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BürgerenergieImmer mehr Mieterstrom in Bayern

Das Mieterstromprojekt in Höhenkirchen-Siegertsbrunn (Quelle: Bürger-Energie-Unterhaching eG)

In Bayern haben sich lokale Genossenschaften und der Öko-Energieversorger NATURSTROM zusammengeschlossen, um Mieterstromprojekte voranzutreiben. So wird den Bürgern eine tiefgreifende Teilhabe an Erneuerbare-Energien-Projekten ermöglicht.

21.10.2020 – Bis Anfang nächsten Jahres entstehen in Bayern Mieterstrom-Projekte für über 100 Wohneinheiten. Im oberpfälzischen Wenzenbach und im oberbayerischen Höhenkirchen-Siegertsbrunn, werden seit kurzem bereits 39 Wohnungen mit Mieterstrom versorgt. In Putzbrunn im Umland von München wird bis Anfang 2021 sogar Mieterstrom für insgesamt 76 Wohnungen realisiert. Der besondere Clou bei allen drei Projekten: Das Mieterstrom-Konzept wurde von Bürgerenergiegemeinschaften mit Unterstützung der NATURSTROM AG verwirklicht.

Für Tim Meyer, Vorstand von NATURSTROM, sind das Vorzeigeprojekte der dezentralen Energiewende. „Bürgerenergiegemeinschaften treiben seit jeher dezentrale Energieprojekte voran und sichern die lokale Teilhabe an sauberer Energieproduktion. Beim Mieterstrom profitieren Menschen als Verbraucher unmittelbar von der Energiewende vor Ort“, so Meyer.

In Wenzenbach ist es die Bürger Energie Region Regensburg (BERR eG), die nun eine Photovoltaik-Anlage mit einer Leistung von 93 Kilowattpeak (kWp) betreibt, die ca. 40 Prozent des Strombedarfs deckt. NATURSTROM kümmert sich derweil um energiewirtschaftliche Belange. Jochen Scherrer, Vorstandsvorsitzender der BERR, freuts: „Die Energiewende bei uns in der Region vorantreiben und dabei möglichst viele Menschen mitnehmen, das waren von Anfang an unsere Ziele in der Energiegenossenschaft“.

„Für Menschen, die nicht in der Lage sind, sich eine eigene Photovoltaik-Anlage aufs Dach zu setzen“

In Hohenkirchen-Siegertsbrunn betont die beteiligte Genossenschaft Bürger-Energie-Unterhaching eG den sozialen Charakter von Mieterstrom. Der technische Vorstand Andreas Wolf erklärt dazu: „Mit Mieterstrom haben wir die Chance, den Strom auch wirklich dort zu produzieren, wo er gebraucht wird, nämlich auf dem eigenen Hausdach. Und das für Menschen, die eben nicht in der Lage sind, sich eine eigene Photovoltaik-Anlage aufs Dach zu setzen“.

Das Mieterstrom attraktiv für Bürger und die Energiewende ist, erkennt auch die Bundesregierung. 2017 verabschiedete sie das Mieterstrom-Gesetz. Seitdem erhalten Vermieter Zuschläge, wenn sie selbstproduzierten Solarstrom ohne die Nutzung der Stromnetze direkt an die Bewohner des Hauses liefern. Doch zugleich setzten die Rahmenbedingungen hohe bürokratische und wirtschaftliche Hürden, die eine flächendeckende Umsetzung von Mieterstrom erschwerten. Ein Problem bislang: Anlagenbetreiber und Stromlieferant mussten dieselbe Person sein. Das hemmte viele Energieversorger Mieterstrommodelle direkt anbieten zu können.

Novellierung des EEG bringt leichte Verbesserungen

Mit der Novellierung des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG) für 2021 soll diese Hürde fallen. Laut Entwurf des Bundeskabinetts kann der Anlagenbetreiber künftig auch Energiedienstleister als Mieterstromlieferant beauftragen, ohne dass der Anspruch auf den Mieterstromzuschlag verloren geht. Darüber hinaus werden die Zuschläge leicht erhöht. Bei der insgesamt enttäuschenden Novellierung des EEGs fungieren die Verbesserungen beim Mieterstrom als eine der wenigen Lichtblicke.

Doch es besteht weiter Verbesserungsbedarf. So kann Mieterstrom noch immer zum Verlust der Gewerbesteuerbefreiung, was viele Vermieter abschreckt. Auch fehlt weiterhin ein eindeutiger räumlicher Bezug, was Quartierslösungen juristisch erschwert. Darüber hinaus bleibt die EEG-Novelle hinter Richtlinien der Europäischen Union zurück. Diese schreibt eigentlich vor, dass Anlagen bis 30 Kilowatt Leistung von der EEG-Umlage und weiteren Abgaben befreit werden. Doch die Bundesregierung beschloss nur eine Anhebung der Grenze von 10 kW, auf nun 20 kW, wenn sie nicht mehr als zehn Megawattstunden Strom im Jahr selbst verbrauchen. Für viele Mieterstrom-Projekte zu wenig.

Der Ökostrompionier NATURSTROM jedoch ließ und lässt sich von den Hürden nicht abhalten Mieterstromprojekte im ganzen Land zu realisieren. Die Vorteile überwiegen. zugleich warnt Tim Meyer angesichts der EEG-Novelle: „Die Energiewende braucht Luft zum Atmen, damit wir beim Erneuerbaren-Ausbau schnell vorankommen“. mf


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