Menü öffnen

EEG 2021Rentabilität von PV-Dachanlagen in Gefahr

Dächer in Oberstdorf mit und ohne Solaranlage
Dachanlagen werden häufig kleiner gebaut als möglich – weil die Vergütung für den eingespeisten Strom gering ist.  (Foto: Molgreen auf Wikimedia /  CC BY-SA 4.0)

Die Systempreise für solare Dachanlagen stagnieren, während die Vergütung für Strom aus diesen Anlagen sinkt. Das lässt die Anlagen tendenziell unrentabel werden, auch wenn sie auf Eigenverbrauch optimiert werden. Eine neue Logik muss her.

02.11.2021 – Die Zeiten stetig fallender Systempreise für Photovoltaik-Dachanlagen sind vorbei. Stattdessen stagnieren die Preise, steigen teilweise sogar. Beispielsweise haben die Modulpreise in diesem Jahr kräftig angezogen. Zudem sind die Handwerker ausgelastet und können ihre Marge auf die Materialkosten aufschlagen, ohne Kunden zu verlieren.  Gleichzeitig sinkt aber die feste Einspeisevergütung für Dachanlagen aufgrund der im Erneuerbaren-Energien-Gesetz vorgesehenen Degression. Wer jetzt eine neue Anlage plant, kommt vielleicht zu dem Schluss, dass er diese gar nicht wirtschaftlich betreiben kann, die Investitionskosten also nicht gedeckt werden. Mit dieser Feststellung ist der potenzielle Investor nicht allein.

Das Umweltbundesamt hat das Öko-Institut mit einer Wirtschaftlichkeitsanalyse für das Segment der PV-Dachanlagen beauftragt. Die Ergebnisse lassen dringenden Handlungsbedarf erkennen. Dachanlagen mit einer Leistung bis 100 Kilowatt werden demnach voraussichtlich auch mit optimiertem Eigenverbrauch ab Mitte 2022 nicht mehr wirtschaftlich sein.

Degressionsmechanismus im EEG ist nicht mehr zeitgemäß

Der Trend ist nicht neu. Die Kosten für Solaranlagen sind in den letzten Jahren weniger stark gefallen. Die großen Technologiesprünge mit einhergehenden Kostenreduktionen liegen länger zurück. Dennoch lohnten sich Dachanlagen, vor allem wenn sie nicht mit einer Volleinspeisung des erzeugten Stroms arbeiten, sondern möglichst viel Strom zur Selbstnutzung im Haus oder Unternehmen genutzt wird. Der Strom vom eigenen Dach war immer preiswerter als der aus dem Netz bezogene. Möglichst viel Eigenverbrauch lautete die Devise, häufig unterstützt von einem Batteriespeicher. Doch wenn das bestehende System der Vergütungsermittlung beibehalten wird, könnten selbst wirtschaftlich optimale Anlagenkonstellationen schon bald nicht mehr rentabel arbeiten.

Der mit dem EEG 2012 eingeführte Degressionsmechanismus, auch atmender Deckel genannt, ließ die feste Einspeisevergütung in Relation zum Zubau sinken. Zu diesem Zweck wurde ein Zielkorridor definiert. Bewegte sich der Zubau innerhalb des Korridors sank die Vergütung nur leicht, wurde mehr zugebaut, sank die Vergütung stärker. Das Ziel dieser Regel war eine Kostendeckelung. Denn bei stark sinkenden Vergütungen wird weniger gebaut und deshalb auch weniger EEG-Umlage an die Betreiber fällig, so die Logik. Ein entscheidender Punkt in dieser Mechanik – der Zubaukorridor. Wenn er niedrig gewählt ist, sinkt die Vergütung schon bei geringen Zubauzahlen relativ stark. Der Degressionsmechanismus tut also das, was er soll: Er bremst den Ausbau. Doch die Zeiten haben sich geändert.

Zuschläge in Höhe von vier bis fünf Cent sinnvoll

Politischer Konsens ist ein um ein Vielfaches stärkerer PV-Zubau in den nächsten Jahren. Soll er nicht nur in der Freifläche wirtschaftlich sein, muss für das Dachsegment einiges geändert werden, so das Fazit der Betrachtung. Aus diesem Grund sollten Volleinspeise-Anlagen einen Aufschlag auf die Vergütungssätze erhalten. Dieser Aufschlag müsste den Berechnungen zufolge je nach Anlagenklasse zwischen 4,1 und 5,6 Cent pro Kilowattstunde betragen. Die Erhöhung könnte als Zuschlag oder als separates Vergütungssegment für PV-Dachanlagen, die ihren Strom ausschließlich in das Stromnetz einspeisen, im EEG implementiert werden. So könnten Dachpotenziale erschlossen werden, bei denen der PV-Strom nicht selbst genutzt wird, beispielsweise weil Hauseigentümer bisher das zusätzliche Risiko durch den Eigenverbrauchsansatz gemieden haben oder die Anlage durch Dritte betrieben werden soll.

Darüber hinaus muss der Degressionsmechanismus im EEG so überarbeitet werden, dass der Fokus statt auf der Kostenbegrenzung auf dem Erreichen des aus Klimaschutzsicht notwendigen PV-Zubaus liegt. Sprich – die niedrigen Zubaukorridore sollen der Vergangenheit angehören. Stattdessen sollte der Mechanismus so wirken, dass er bei niedrigen Zubauwerten einen größeren Zubau anregt – vom atmenden Deckel zur atmenden Hebebühne. Eine regelmäßige Evaluierung soll sicherstellen, dass auf neue Entwicklungen adäquat reagiert wird.

Die Dächer voll belegen

Auch Hauseigentümer und Installateure sollten umdenken. In den letzten Jahren wurden PV-Anlagen vermehrt auf einen möglichst hohen Eigenverbrauchsanteil ausgelegt. Das heißt, die Anlagen wurden so dimensioniert, dass ein möglichst großer Anteil des erzeugten PV-Stroms selbst verbraucht werden kann. Anlagen wurden unter dieser Prämisse tendenziell kleiner ausgelegt, da bei größeren Anlagen der selbst nutzbare Anteil des PV-Stroms sinkt. Auf diese Weise bleiben gut geeignete Dachflächen ungenutzt. Die Auslegung der PV-Anlage sollte sich zukünftig aber am vorhandenen Dachpotenzial orientieren und nicht am Eigenverbrauchsanteil.

Der Anreiz für die Installation einer PV-Anlage sollte nicht sein, möglichst viel des Stroms selbst zu verbrauchen und das eigene Haus als abgeschlossenen Stromkosmos zu betrachten, sondern zu einer möglichst hohen Dekarbonisierung des gesamten Stromsystems beizutragen. Denn um die angestrebte Klimaneutralität bis zum Jahr 2045 zu erreichen, bedarf es einer schnellen und deutlichen Steigerung des PV-Zubaus. pf
 


Mehr zum Thema


Kommentare

Diskutieren Sie über diesen Artikel

Iris Theune 04.11.2021, 07:13:41

Größere Anlagen werden durch teure Smart-Meter mit hohen Kosten belegt. Es gibt mehrere Hinderungsgründe, die PV-Anlage auf eigenem Dach größer zu bauen. PV-Anlagen auf Mehrfamilienhäusern muss auch leichter möglich sein.

Thomas_aus_Marl 04.11.2021, 15:25:31

Auch die kleinere unter 10kWp- Anlage auf unserem Dach verfügt über ein Smart Meter. Mit dessen Hilfe wird beispielsweise die Ladung der hausinternen Batterie gesteuert, damit die Anlage möglichst wenig ins Netz einspeist. Zudem startet man bei Solarüberschuss damit etwa die Ladung des Elektroautos oder andere grobe Verbraucher und man kann auch von unterwegs jederzeit den Betriebszustand der Anlage überwachen. Es ist aber auch ein Smart Meter, dass wir privat gekauft haben und deshalb kostet es keine zusätzlichen Gebühren.

Richard Terwolbeck 04.11.2021, 21:00:32

Wichtiger als höhere Einspeisevergütungen wäre für mich, praktikable Bedingungen für Miteigentümer in Mehrfamilienhäusern zu schaffen.

Da wird bisher einiges an Potential verschenkt.

Darüber hinaus sollte man die Möglichkeiten von bidirektionalem Laden von E-Autos näher betrachten und standardmäßig einführen.

Zumindest für diejenigen, die ihr Auto täglich nur ein paar Kilometer fahren müssen, könnte so etwas interessant sein, ohne teure separate Stromspeicher installieren zu müssen.

Immerhin bietet Photovoltaik die einzige Möglichkeit, seinen Strom umweltfreundlich und in nennenswerter Menge selbst erzeugen zu können.

Für mich hat das einen unwiderstehlichen Reiz.

Thorsten aus Berlin 05.11.2021, 05:59:23

Dieser Ansatz ist aus marktwirtschaftlicher Sicht bedenklich. Im Kern bedeutet er, dass ein nicht wirtschaftliches System subventioniert wird, damit dann wieder Gewinne generiert werden.

Diese Gewinne entstehen dann aber auf Kosten der Allgemeinheit.

Gleichzeitig senkt er den Druck zur Kostenminimierung des Systempreises.

Ich selber bin gerade dabei eine Anlage zu Planen, und war überrascht welche Kosten da entstehen. Insbesondere der Speicher ist dabei aus meiner Sicht überteuert. So liegen diese bei ca 800 Euro/KWh. Technisch möglich sind jedoch bereits 100-200 Euro. Auch die dafür notwendigen Wechselrichter sind ca 20% überteuert und führen zu großzügige Margen bei den Herstellern.

 

Ein weitere Punkt ist die Tatsache das gerade Einspeiseanlagen in der Summe inzwischen, zu mindestens teilweise das Netz belasten, da sie in Spitzenzeiten Strommengen zur Verfügung stellen die gar nicht mehr benötigt werden. Das führt zu dem Absurdum, das Strom bereits ins Ausland verschenkt werden muss. Bei den Windanlagen ist das übrigens ähnlich, diese werden abgeschalten und der Betreiber bekommt eine Entschädigung für seinen Ausfall.

Damit hat aber die EEG Umlage ihr Ziel bereits erreicht, da durch sie, diese Kapazitäten zur Erzeugung entstanden sind, nun muss sie neu justiert werden, damit Anlagenkonzepte entstehen die Netzdienlich arbeiten.

Marc aus M 05.11.2021, 12:33:06

Auch die Anschlusskosten durch Elektriker/Solateur sind teils erschreckend. Aufgrund geänderter Anschlußbedingungen (TAB) der Netzbetreiber, wird regelmäßig der ganze Zählerschrank umgebaut.

 

Ich habe mir in 2017 eine 10kWp PV-Anlage in Eigenarbeit installiert mit Materialkosten von ca. 9tEUR brutto (kein Speicher). Diese betreibe ich sehr wirtschaftlich - selbst wenn es Volleinspeisung wäre.

Heutzutage sehe ich bei Bekannten oft Angebote um die 20tEUR (mit Speicher) für teils Anlagen <10kWp. Selbst ohne Speicher wären das noch 15tEUR. Bei ca 7Ct Einspeisevergütung wird das schwierig mit kurzfristiger Amortisation.

Joachim Scholz 07.11.2021, 08:27:47

+5 Gut

Hallo, was für ein Wechselrichter haben Sie angewendet und wie war die Anmeldung bei Netzbetreiber? Bei uns ohne Unterschrift einer Elektro Firma is es nicht möglich die PV Anlage anzumelden. Gibt ein anderen Weg, die 3KW PV Anlage beim Selbstbau beim Netzbetreiber anzumelden?

Danke im Voraus für die Antwort

Mit freundlichen Grüßen

Joachim Scholz

Alexander Bicsanczyk 05.11.2021, 18:01:43

Ich verkaufe PV-Komplettanlagen über einen großen Onlineshop an Endkunden. Eines der größten Hemmnisse ist die Bürokratie. Mein Vorschlag. Auf den Kauf der Anlage bis 25kWp feste ermäßigte 7%MwSt. Dafür keine MwSt auf Verkauf und Eigenverbrauch. Einkommenssteuerbefreiung auf die Gewinne dieser Anlagengröße. Steuerberater entfällt. Anmeldung beim Netzbetreiber und im Marktstammdatenregister muss durch den Installateur verpflichtend optional angeboten werden. Kann aber Kunde auch selbst machen. Einspeisevergütung in entsprechender Höhe, dass eine Vollbelegung eines Durchschnittsdaches nicht unrentabel ist. 10ct aktuell? Monatliche Anpassung der Vergütung. Der Mehrwert soll weiterhin durch Eigenverbrauch erzielt werden können um den Strom dort zu verbrauchen, wo er produziert wird. Extra Volleinspeisevergütungstarife für Dächer, an denen Eigenverbrauch nicht möglich ist mit Amortisationszeit zwischen 12 und 14 Jahre für durchschnittliche Anlage (ohne größere Defekte kalkuliert) . Monatliche Anpassung der Vergütung. Damit wäre für Eigenheimbesitzer schon viel getan. Für Mieter muss noch ein gesondertes Modell entwickelt werden. Größere Anlagen (25-300kwp) sollen wie jetzt auch, als Unternehmen mit fester und abgestufter Zusatzvergütung auf den Erlös aus der Direktvermarktung betrieben werden können. Freiflächen und noch größere Dachanlagen sollen Ausschreibungspflichtig bleiben. Auch hier die Abrechnung durch Börsenerlös aus Direktvermarktung und wenn nötig Aufstockung durch Einspeisevergütung nach Ausschreibung. Sollte der Börsenerlös mehr als z.B.10% über der Ausschreibungsvergütung liegen, muss der Mehrerlös in die EEG-Umlage einbezahlt werden um diese zu senken. Fertig ist der Korridor zur Energierevolution. Für Kritik und Verbesserungsvorschläge bin ich offen. Grüße, Alexander.

Jan 08.11.2021, 14:24:31

Wie wäre es von dem EEG weg zu kommen. Gefördert wird 70 - 90% der Anlage direkt (oder sogar 100%). Der Preis der Anlage in EU/Kwp wird gedeckelt. Eigenverbrauch komplett Kostenlos und ohne Papierkram mit dem Finanzamt, gleichzeitig wird der Überschuss ebenfalls kostenlos eingespeist. Das ganze hat zwei Vorteile: mit dem Erlös aus dem Verkauf des Stroms durch den Energieversorger, müssen diese Speicher im Niederspannungs- und Mittelspannungsnetz errichten. Gleichzeitig bleiben die Stromkosten niedriger. Für den Eigentümer der PV Anlage, bietet die Differenz einen höheren Anreiz möglichst viel selbst zu nutzen. Die Grenze von 10kwp würde ich auf 20kwp erhöhen.

Auch muss es möglich sein, dass man mehr in Eigenleistung machen kann, da der Handwerkermangel in den Nächsten Jahren noch schlimmer werden wird.


Neuen Kommentar schreiben


Name: *
E-Mail: *
(wird nicht veröffentlicht)
Nicht ausfüllen!


Kommentar: *

(wird nicht veröffentlicht)
max 2.000 Zeichen


energiezukunft