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Meinung der Woche
11. November 2019

Weg mit den Broschüren, her mit der Challenge!

Wenn die Energiewende junge Menschen erreichen will, haben alte Kommunikationsformate ausgedient. Um eine neue Generation für das Mitmachen zu begeistern, braucht es vor allem eins: Kommunikation auf Augenhöhe.

Friederike Skorning und Sabrina Corsi, 100 prozent erneuerbar stiftung

Friederike Skorning und Sabrina Corsi, 100 prozent erneuerbar stiftung
Friederike Skorning und Sabrina Corsi, 100 prozent erneuerbar stiftung
Foto: © 100 prozent erneuerbar stiftung

11.11.2019 – Spätestens seit Greta Thunberg und Fridays for Future sind die Themen Klimaschutz und überhaupt alles, was mit einem nachhaltigen Lebensstil zu tun, nicht nur en vogue – die Bewegung hat es geschafft, den Klimaschutz prominent zu besetzen, Aufmerksamkeit und Begeisterung bei jungen Leuten zu erzeugen. Und vor allem den ersten Anstoß zu geben, das individuelle Handeln im Alltag im Sinne der Nachhaltigkeit zu überdenken und aktiv zu werden. Ob weniger Plastik, Alternativen zum Auto oder die Ode an regionale, saisonale und Bio-Lebensmittel: Der Klimaschutz wird im Kleinen gelebt – auch weil andere es vormachen und zeigen, wie einfach es geht.

Wer sind die anderen, die beim Klimaschutz vorangehen und die jungen Leute inspirieren? Andere junge Leute im Internet. Es gibt beispielsweise auf Instagram eine ganze Reihe von Influencern und Bloggern aus dem Nachhaltigkeitsbereich, die zeigen, wie man plastikfrei lebt oder nachhaltig reist.

Weniger Bienenwachstücher, mehr Energiewende

Was sich aber noch viel zu selten findet und eher stiefmütterlich behandelt wird: Die Energiewende. Es gibt unzählige Anleitungen auf Instagram, wie man selbst Bienenwachstücher macht oder sein eigenes Deo herstellt. Das sind tolle Ansätze. In Sachen Energiewende hört es beim Tipp, zu einem „echten“ Ökostromanbieter zu wechseln schon auf. Das ist mehr als bedauerlich, wird die Energiewende gern als Gemeinschaftswerk bezeichnet. Und ganz ehrlich, ohne eine partizipative Energiewende wird auch das Erreichen der Klimaschutzziele und die Akzeptanz neuer Energiewendeprojekte schwer.

Nun werden viele argumentieren: die Komplexität der Energiewende lässt sich nicht über einen Post auf Instagram erfassen. Das stimmt! Aber das muss sie auch nicht. Eine Chance von sozialen Medien ist es, zu begeistern. Geschichten und (Vor-)Bilder machen neugierig und haben die Wirkung, selbst aktiv zu werden.

Viele junge Menschen wissen gar nicht, was Energiegenossenschaften, Balkonmodule oder Mieterstrommodelle sind. Dass es die Möglichkeit gibt, selbst Strom zu erzeugen, und somit das Energiesystem der Zukunft mitzugestalten. Energiewende ist gelebter Klimaschutz. Daher sollte sie so attraktiv sein wie Bienenwachstücher.

Informationen, die ins Leere laufen

Dabei mangelt es nicht an Informationsangeboten. Es finden sich unzählige Broschüren, Leitfäden und sonstige Informationsseiten im Internet – meist von Bundes- und Landesministerien gefördert. Aber seien wir ehrlich, die meist wirklich gut aufbereiteten Informationen scheitern an zwei Hürden:

  1.  Kennen junge Leute diese Informationsangebote nicht, weil sie nicht auf den ihnen bekannten Plattformen stattfinden und
  2. werden sie kaum eine 50-seitige-Broschüre zum Klimaschutz lesen und dann aktiv werden. Das Sender-Empfänger-Modell funktioniert hier nicht mehr.

Kommunikation auf Augenhöhe

Menschen bewegen sich zunehmend abgegrenzt in eigenen Peergroups (Interessensgruppen). Das Medienkonsumverhalten ändert sich stetig. Früher war es selbstverständlich, sich zu einem Thema ein bis zwei Stunden zu belesen, heute wird das in wenigen Klicks und mit einfach zu konsumierenden Inhalten aufgeholt. Rezos „Zerstörung der CDU” war ein einschlagendes Beispiel dafür, wie divergent die Informationskanäle der verschiedenen Interessensgruppen sind.

Wenn der Anschluss an diese Gruppen nicht verloren gehen soll, braucht es zwei Dinge: das Interesse, auf einer Ebene zu kommunizieren und das Wissen, wie das funktioniert.

Dafür reicht es nicht, ein Instagram-Profil mit den gleichen Inhalten wie Twitter zu füllen. Dazu zählen Sprache, Formate, Kommunikation auf Augenhöhe. Dabei hilft es, die Perspektive zu wechseln, den Kontakt zu Meinungsführern in dieser Zielgruppe zu suchen und echte Handlungsoptionen zu zeigen.

Die dezentrale Energiewende aus der Nische holen

Hier geht es nicht nur um das Wecken von Interesse bei einer neuen Zielgruppe, sondern auch für das Einstehen von leichteren und niedrigschwelligen Bedingungen zur Umsetzung der Energiewende im Kleinen.

Wenn wir für die dezentrale Energiewende bessere Regularien für Mieterstrom, Stromhandel mit den Nachbarn oder die Nutzung von Balkonmodulen erreichen wollen, müssen wir die Neugierde und die Nachfrage erhöhen – sonst bleibt die dezentrale Energie ein Thema für Spezialisten. Also, holen wir die dezentrale Energiewende aus der Nische und kommunizieren sie zielgruppengerecht. Denn wahrscheinlich war es in den vergangenen Jahren nie leichter, eine neue Generation für die dezentrale Energiewende zu begeistern als heutzutage.

Kommunikationskampagne #kannstduauch

Das Umweltministerium Rheinland-Pfalz traut sich, neue Wege für junge Menschen zu gehen. Die Kampagne #kannstduauch zeigt ab 12. November 2019 auf Instagram, welche Mitmach-Möglichkeiten die dezentrale Energiewende bietet. Die Influencer Julia, Yannick und Oliver werden sich die kommenden Monate näher mit den unterschiedlichsten Facetten der Energiewende beschäftigen und ihre Follower informieren.

Und wer weiß, vielleicht gibt es demnächst in den sozialen Medien statt der Ice Bucket Challenge einen Aufruf für das schönste Balkonmodul.

#kannstduauch Instagram Kampagne: www.instagram.com/kannstduauch




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