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Biogas aus Bioabfall boomt in Europa

Noch nutzen die meisten Biogasanlagen nachwachsende Rohstoffe wie Mais oder Wildblumen als Substrat. Einer Studie zufolge sollen Bioabfälle in den kommenden Jahren jedoch zunehmend eine Rolle bei der Erzeugung von Bioenergie spielen. (Bild: Naturstrom AG
Noch nutzen die meisten Biogasanlagen nachwachsende Rohstoffe wie Mais oder Wildblumen als Substrat. Einer Studie zufolge sollen Bioabfälle in den kommenden Jahren jedoch zunehmend eine Rolle bei der Erzeugung von Bioenergie spielen. (Bild: Naturstrom AG)

In den nächsten zehn Jahren werden in Europa rund 650 neue Bioabfallvergärungsanlagen
mit einer Leistung von circa 850 MW el in Betrieb gehen. Eine neue Studie analysiert den europäischen Markt und untersucht die Phasen der Projektentwicklung.

25.03.2015 – Die Zahl der Biogasanlagen in Europa, die kommunale und industrielle Bioabfälle vergären, wird  zwischen 2014 und 2023 um rund 650 auf über 1.450 Anlagen ansteigen. Die installierte Leistung wird sich in diesem Zeitraum nahezu verdoppeln – um 850 MWel auf rund 1.750 MWel. Das geht aus einer aktuellen Studie des Kölner Beratungsunternehmens ecoprog hervor.

Hauptgrund für das Wachstum sind demnach die Vorgaben der europäischen Energie- und Abfallgesetzgebungen. Über deren Umsetzung in nationales Recht bestimmen sie maßgeblich sowohl die Erlösstruktur als auch die verwertbaren Bioabfallmengen. Die Vorgaben der EU-Deponierichtlinie, der EU-Abfallrahmenrichtlinie und der EU-Richtlinie zur Nutzung der erneuerbaren Energien müssen alle bis spätestens 2020 erfüllt sein. Die Folgebestimmungen sind momentan noch offen. Die stärksten Wachstumsjahre für den Bau entsprechender Anlagen zur Bioabfallverwertung werden aus heutiger Sicht also die bis 2020 sein.

Die meisten dieser Kraftwerke werden den Prognosen der Studie zufolge in den vier bevölkerungsreichsten Staaten Europas errichtet: in Großbritannien, Frankreich, Deutschland und Italien. Trotz aller Unterschiede in Konsumverhalten, Siedlungs- und Industriestruktur bestimmt vor allem die Anzahl der Einwohner über die Bioabfallmengen. Wenn in diesen Ländern zudem die gesetzlichen Rahmenbedingungen für Abfälle und die erneuerbare Energieerzeugung in ausreichendem Maße vorhanden sind, kann der Markt für die Vergärung von Bioabfällen schnell wachsen.

In den nächsten zehn Jahren wird das Vereinigte Königreich den stärksten Zubau verzeichnen können. Die Abfallwirtschaft wird durch eine ansteigende Deponiesteuer gezwungen, alternative Verwertungswege für Bioabfall zu finden. Zudem ist die Vergütung für Biogas aus Bioabfällen sehr hoch. Ähnliches gilt auch für Frankreich. Allerdings wird dort neben dem Bau von „reinen“ Bioabfallvergärungsanlagen auch der Bau von mechanisch-biologischen Abfallbehandlungsanlagen mit einer integrierten Bioabfallvergärungsanlage unterstützt.

Deutschland steht momentan im Spannungsfeld aus strengerer Abfallgesetzgebung und einer Neuausrichtung der Energiegesetzgebung. Seit Januar 2015 ist die separate Sammlung von Bioabfällen in Deutschland flächendeckend verpflichtend, was bislang einzigartig in Europa ist. Dies wird den Bau von neuen Biokraftwerken zur Verwertung fördern. Dem steht seit Ende 2014 eine restriktivere Förderung von Biogas gegenüber. Insgesamt überwiegen aber nach Einschätzung der Analysten die positiven Impulse der Abfallwirtschaft, und Deutschland bleibt somit ein Wachstumsmarkt.

Dass eine große Bevölkerung jedoch nicht die alleinige Voraussetzung für einen erfolgreichen Markt für Bioabfallvergärungsanlagen ist, wird bei der Untersuchung Spaniens deutlich. Gemäß der Bevölkerungszahl sind genügend Bioabfälle zur Vergärung vorhanden. Doch der spanische Markt stagniert, was hauptsächlich an der äußerst komplexen und relativ niedrigen Vergütung für Biogas sowie der geringen Unterstützung der Abfallwirtschaft liegt. Die meisten osteuropäischen Länder haben ebenfalls einen großen Nachholbedarf im Bereich der Abfallwirtschaft – hier ist die Deponierung bis heute die überwiegende Entsorgungsmethode. Sollen die Vorgaben der EU-Richtlinien eingehalten werden, muss sich diese Situation in den nächsten Jahren drastisch ändern. rr


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