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Meinung der Woche
08. Mai 2017

Ökologische Verkehrswende als soziale Innovation

Die „Mobilität der Zukunft“ ist zurzeit in aller Munde, die Digitalisierung wird als wichtiger Schritt in eine bessere Verkehrszukunft gesehen. Neue Technologien sollen mehr Komfort und Sicherheit bringen, doch dabei darf man nicht vergessen soziale Werte in die neuen Strategien zu integrieren. (ÜBERARBEITEN!)

Carolin RitterBundesgeschäftsführerinVerkehrsclub Deutschland (VCD) e.V.

Carolin RitterBundesgeschäftsführerinVerkehrsclub Deutschland (VCD) e.V.
Geschäftsführerin des VCD, Carolin Ritter. (Copyright: Carolin Ritter)
Geschäftsführerin des VCD, Carolin Ritter. (Copyright: Carolin Ritter)

08.05.2017 – Bilder werden gezeichnet wie die nervige Parkplatzsuche entfällt, denn das Auto macht sich selbst auf den Weg und kommt per App auf Knopfdruck, ganz nach dem Motto „Handy, fahr den Wagen vor!“. Mehr Komfort, gefühlte Sicherheit und überall leuchtende Augen. Überall?

Fakt ist: der Verkehr ist heute für gut 20 Prozent aller Treibhausgasemissionen verantwortlich, Tendenz steigend statt fallend, da die Fahrten mit Lkw und Pkw schlichtweg zunehmen. Zudem pustet der motorisierte Verkehr Schadstoffe in die Luft, die schwere Krankheiten verursachen können. Immer wieder Feinstaub-Alarm in großen Städten und Fahrverbots-Diskussionen. Vom Lärm ganz zu schweigen! Da wäre eine echte technologische Zeitenwende durch die Digitalisierung eigentlich eine große Chance. Ja wenn – wenn es tatsächlich eine Wende gäbe in Richtung weniger und effizienterem Verkehr, bei der “smarte“ Mobilität nicht bloß für ein besseres Infotainment auf Rädern sorgt.

Konkret heißt das: Durch den Ausbau der Elektromobilität können wir die Abhängigkeit vom Erdöl reduzieren und Emissionen minimieren. Verzahnen wir dann noch die E-Autos mit Hilfe kluger Digitalisierung enger mit Fahrrädern, Pedelecs, Bahnen und Bussen, schaffen wir attraktive Angebote für multimodale Mobilität. Das Auto in Privatbesitz wird zu einer Randerscheinung.

Es geht längst nicht mehr um den alten Kampf Auto versus Bus oder Bahn, sondern um viel mehr: Es geht um eine Mobilitätskultur, die auch das Bedürfnis erfüllt, wieder mehr Platz zum Leben zu bekommen. Diese Aufgabe fordert alle Beteiligten heraus, denn der Bedarf an individuellen Verkehrslösungen nimmt weiter zu. Die Verkehrswende darf nicht unter die Räder reiner Technologievermarkungs-Interessen geraten. Vielmehr muss sie auch als gesellschaftliche Innovation verstanden und gestaltet werden. Das ist ohne Bezug auf soziale Werte nicht möglich.

Der VCD wurde 1986 gegründet und hat seither eine klare Vision: „Die Mobilität der Zukunft ist umweltgerecht, sicher und sozial. Alle Menschen können selbstbestimmt am sozialen Leben teilhaben. Dies schafft eine hohe Lebensqualität für alle.“ Diese Vision verfolgen wir mit Leidenschaft, und darum setzen wir uns für eine echte Verkehrswende ein. Sie muss bei den heutigen Problemen ansetzen und zugleich weit darüber hinaus gehen.

Damit die Diskussion zur Verkehrswende nicht nur verkürzt wird auf die Dekarbonisierung des Verkehrs und den Ersatz von herkömmlichen Verbrenner-Motoren durch Elektroantriebe, braucht es neben den entsprechenden politischen Rahmenbedingungen auch eine generelle Änderung der Art und Weise, wie wir uns fortbewegen und wie wir Dinge transportieren wollen.

Dazu gehört, mehr mit dem Rad und zu Fuß unterwegs zu sein, mehr mit Bussen und Bahnen und weniger mit dem eigenen Auto. Und wenn ein Auto benötigt wird, dann im CarSharing als flexible Ergänzung. Im Güterverkehr wiederum müssen rasch Lösungen für einen nachhaltigen und klimaneutralen Transport entwickelt und auf den Weg gebracht werden. Im städtischen Verkehr muss das u.a. heißen, mehr Güter auf das Lastenrad.

In vielen Städten und Kommunen sehen wir Ansätze für neue Mobilitätsangebote und bekommen einen ersten Eindruck davon, wie eine klug vernetzte und digitale Mobilität der Zukunft aussehen kann. Es entstehen bürgerschaftliche Initiativen, die sich auf ganz unterschiedliche Art und Weise für eine lebenswerte Stadt einsetzen. Mit seiner Kampagne: #strasse-zurueckerobern begleitet und fördert der VCD Initiativen, die sich für eine neue Mobilität einsetzen – orientiert an den Menschen. Eine Stadt ist lebenswert, wenn sie den Bedürfnissen der Menschen entspricht. Erobern wir uns also die Straßen als öffentlichen Raum für Menschen zurück und gestalten selbst die Mobilität der Zukunft. Machen Sie mit!

Carolin Ritter ist Geschäftsführerin des Verkehrsclub Deutschland e.V. (VCD).




Kommentare

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Eitel Heck 10.05.2017, 10:29:37

+174 Gut Antworten

Die Decarbonisierung des Verkehrs zur Sicherung der Klimaziele ist sehr wichtig.Auf den ersten Blick sind E-Kraftfahrzeuge Co2-emissionsfrei.Bei der grünen Energiewende ist es notwendig, die gesamte Rohstoffkette zur erneuerbaren Energierzeugung, darunter Lithium-Ionen-Batterien für E-Autos, näher zu betrachten.

Die Lithiumvorkommen sind begrenzt.Die weltweit größten Lithiumvorkommen werden in einer Wüstenregion Chiles umweltbelastend mit großen Mengen Wasser gefördert, dass zur Versorgung der Bevölkerung Mangelware ist. Die Lithiumförderung in Deutschland und Österreich soll begonnen werden. Das Lithium ist jedoch tief in der Erde eingeschlossen im Pegmatit, also im erkalteten Magma. Die Förderung ist damit kompliziert und teuer. Des Weiteren besteht bei Lthium-Ionen-Batterien ein Mehraufwand von 0,9 kg Kupfer pro kW Motorleistung(63kg Kupfer bei 70kW).Kupfer muss mit einem enormen Energieverbrauch produziert werden, so dass der CO2-Vorteil der E-Kraftfahrzeuge praktisch wieder weg ist.

Die innovativere, klimaschützende Variante im Verkehr sind Kraftfahrzeuge mit Wasserstoff-Brennzellen.

Toyota hat weltweit als erster Kraftfahrzeughersteller die Serienproduktion eines Fahrzeuges mit Wasserstoff-Brennzellen aufgenommen(Toyota Mirai).

In diesem Zusammenhang weise ich darauf hin, dass Japan weltweit erstmalig die Bau von Wasserstoffkraftwerken mit Wasserstoff-Brennzellen plant.

Ich gehe davon aus, dass Wasserstoff-Brennzellen für Kraftwerke und Kraftfahrzeuge in Deutschland als erneuerbare Energie betrachtet werden, denn Wasserstoff ist in den Weltmeeren, Flüssen und Seen sowie in der Atmosphäre in unbegrenzten Mengen in dem Molekül Wasser(H2O) vorhanden.

Bei der Energiewende ist es sicherlich auch notwendig über den Tellerrand in Richtung anderer Industrieländer zu schauen.


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