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Windenergie: Erneuter Streit über Greifvögel

Der Rotmilan steht im Zentrum der Diskussionen, besonders was die Auswirkungen der Windkraft auf die Größe der Population betrifft. (Foto: reto.hofer, CC BY 2.0, https://www.flickr.com/photos/38102962@N08/3690571951)
Der Rotmilan steht im Zentrum der Diskussionen, besonders was die Auswirkungen der Windkraft auf die Größe der Population betrifft. (Foto: reto.hofer, CC BY 2.0, https://www.flickr.com/photos/38102962@N08/3690571951)

Eine Studie zu Greifvögeln und Windenergieanlagen hat erneut eine Diskussion ausgelöst. Der Studie zufolge nehmen trotz des Windkraftausbaus die Populationen etwa des Rotmilans zu. Der NABU widerspricht und kritisiert einen Teil der Windbranche.

08.04.2016 – In einem sind sich alle Parteien einig: Der Windkraftausbau in Deutschland ist dringend notwendig und muss im Einklang mit dem Artenschutz geschehen. Doch wie überhaupt der Stand des Artenschutzes und der Populationsgröße insbesondere für Windkraft-sensible Greifvogelarten ist, bleibt umstritten. Und infolgedessen auch der Ausbau der Windenergie. Die Windkraftbranche will eine nachhaltige und umweltschonende Energiewirtschaft, um die Auswirkungen auf Natur und Umwelt grundsätzlich so gering wie möglich zu halten – Erneuerbare Energien und Windenergieanlagen sind besser als Kohle und Atom. Fakt ist: Für jede neue Windkraftanlage werden natur- und artenschutzfachliche Aspekte geprüft, oft werden Anlagen nicht gebaut. Der NABU und das sogenannte Helgoländer Papier der Vogelschutzwarten fordern dagegen verbindliche Mindestabstände.

Mit der am Donnerstag vom Grünen-Politiker Hans-Josef Fell vorgestellten Studie mit dem Titel „Windenergie und Rotmilan: Ein Scheinproblem“ des Schweizer Ingenieurbüros KohleNusbaumer nimmt die Diskussion weiter an Fahrt auf. Die Untersuchung bescheinigt den im Fokus stehenden Vogelarten wie Rotmilan, Uhu, Seeadler, Schwarzstorch und Wanderfalke zunehmende Populationen. Die hauptsächlichen Todesursachen für diese großen Arten seien nicht Windenergieanlagen, sondern Kollisionen mit Stromleitungen und im Verkehr sowie Abschüsse. Für den Lebensraum seien Land- und Forstwirtschaft ein größeres Problem. Die Windkraft spiele dabei zwar auch eine Rolle, aber eine geringe, so der Autor der Studie Oliver Kohle.

NABU zweifelt Daten an

Der NABU-Referent für Ornithologie und Vogelschutz Lars Lachmann sieht das naturgemäß anders. In einem 14-seitigen Faktencheck hatte er der Studie ausdrücklich widersprochen und hält die verwendeten Daten für irreführend, zum Teil seien sie etwa bezogen auf die Population schlicht falsch, so Lachmann. Die Diskussion wird mit unterschiedlichen Statistiken und Datenlagen geführt, verschiedene Erhebungsmethoden und Interpretationen führen zu gegensätzlichen Positionen. Dabei müsse man eine gemeinsame Lösung finden, findet auch Lachmann. „Der NABU hat die gleichen Ziele für Erneuerbare Energien, wir wollen einen naturverträglichen Ausbau“, sagte er am Donnerstag. Dabei kritisiert er ausdrücklich auch nur einen Teil der Windkraft-Branche und nicht alle Windenergieanlagenbauer.

Einen naturverträglichen Ausbau will auch der Bundesverband Windenergie (BWE). Die Branche stelle sich ihrer Verantwortung und unternehme Maßnahmen um Kollisionsrisiken bestimmter Tierarten zu minimieren, heißt es in einer Stellungnahme. Es gebe eine Fülle von Möglichkeiten, die im Einzelfall im Genehmigungsverfahren  bestimmt werden. Dazu gehören die Anordnung der Anlagen und des unmittelbaren Umfelds, Biotopaufwertungen zur Stärkung von Populationen und Ablenkpflanzungen im Rahmen von Ausgleichsmaßnahmen sowie ein Abschaltmanagement zu relevanten Zeiten.

Regelmäßiger Dialog

„Pauschale Mindestabstände um ggf. auch noch relativ häufig wechselnde Horststandorte lehnen wir ab“, macht der BWE seine Position klar. Die Genehmigungsverfahren für jede Anlage berücksichtigten bereits schutzbedürftige Tiere. „Die natur- und artenschutzrechtlichen Anforderungen haben in den letzten Jahren genauso wie die Summe der Ausgleichsmaßnahmen stark zugenommen.“

Auch wenn öffentlich gestritten wird, stehen die Seiten in einem regelmäßigen fachlichen Dialog. Ein weiteres Treffen zwischen dem Arbeitskreis Naturschutz des BWE und dem NABU ist bereits vereinbart, wie der BWE auf Anfrage mitteilte. cw


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Kommentare

Diskutieren Sie über diesen Artikel

Diesch-Völker Marlene 09.04.2016, 18:22:51

+222 Gut Antworten

Ich selbst konnte Rotmilane in ünd über der Windkraftanlage von Freiberg im Schwarzwald beobachten. Sie kurven souverän zwischen und über die Windkraft-Türme.

Eigentlich ist bekannt, dass Greifvögel sehr viel schärfer sehen als Menschen. Warum sollten sie die Rotoren nicht sehen, wenn sie eine huschende Maus von hoch oben erkennen?

Sie müssen und können in Südbaden sehr viele und viel dünnere Drähte der sehr häufigen Hochspannungsleitungen verkraften.


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