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Berlins FahrradwegeFalsch geplant und bislang schlecht ausgebaut

Mit einer spektakulären Aktion machte Changing Cities im letzten Jahr auf die „Angstweiche“ an der Holzmarktstraße in Berlin-Mitte aufmerksam, die zeigte, wie leicht ungeschützte Verkehrsteilnehmer in tödliche Unfälle verwickelt werden können (Foto: © Volksentscheid Fahrrad/Changing Cities).     

Es herrscht Unzufriedenheit über die Radverkehrsplanung des Berliner Senats. Fahrradaktivisten bemängeln die schlechte Planung bestehender oder im Bau befindlicher Fahrradwege sowie den schleppenden Ausbau. Gemeinsame Gespräche wurden abgebrochen.

19.03.2019 – Der Berliner Radverkehrsplan soll in Zukunft die Handlungsgrundlage für die Planungen der Radinfrastruktur in der Hauptstadt bilden. Über deren Vorgaben verhandelten seit Dezember 2018 Fahrradaktivisten von Changing Cities, dem ADFC Berlin und BUND Berlin mit der Senatsverwaltung und Abgeordneten der rot-rot-grünen Koalition. Laut dem neuen Berliner Mobilitätsgesetz – mit gesetzlichen Vorgaben zum Ausbau der Radinfrastruktur – sollen die Vorgaben für die Radverkehrsplanung bis Anfang nächsten Jahres festgeschrieben werden. Doch nun wurden die Verhandlungen von Seiten der Aktivisten erst einmal abgebrochen.

Denn nach Ansicht der Fahrradinteressengruppen sind Politik und Verwaltung in den bisherigen Gesprächen nicht in ausreichendem Maße auf die Forderungen der Aktivisten eingegangen. So beinhalten die Forderungen konkrete Vorgaben zur Quantität des künftigen Ausbaus der Radinfrastruktur und wann welche Maßnahmen fertig seien müssen, als auch zur Qualität der Radwege.

Mängel in Qualität und Quantität

Und hier zeigen bereits fertige Teilstrecken erhebliche Mängel. So besteht auf der Hasenheide in Berlin-Kreuzberg in Richtung Hermannplatz zwar seit Kurzem ein erster Teilabschnitt eines geschützten Radweges mit Pollern, doch nach Ansicht des ADFC Berlin ist dieser viel zu schmal. Mit einer Breite von 1,50 Meter sei dieser nicht für ein sicheres Überholen geeignet. Dabei wurde der Radweg so schmal gehalten, um den nebenanliegenden Parkplätzen mehr Platz für breite SUVs zu bieten. Auch sind erst ca. 100 Meter des Radweges in Betrieb, während auf der gegenüberliegenden Seite bislang nur ein holpriger Hochbordradweg besteht.

Ähnlich sieht es an der Holzmarktstraße in Mitte aus, wobei dieser zumindest in einer Richtung auf wenigen hundert Metern zeigt, wie eine „Protected Bike Lane“ in Zukunft aussehen sollte, mit einer Breite von 3,50 Meter. Doch hier endet der Radweg in einem weiteren Desaster der bisherigen Berliner Radverkehrsplanung. So endet der Fahrradweg in Richtung nächster Kreuzung abrupt in eine sogenannte Fahrradweiche. Nicht mehr von Pollern geschützt, queren abbiegende Autos die weiter geradeaus führende Fahrradspur.

Stattdessen fordern die Berliner Fahrradaktivisten dort und an vielen weiteren Orten der Stadt geschützte Kreuzungen nach niederländischem Design. Denn in den Niederlanden sind Fahrradfahrer auch an Kreuzungen auf geschützten Wegen unterwegs, mit eigener Ampelschaltung oder Vorfahrt.

Berlin ist weit hinter dem Zeitplan

Insgesamt liegen Politik und Verwaltung Berlins für die Fahrradinteressensgruppen weit hinter dem ursprünglich angedachten Zeitplan für eine fahrradfreundliche Stadt. Die Vorgaben für die Radverkehrsplanung sollten daher einen schnellen und sicheren Ausbau der Radinfrastruktur forcieren. Doch der Berliner Senat verwies bei den Forderungen der Fahrradaktivisten auf laufende Planungen eines Ingenieursbüros, die mit den Vorschlägen von ADFC Berlin und Co. kollidieren würden. Für Evan Vosberg, stellvertretender Vorsitzender des ADFC Berlin ein Skandal. „Der Senat verweigert eine echte Zusammenarbeit mit der Zivilgesellschaft. Als Ergebnis reicht ihm ein dünnes und unverbindliches Papier, das wichtige Fragen zum Ausbau der Radinfrastruktur unbeantwortet lässt. In der Folge wird die Umsetzung des Mobilitätsgesetzes weiterhin stocken – die versprochene Verkehrswende geht weiter nur schleppend voran“, so Vosberg.

Und für die Fahrradaktivisten ist klar: sollten nicht bald konkrete Vorgaben als Handlungsgrundlage für Senat und Bezirke vorliegen, wird weiter „ins Blaue hinein“ gehandelt. Dabei hatte Berlins Verkehrssenatorin Regine Günther erst jüngst in einem Interview angekündigt, dass im Jahr 2030 die Menschen aus aller Welt in die Stadt kommen, um sich anzuschauen, wie gut in Berlin das Mobilitätsthema gelöst wurde. Einer Vision, an der bei dem aktuellen Fahrplan zur Radinfrastruktur Zweifel aufkommt. mf  


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