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Meinung der Woche
23. Februar 2015

Hybridstrommarkt – Strommarktdesign mal anders

Der Hybridstrommarkt, ein Strommarktdesign des IAP, ist mal ein völlig anderer Ansatz. Anders als die etablierten Energieversorger gibt es dem Bürger die Möglichkeit, aktiv am Markt teilzunehmen.

Björn-Lars KuhnGründungsmitgliedEnergieblogger

Björn-Lars KuhnGründungsmitgliedEnergieblogger
Björn-Lars Kuhn ist Fachjournalist (bdfj) in den Bereichen Datenschutz, Netzpolitik und Erneuerbare Energien und Gründungsmitglied der Energieblogger.
Björn-Lars Kuhn ist Fachjournalist (bdfj) in den Bereichen Datenschutz, Netzpolitik und Erneuerbare Energien und Gründungsmitglied der Energieblogger.

23.02.2015 – Die großen Energieversorgungsunternehmen kennen eigentlich nur eines: möglichst viel Gewinn erwirtschaften. Das ist im Grunde auch in Ordnung, denn das ist der primäre Geschäftszweck eines jeden Unternehmens. Doch die Welt hat sich verändert. Heute sind Großunternehmen und Konzerne in der Hand von Investmentfonds wie Blackrock & Co und die Rendite steht an erster Stelle (Bei der RWE sind beispielsweise 86% der Aktionäre institutionelle Anleger; allein der amerikanische Blutsauger BlackRock Financial Management ist mit 5% der größte Investor). Unwesentlich sind Kundennähe, Nachhaltigkeit und ethische Grundsätze geworden; Hauptsache der Quartalsabschluss passt und die Aktionäre sind zufrieden.

 

Durch die Energiewende verändert sich die Energieerzeugungslandschaft in Deutschland. Und bei den Konzernen gilt das Motto: „Was man nicht aufhalten kann, muss eben nach Kräften gebremst werden.“

Erzeugungsanlagen aus dem Bereich der Erneuerbaren Energien haben in den letzten Jahren zunehmend alte Kraftwerke unrentabel werden lassen. Pech, wenn ein Konzern diese Entwicklung nicht frühzeitig erkannt hat. Nun gilt es diese unrentablen Kraftwerke zu retten. Dafür wird mit Versorgungssicherheit argumentiert und als Schreckensszenario werden jeden Winter Blackouts heraufbeschworen. Die alten Kraftwerke sollen als Reserve zur Verfügung stehen, wenn es denn mal eng wird.

Ob es das tatsächlich wird – darüber streiten sich die Experten. Doch letztendlich soll der Endkunde die Zeche für diese Bereitstellungen von alten Kraftwerken zahlen. Hauptsache der Konzerngewinn ist einigermaßen gesichert, so dass das Top-Management den Job behalten kann.

Wer sich mit Börse & Co genauer beschäftigt, der stellt auch fest, dass die Konzerne durchaus Kapital aus dem Zwangshandel mit Erneuerbaren Energien schlagen können. Und um diese Einkommensquellen noch lange Zeit zu erhalten, wird auch auf politischer Ebene alles getan, was notwendig ist. Traditionell ist man als Energieversorger gut mit den Volksvertretern in Berlin vernetzt.

Doch die Erneuerbaren Energien funktionieren anders. Beispielsweise gibt es über 1.000.000 Solaranlagen in Deutschland, die in privater Hand sind. Eine Million kleine „Versorgungsunternehmen“, die zum Großteil nicht primär an Renditeoptimierung bis zum letzten Hundertstel arbeiten.

Die Betreiber sind Bürger, wie du und ich. Das bedeutet, dass sich schon heute ein großer Teil der Energieversorgung in Bürgerhand  befindet. Da liegt es natürlich nah, ein Strommarktdesign zu entwickeln, bei denen andere Bürger – Kunden – mit einbezogen werden.

Gilt bisher die Regelung, dass es für einen Hausanschluss nur einen Versorger geben kann, setzt der Hybridstrommarkt darauf, auch einen bestimmten Anteil an Energie von alternativen Anbietern zu erwerben. So könnte man sich beispielsweise 10% einer Solaranlage sichern und damit immer ein Zehntel der produzierten Energiemenge von seiner aktuellen Stromrechnung abziehen. Technisch und buchhalterisch ist das durchaus machbar. Doch die Großen werden dieses Modell fürchten, wie der Teufel das Weihwasser, denn das bedeutet auf Dauer Machtverlust und Gewinneinbußen.

Selbst kritischen Betrachtern müsste klar werden, dass die Anhängigkeit von Investmentunternehmen doch ein hohes Risiko in sich birgt, wie die letzte Finanzkrise gezeigt hat. Strecken RWE, E.ON und EnBW die Flügel, so muss der Staat wieder mal helfend eingreifen – auf Kosten der Steuerzahler.

Der Hybridstrommarkt diversifiziert die Energielandschaft, kann Risiken minimieren, macht Strompreise transparenter und verschiebt einen Teil der Macht vom kleinen Oligopol zu den Bürgern. Verantwortungsbewusste Volksvertreter und Experten täten gut daran, sich mit dem Modell näher zu beschäftigen.

Weitere Infos zum Hybridstrommarkt:
Hybridstrommarkt – Ein Markt-Modell für die Zukunft?
Hybridstrommarkt eine Alternative zu Kapazitätsmärkten und Reservekraftwerken

Björn-Lars Kuhn ist zertifizierter eBusiness Master Trainer, Fachjournalist (bdfj) in den Bereichen Datenschutz, Netzpolitik und Erneuerbare Energien und Redakteur der hauseigenen Nachrichtenseite. Zudem ist er Gründungsmitglied der Energieblogger.




Kommentare

Diskutieren Sie über diesen Artikel

Biermann 24.02.2015, 18:42:44

+203 Gut Antworten

Hybridmarkt-links bitte von google-Zwang befreien. Sehr ärgterlich, dass es den hier bei Energiezukunft gibt.

Rudolf Koenig 25.02.2015, 07:38:38

+197 Gut Antworten

Sehr geehrter Herr Kuhn,

 

bitte schildern Sie die deutsche Energiewirtschaft fair und nicht einseitig. Was wäre in Nordeutschland letzten Montag ohne konventionelle Kraftwerke oder ohne Speicher (die noch nicht einmal vorhanden sind) passiert? Nichts - im wahren Sinn des Wortes.

Fokussieren Sie Ihre Energie nicht auf Themen, die Geschäftsprozesse und Systeme heute überfordern. Machen Sie realistische Vorschläge, wie aus der heutigen, industriell und zentral geprägten Energiewende, eine regionale Energiewende werden kann. Danke.

Mit freundlichen Grüßen

Rudolf Koenig

Clemens Weiß 25.02.2015, 09:19:50

+223 Gut Antworten

Lieber Biermann,

 

die Links sind repariert. Einen "Google-Zwang" konnten wir dabei aber nicht erkennen.

 

Viele Grüße,

Clemens Weiß / Redaktion


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