachteten selbst bei den analysierten Unternehmen viele nicht die (Scope 3) Emissionen entlang der gesamten Lieferkette.

In der Politik kaum berücksichtigt

Doch schon mit den verfügbaren Daten ermittelten die Autor:innen des Oxfam Berichts 393 Millionen Tonnen an CO2-Emissionen pro Jahr, die die Investments der Superreichen verursachen. Manuel Schmitt, Referent für Soziale Ungleichheit bei Oxfam Deutschland, sagt: „Die maßgebliche Rolle extremer sozialer Ungleichheit und insbesondere die enorme Verantwortung der Superreichen für die Klimakrise werden in der Politik kaum berücksichtigt. Das muss sich ändern.“ Laut Oxfam zeige der Bericht, dass die untersuchten Milliardäre die Emissionsintensität ihrer Investitionen schon allein dadurch auf ein Viertel reduzieren könnten, wenn sie ihre Investitionen in Fonds mit strengeren Umwelt- und Sozialstandards verlagern würden.

Zu Beginn der Klimakonferenz im ägyptischen Scharm El-Scheich fordert Oxfam von der Politik konkrete Maßnahmen, die die Rolle von Konzernen, Superreichen und ihre Investitionen stärker in den Blick nehmen:

  • Eine Vermögenssteuer für die reichsten Menschen und zusätzlich einen Aufschlag auf Vermögen, das in klimaschädliche Industrien investiert wurde. 
  • Eine ambitionierte Übergewinnsteuer, insbesondere für Konzerne aus dem fossilen Energiesektor. 
  • Ehrgeizige Aktionspläne der Unternehmen zum Klimaschutz mit kurz- und mittelfristigen Zielen, die mit den Zielen des Pariser Abkommens kompatibel sind und bis 2050 Klimaneutralität erreichen.  
  • Unternehmen müssen verpflichtet werden, Strategien zur Umsetzung ihrer Gemeinwohlpflichten vorzulegen. Ausschüttungen an Aktionär*innen sollten an Voraussetzungen gebunden und beim Überschuss eines Geschäftsjahres gedeckelt werden. 

„Die Superreichen müssen besteuert und Investitionen so reguliert werden, dass sich Geldanlagen, die den Planeten zerstören, nicht mehr lohnen. Die Regierungen müssen außerdem Unternehmen zu mehr Rechenschaftspflicht und Transparenz und zur radikalen Reduzierung ihrer Emissionen verpflichten", sagt Schmitt. mg


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Kommentare

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Rainer Herrmann 07.11.2022, 22:46:38

Bei aller Liebe - aber seriöse Berichterstattung sieht anders aus. Ihr Bericht lässt vermissen, wo die Autoren der sog. Oxfam-Studie ihre Zahen genau herhaben. Es ist zudem von den "Investments der Milliardäre" die Rede. Deren CO2-Ausstoß den CO2-Ausstoß des gemeinen Franzosenvolkes gegenüberzustellen, ist schlicht eine Milchmädchenrechnung. Die LKWs eines Herrn Kühne fahren nicht zu dessen Privatvergnügen, sondern transportieren all die Dinge, die das gemeine Volk konsumiert oder konsumieren zu müssen glaubt. So liegt es an jedem einzelnen, umweltschonender zu konsumieren.

Dabei hilft das Hervorholen des Modells Sündenbock in Gestalt des bösen Milliardärs nicht weiter. Und eine Neiddiskussion schon gar nicht. Wegen mir können die Yachten der Superreichen noch größer sein - haben die Autoren mal verglichen, was die Frachtschiffe dieser Welt täglich an Schweröl verfeuern? Verglichen damit beträgt der Treibstoffbedarf der Yachten nicht mal einen Bruchteil. Die milliardenschweren Vermögen der Reichen sind, wie sie richtig formuliern, Investments und damit Luftnummern. Sie spiegeln lediglich den Wert, den man an der Börse momentan bereit ist, für eine Aktie zu zahlen multipliziert mit der Zahl der Aktien, die ein Milliardär besitzt. Es wird aber nur ein Teil gehandelt. Verkauft der Milliardär alle Aktien, fällt deren "Wert" drastisch.

Es gibt ca. 1 Mrd Mercedes-Benz-Aktien zu momentan je 60€. 60 Mrd geteilt durch 7,8 Mrd Menschen ergäbe dies 7,7€ für jeden Menschen auf diesem Planeten. Ob dies den Menschen in der Dritten Welt zu mehr Wohlstand verhelfen würde?

energiezukunft 08.11.2022, 13:28:18

+1 Gut

Sehr geehrter Herr Herrmann, im fünften Abschnitt des Artikels ist beschrieben, wie Oxfam analysiert hat und woher sie die Zahlen haben. Weitere Details finden Sie in dem Bericht: https://policy-practice.oxfam.org/resources/carbon-billionaires-the-investment-emissions-of-the-worlds-richest-people-621446/

 

Dass die Logistik eines Herrn Kühne Teil unseres Konsums ist, steht außer Frage. Doch auch hier könnte die Politik Beispielhaft Maßnahmen ergreifen, um logistische Prozesse CO2-ärmer zu gestalten. Da es um den Privatkonsum geht, sollten unseres Erachtens Yachten von Milliardären nicht mit Frachtschiffen vergleichen werden, die zum Teil essenziell für den Warenverkehr sind.

 

Mit freundlichen Grüßen

die Redaktion

Rainer Herrmann 08.11.2022, 20:10:24

Genau bei der Datenbasis im fünften Abschnitt liegt die Schwäche der Argumentation. Die genannten Emissionen der Liste herzunehmen und einfach auf die jeweiligen Investoren umzulegen nach dem Motto "Die Reichen sind schuld", wird der Komplexität des Sachverhalts nicht gerecht.

Helmut Anka 12.11.2022, 20:35:46

Ich finde es immer wieder spannend, wie die von der ÖL-Lobby bezahlten oder in deren Umfeld tätigen Menschen Gegenargumente gegen den Klimawandel suchen oder immer wieder darauf hinweisen, dass eine andere Gruppe doch viel mehr zur Erderhitzung beitragen.

Und während andere versuchen all das aufzuklären macht die FOSSIL-Lobby weiter Gewinne. Dort und da.

Ja, die Logistik muss sich ändern und die Reichen sollten Ihr Geld in Klimaschutzprojekte investieren.

 

Die Frage an jeden der das liest:

Was tun SIE für eine fossilfreiere Welt?

 

Haben Sie schon eine Photovoltaik - Anlage?

Beziehen Sie zertifizierten Ökostrom?

Heizen Sie mit Wärmepumpe oder Fossil?

 

Engagieren Sie sich bei Ihrem lokalen Politiker für mehr Klimaschutz.

JA! Sie können einen positiven Beitrag leisten.


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