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Biogasanlagen produzieren vermehrt bedarfsorientiert

Biogasanlage. (Bild: © Florian Gerlach/ pixelio.de )
Biogasanlage. (Bild: © Florian Gerlach/ pixelio.de )

Ein Kölner Unternehmen betreibt ein virtuelles Kraftwerk. Mithilfe eines zentralen Leitsystems wird die Erzeugungs- und Reservekapazität der vernetzten dezentralen Anlagen zur Netzstabilisierung eingesetzt. Immer mehr Biogasanlagen nehmen teil.

12.10.2014 – Mehr und mehr Betreiber von Biogasanlagen stellen die Stromproduktion auf eine bedarfsorientierte Fahrweise um und produzieren Strom in nachfragestarken Zeiten. Ein Anwendungsbeispiel ist das virtuelle Kraftwerk Next Pool. Über dieses gesteuert, helfen die Biogasanlagen die Schwankungen an den Strommärkten und in den Stromnetzen auszugleichen, indem sie ihre Flexibilität dem Gesamtsystem in Spitzenlastzeiten über die Lieferung von Regelenergie hinaus zur Verfügung stellen.

Next Pool ist das virtuelle Kraftwerk der Next Kraftwerke GmbH, in dem Biogas-, Biomasse-, KWK-, Wasserkraft-, Windkraft- und Solaranlagen zusammengeschlossen sind. Dank des zentralen Leitsystems wird die gebündelte Erzeugungs- und Reservekapazität der vernetzten dezentralen Anlagen zur Netzstabilisierung eingesetzt und zu optimalen Preisen auf den Strommärkten veräußert. Die installierte Leistung aller vernetzten Anlagen im Next Pool beträgt seit Mitte 2014 mehr als ein Gigawatt.

Im September 2014 nahmen insgesamt 109 Biogasanlagen mit einer Gesamtleistung von 43 MW an der bedarfsorientierten Stromerzeugung im Next Pool teil – zu Jahresbeginn waren es lediglich 20 Anlagen. Für dieses Vermarktungsmodell erhalten die Betreiber der Anlagen einen wöchentlichen Fahrplan aus der Energiehandelsabteilung von Next Kraftwerke, der anhand von aktuellen Preisprognosen für den Day-Ahead-Markt der Spotbörse EPEX eine strompreisoptimierte Anlagenschaltung umfasst. Diese Schaltung wird entweder vom Betreiber selbst durchgeführt oder über die Fernwirkeinheit Next Box veranlasst, die bereits für die Regelenergiebereitstellung an der Anlage verbaut wurde. Bei der bedarfsorientierten Fahrweise lassen sich zwei Schaltmuster unterscheiden. Während manche Anlagenbetreiber nur einen Schaltzyklus pro Tag bevorzugen und somit meist eine HT/NT-Fahrweise umsetzen, wählen andere Betreiber zwei Schaltzyklen pro Tag, um die beiden besten Preisblöcke am Day-Ahead-Markt abzufahren. Die grundsätzliche Möglichkeit zur zusätzlichen Lieferung von Regelenergie auf Geheiß der Übertragungsnetzbetreiber zur Stabilisierung der Netzfrequenz bleibt von der verstärkten bedarfsorientierten Fahrweise unberührt.

Tobias Frisch, Stromhändler bei Next Kraftwerke, erläutert die finanziellen Auswirkungen einer strompreisoptimierten Fahrweise: „Alle Anlagen im Next Pool, die strompreisinduziert produzieren, schlagen jeden Monat den Referenzmarktwert für Biogas – einfach gesprochen den durchschnittlichen Monatspreis, den Biogasanlagen in Deutschland für ihren Strom an der Strombörse erzielen. Selbst bei konservativen Schaltzyklen erreichen wir gemeinsam mit dem Betreiber bei entsprechender Fahrplantreue Mehrerlöse von bis zu 0,5 Cent pro kWh. Bei einer höheren Anzahl an Schaltzyklen und einer Platzierung der Anlagenflexibilität am Intraday-Markt kann dieser Wert noch einmal gesteigert werden. Um die Kalkulierbarkeit der Einnahmen aus einer strompreisgeführten Fahrweise von Biogasanlagen zu verbessern, bieten wir Betreibern vermehrt eine Flexibilitätspauschale an. Diese orientiert sich an der uns zur Verfügung gestellten flexiblen Leistung und den anlagenindividuellen Restriktionen.“

Jahrelang als Grundlastlieferant gepriesen, wird heute die Flexibilität und Steuerbarkeit von Biogasanlagen erkannt und immer mehr genutzt. Auch wegen der Flexibilitätsprämie, die mit dem EEG 2012 eingeführt wurde und in den letzten Monaten von Anlagenbetreibern verstärkt angenommen wurde, nehmen flexibel betriebene Anlagen im Biogasbereich zu. So sind bei der Bundesnetzagentur bis Juli 2014 über 1.800 Anträge für die Flexibilitätsprämie eingegangen. rr


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