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Geplante Solarkürzung

Wie das Energiesammelgesetz die Energiewende abwürgt

Auf die Solarenergie in Deutschland kommen schweren Zeiten zu
Auf die Solarenergie in Deutschland kommen schweren Zeiten zu. (Foto: pixabay, CC0 1.0)

Nur mit viel Solarenergie lässt sich die Energiewende meistern, doch die Bundesregierung steuert in die Gegenrichtung: Mit dem Energiesammelgesetz soll die Förderung stark sinken, trotz Kohleausstieg und Klimawandel. Eine willkürliche Entscheidung.

22.11.2018 – Ohne Solarenergie keine Energiewende, kein Kohleausstieg, keine Rettung des Weltklimas. Das ist Konsens unter Energieexperten und Klimawissenschaftlern. Weltweit erlebt insbesondere die Photovoltaik einen nie dagewesenen und von niemandem so stark vorhergesagten Boom, aufgebaut auf sinkenden Preisen, effizienteren Technologien und dem Wissen um die Klimakatastrophe. In Deutschland hat sich der Neubau von Solaranlagen nach langer Durststrecke in diesem Jahr erstmals erholt und könnte am Jahresende die Grenze von 2,5 Gigawatt knacken.

Gegen den Solar-Trend

Umso erstaunlicher ist das Vorgehen der Bundesregierung: Eine drastische Förderkürzung um 20 Prozent für mittelgroße Solaranlagen mit einer Leistung von 40 bis 750 Kilowatt. Das betrifft kleinere Freiflächenanlagen aber vor allem Solardachanlagen und Mieterstrom. Sonderbar ist nicht nur die Kürzung an sich, sondern auch, dass es dieses Segment trifft.

Denn Photovoltaikanlagen auf Wohnhäusern, auf Gewerbehallen oder in Industriegebieten sind die wohl akzeptiertesten Ökostrom-Anlagen in Deutschland. Nicht zu vergleichen mit den Akzeptanz-Problemen von Freiflächensolaranlagen oder Windparks. Ein Thema, dass die Bundesregierung nun eigentlich angehen wollte. Doch so wird das schwer.

Ein Hang zu sonderbaren Interpretationen

Insbesondere die Union verteidigt die Förderkürzung mit einer Überförderung, eine merkwürdige Erklärung. Denn mit der letzten EEG-Novellierung wurde 2017 ein sogenannter „atmender Deckel“ eingeführt, durch den die Förderung ohnehin automatisch reduziert wird. Zuletzt kürzte im Sommer die Bundesnetzagentur die Fördersätze um einen Prozentpunkt.

Erstmals seit Jahren könnte Ende 2018 das von der Bundesregierung angepeilte Ausbauziel von 2,5 Gigawatt erreicht werden. Wer daraus eine Überförderung ableitet, muss entweder einen Hang zu sonderbaren Interpretationen besitzen oder Mitglied der Bundesregierung sein.

Gegenwind aus der Wissenschaft

Eine aktuelle Kurzexpertise der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin gibt den Kritikern recht. Dort heißt es:

„Bei realistischen Betriebskostenannahmen von jährlich etwa 32,21 €/kW ist die Einspeisevergütung gerade kostendeckend. Von einer Senkung ist insofern abzusehen.“

Und weiter: „Ein Absinken der Betriebskosten ist nicht zu erwarten.“ Auch ein zentrales Argument für die Förderkürzung, die sinkenden Kosten für Solarmodule und Wechselrichter, halten die Wissenschaftler für nicht stichhaltig.

Lohnkosten fressen Technik-Einsparungen auf

Zwar würden die Investitionskosten seit Jahren sinken, eine weitere Entwicklung in diesem Umfang sei aber nicht zu erwarten. „Ein Grund hierfür ist, dass die Kosten für Module und Wechselrichter inzwischen nur noch knapp die Hälfte der Investitionskosten ausmachen und die Kosten für Installation aufgrund der Lohnentwicklung immer wichtiger wird.“ Das betreffe auch den Betrieb, Wartung und Reparatur.

Der Energiewende-Verein EUROSOLAR befürchtet angesichts des Energiesammelgesetzes einen „Absturz der Solarenergie ins Bodenlose“, der die Energiewende um Jahre zurückwerfe. „Dieser Schlag wiegt besonders schwer, wo gerade über den Kohleausstieg verhandelt wird. Deutschland braucht jetzt einen Schub für Erneuerbare Energien, damit der Kohleausstieg schnell vorangetrieben werden kann“, sagte EUROSOLAR-Vizepräsident Fabio Longo. cw


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