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Virtueller Stromspeicher mit Signalwirkung

Die Energiezentrale der Hochschule für Polizei in Biberach fungiert als virtueller Stromspeicher. Zwei BHKWs sind dort mit Power-to-Heat Aggregaten kombiniert. (Foto: © Duckek)
Die Energiezentrale der Hochschule für Polizei in Biberach fungiert als virtueller Stromspeicher. Zwei BHKWs sind dort mit Power-to-Heat Aggregaten kombiniert. (Foto: © Duckek)

Der Stadtwerke-Verbund Südweststrom setzt auf hybride Wärmeversorgung, die eine flexible Nutzung erneuerbaren Stroms ermöglicht. Signalwirkung wird von einem Pilotprojekt an der Hochschule der Polizei in Biberach erwartet. Dort läuft ein Kombi aus BHKW, Wärmepumpe, Solaradsorber und Elektrokessel.

02.11.2015 –„Das Pilotprojekt in Biberach hat Signalwirkung für den weiteren Ausbau unseres Geschäftsfeldes rund um die Flexibilität“, betont Südweststrom Geschäftsführer Daniel-Klaus Henne. Seit März dieses Jahres betreibt die Stadtwerke-Kooperation auf dem dortigen Gelände der Hochschule für Polizei Baden-Württemberg im Auftrag des Landes einen virtuellen Stromspeicher. Das Projekt sei sehr gut angelaufen, die Anlage laufe bisher zuverlässig, berichtet Henne. Sie besteht aus einer Kombination von zwei Blockheizkraftwerken (BHKW) mit einer Leistung von je 400 kWel/500 kWth, einer Wärmepumpe (350 kWth/90 kWel), einem Elektrokessel (400 kW), zwei Wärmespeichern mit je 100 m3, einem Kaltwasserspeicher für die Wärmepumpe (500 m3), einem Solarabsorber (500 m2) sowie einem Gaskessel (1.700 kWth). Die BHKWs werden stromgeführt betrieben.

Hybrides Blockheizkraftwerk

„Mit dem hybriden BHKW kann der Wärmebedarf der Liegenschaft entweder mit dem erdgasbetriebenen BHKW oder alternativ durch den Einsatz von Überschussstrom aus dem öffentlichen Stromnetz über Wärmepumpe und Elektrokessel erzeugt werden“, erklärt Eberhard Frey, Leiter Ingenieurtechnik, Vermögen und Bau Baden Württemberg Amt Ulm. Dadurch sei die Anlage jederzeit in der Lage dem öffentlichen Netz regenerativ erzeugten Überschussstrom zu entnehmen und bei Bedarf den im BHKW erzeugten Strom zurück zu speisen, so der Baudirektor. Die Energiespeicherung erfolgt hierbei virtuell durch die Verwertung des Überschussstroms und der damit verbundenen Zwischenspeicherung von Erdgas.

Kosteneinsparung von 250.000 Euro jährlich

„Durch die intelligente Steuerung der Anlage können wir flexibel auf die jeweiligen Strommarktverhältnisse reagieren“, ergänzt Henne. Eine selbstentwickelte Steuerungssoftware berechnet unter Berücksichtigung der prognostizierten Strombörsenpreise, Bedarfs- und Wetterprognosen sowie aktuellen Messwerten die wirtschaftlich optimale Fahrweise. Erwartet werden jährliche Betriebskosteneinsparungen von mindestens 250.000 Euro gegenüber konventionellen Anlagen sowie eine Amortisierung innerhalb von acht bis zehn Jahren. Die Investitionssumme von 2,5 Mio. Euro wurde vom Land Baden-Württemberg im Rahmen der energetischen Sanierung und Modernisierung von Landesliegenschaften bereitgestellt.

75 Prozent Energieeinsparung

Eine hybride Wärmeversorgung bietet für die Kunden Vorteile, betont Patrick Kruppa, Leiter der Produktentwicklung bei Südweststrom. Mit einer Kombination aus Nahwärmenetz, strompreisgeführtem, zentralem BHKW, Wärmepumpe sowie Hauswärmespeichern mit Heizstab, könnten unter Berücksichtigung der Nutzung des Überschussstroms gut 75 Prozent an Primärenergie eingespart werden. Die Kosten lägen circa 35 Prozent unter denen einer dezentralen Gasversorgung. Die Effizienz eines virtuellen Stromspeichers mit hybridem BKWH, Power to Heat und Nutzung des Gasnetzes zur saisonalen Speicherung von eingespartem Erdgas sei zudem deutlich höher als andere Stromspeicherkonzepte sagt Friedrich Weng, Gründer von Südweststrom. So liege der Effizienzfaktor eines hybriden BHKWs mit Wärmepumpe gegenüber einem Pumpspeicher (1,0) bei 4,3, der eines Heizstabes bei plus 1,2, dagegen Power-to-Gas nur bei 0,67.

Attraktiver Intraday-Handel

Bei der Vermarktung des überschüssigen Stroms setzt Südweststrom vor allem auf den Intraday-Handel an der Börse zu Spitzenbedarfszeiten. Hierbei werden Stromlieferungen in der Regel in 15-Minuten-Blöcken als auch in Stundenblöcken innerhalb desselben Tages gehandelt. „Der Intraday-Handel bietet interessante Geschäftsmöglichkeiten für die Vermarktung von Strom aus erneuerbaren Energien in Kombination mit hybriden BHKWs“, betont Henne. Er verweist darauf, dass der Börsenstrompreis beim Intraday-Handel von April 2014 bis April 2015 1.100 Stunden lang bei über 50 Euro/MWh lag. Beim Day-Ahead-Handel, dem Handel mit Strom für den Folgetag, knackte der Börsenpreis dagegen nur 700 Stunden lang die 50 Euro Marke. Dies unterstreiche die wirtschaftliche Attraktivität des Intraday-Handels, so Henne.

110 MW unter Vertrag

Insgesamt hat Südweststrom derzeit Erneuerbare-Energien-Anlagen und BHKWs mit einer Leistung von 110 MW unter Vertrag. Sie werden von Tübingen aus ferngesteuert und ihr Strom wird flexibel vermarktet. Henne kündigte an, das Geschäft in diesem Bereich weiter auszubauen. Allerdings lohne sich das preisgesteuerte Lastmanagement in der Regel erst ab einer elektrischen Leistung von 300 kW, so Henne.

Die Südwestdeutsche Stromhandels GmbH, kurz Südweststrom, ist ein Stadtwerke-Kooperationsunternehmen. Es wurde im Jahr 1999 von 30 Stadtwerken aus Baden-Württemberg gegründet. Im Zuge der Liberalisierung des Strommarktes wollten sie sich durch den Zusammenschluss für den Wettbewerb rüsten. Inzwischen zählt das Unternehmen 57 Gesellschafter bundesweit und hat 88 Mitarbeiter. Im vergangenen Jahr wurde ein Umsatz in Höhe von 734,7 Mio. Euro erzielt. Das Unternehmen bietet verschiedene Modelle der Strom- und Erdgasversorgung für Stadtwerke an. Die Angebote reichen von der Beschaffung über Portfoliomanagement bis hin zu Bilanzkreis- und Energiedatenmanagement, preisorientiertem Lastmanagement sowie virtuellen Stromspeichern. Über Südweststrom können sich Stadtwerke und Energiegenossenschaften zudem an Erzeugungsprojekten im Bereich der Erneuerbaren Energien beteiligen. Hans-Christoph Neidlein


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Kommentare

Diskutieren Sie über diesen Artikel

Johann Söllinger 16.04.2016, 13:49:48

+102 Gut Antworten

Sehr geehrte Geschäftsleitung!

 

Wir wollen mit Ihrem virtuellen Stromspeichersystem eine mögliche Beteiligung anstreben, und von unseren erneuerbaren Kraftwerken

Energie liefern.

 

Bitte senden Sie uns umfassende Unterlagen um eine mögliche Zusammenarbeit zeitnah zu ermöglichen.

 

Mfg

 

Johann Söllinger

Johann Söllinger 19.04.2016, 21:17:58

+111 Gut Antworten

Wir wollen mit Ihrem virtuellen Stromspeichersystem eine mögliche Beteiligung anstreben, und von unseren erneuerbaren Kraftwerken

Energie liefern.

 

Bitte senden Sie uns umfassende Unterlagen um eine mögliche Zusammenarbeit zeitnah zu ermöglichen.

 

Mfg

 

Johann Söllinger


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