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Meinung der Woche
09. März 2015

Steuerbonus für Gebäudesanierung gekippt

Die Energiewende hat ihren Antrieb noch nicht verloren, dennoch scheint es, als hätte die Bundesregierung den falschen Gang eingelegt. Rückwärts geht es zwar noch nicht, aber ohne die geplante Steuererleichterung für energetische Gebäudesanierungen hängen wir mal wieder im Leerlauf fest.

Philipp KlothRedakteurEnergieheld GmbH

Philipp KlothRedakteurEnergieheld GmbH
Philipp Kloth ist Redakteur für die Energieheld GmbH (Foto: Energieheld)
Philipp Kloth ist Redakteur für die Energieheld GmbH (Foto: Energieheld)

09.03.2015 - Mit dem Nationalen Aktionsplan Energieeffizienz (NAPE) sollten Energieeffizienz und Energiesparen im Jahr 2015 „mehr als nur Schlagworte“ werden. So hieß es jedenfalls in der offiziellen Zusammenfassung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie. Mit festen Zielen und begleitenden Maßnahmen sollte der NAPE neben dem Aktionsprogramm Klimaschutz 2020 dazu beitragen, Deutschlands Primärenergieverbrauch (PEV) bis 2020 um 20 Prozent zu verringern. Die Rate der energetischen Gebäudesanierungen sollte damit jährlich von ein auf zwei Prozent gesteigert werden.

Klingt zunächst einmal nach tollen Vorgaben und schönen, runden Zahlen. Wie realistisch diese Ziele tatsächlich gewesen wären, muss an dieser Stelle nicht erläutert werden, denn den wohl wichtigsten Bestandteil des NAPE hat die Bundesregierung bereits aus dem Programm genommen. Neben höheren Zuschüssen sollten Maßnahmen der energetischen Gebäudesanierung nämlich auch steuerliche Vergünstigungen mit sich bringen. Ein Punkt, der bei Bekanntwerden Ende letzten Jahres für großes Aufsehen gesorgt hat.

Gekippt wurde das Ganze, weil der Bayrische Ministerpräsident Horst Seehofer sein Veto in der Abstimmung eingelegt hatte. Um den Bonus für Sanierungen aufzufangen, sollte die Mindestgrenze für den Handwerkerbonus bei Steuerabschreibungen auf 300 Euro angehoben werden. Ein Punkt, dem Seehofer sehr kritisch gegenüberstand.

Die energetische Gebäudesanierung ist auf Investitionsanreize angewiesen

Man sollte nicht der Illusion erliegen, dass Klimaschutz und Energieeffizienz tatsächlich Themen sind, die jeden interessieren, obgleich sie uns alle etwas angehen. Das Problem beginnt schon bei der Aufklärung und der allgemeinen Transparenz solcher Angelegenheiten. Wenn Stimmen laut werden, die in Frage stellen, ob Erneuerbare Energien überhaupt einen realen Nutzen haben können oder Wärmedämmungen als reiner „Dämmwahn“ abgetan werden, dann ist eine breite Partizipation bei der Energiewende schon fast ausgeschlossen.

Selbst wenn alle um den Nutzen energetischer Gebäudesanierung wüssten, so stünde immer noch die Frage nach der Finanzierung im Raum. Neue Heizungen, Dach-, Fassaden- und Kellerdämmungen haben ihren Preis und amortisieren sich auch nicht schon im Folgejahr. Sieht man die Steigerung der Energieeffizienz als Momentaufnahme, dann haben viele Hausbesitzer hier mit einer finanziellen Zusatzbelastung zu kämpfen. Steuererleichterungen hätten hier wichtige Investitionsanreize geschaffen, um die Modernisierung des Eigenheims attraktiver zu gestalten. In der Regel wären Eigenheimbesitzer in der Lage gewesen, zwischen 10 und 25 Prozent ihrer Sanierungskosten von der Steuer abzusetzen.

Die ohnehin schon hoch gesteckten Ziele zur Senkung des Endenergieverbrauchs geraten durch den Wegfall der Steuererleichterungen weit aus dem Bereich des Möglichen. Wenn es bei Privathaushalten um Investitionen im fünfstelligen Bereich geht, dann muss mehr getan werden, als nur an das Gewissen der Menschen zu appellieren. Erst wenn auf breiter Ebene auch ein Bewusstsein für den ökonomischen Nutzen energetischer Gebäudesanierungen entsteht, kann das Großprojekt Energiewende tatsächlich Form annehmen.

Nischendasein sorgt für hohe Preise

Einzelstücke und limitierte Auflagen sind stets teurer als Massenware vom Band, ohne dass die Qualität zwingend besser sein muss. Die Produktion in großen Mengen schafft ganz einfach viele Möglichkeiten, um die Stückkosten bei der Herstellung gering zu halten. Das Ganze funktioniert allerdings nur, wenn auch eine entsprechende Nachfrage für das Produkt besteht.

Genau diese Problematik existiert in vielen Bereichen, die eng mit den geplanten Klimaschutzzielen verwoben sind. Der Heizungsmarkt bietet beispielsweise viele Möglichkeiten, um die Ökobilanz des Eigenheims erheblich zu verbessern und gleichzeitig die laufenden Kosten zu senken. Voraussetzung ist aber stets eine Investition zwischen 6.000 und 30.000 Euro. Per se sind Pelletheizungen, Wärmepumpen oder auch Blockheizkraftwerke bei der Herstellung nicht merklich teurer als Öl- oder Gasheizungen. Es sind vielmehr die geringen Produktionszahlen, die für hohe Verkaufspreise sorgen.

Neue Investitionsanreize (wie die Steuererleichterungen) hätten den Markt für Erneuerbare Energien erheblich gestärkt. Neben geringeren Kosten für Endverbraucher hätte auch der Staat von dieser Maßnahme profitiert: Der Präsident des Bayerischen Handwerkstages (BHT), Georg Schlagbauer geht davon aus, dass der eigentliche „Steuerverlust“ im Endeffekt zusätzliche Einnahmen bescheren würde. Seiner Rechnung zufolge kommen auf jeden „fehlenden“ Euro letztendliche acht bis zehn zusätzliche, die durch Abgaben bei den Sanierungen zustande kommen.

Ein einheitlicher Kurs ist gefragt

Selbst wenn man Schlagbauers Prognose als zu positiv einstuft, so hätte die Steuererleichterung für energetische Gebäudesanierung trotzdem kein Minusgeschäft für den Staat werden müssen. In den Medien kursieren zwar verschiedene Meldungen über Neuverhandlungen zum Steuerbonus, aber der entstandene Imageschaden ist nicht wieder gutzumachen. Die ambitionierten Klimaschutzziele wirken nun eher lächerlich und gänzlich unprofessionell, weil selbst der einfachste Dreisatz deutlich macht, dass die Vorgaben bei der aktuellen Sanierungsrate nicht zu erreichen sind. Investitionen in Energiesparmaßnahmen werden auf diese Weise sicherlich nicht angekurbelt.

Falls so etwas wie eine Energiewende wirklich einmal Realität werden sollte und wir uns vielleicht sogar auf dem richtigen Weg befinden, so stecken wir trotzdem wieder einmal fest, weil die Regierung sich auf keinen einheitlichen Kurs in dieser Angelegenheit einigen kann.

Philipp Kloth ist Redakteur für die Energieheld GmbH, ein unabhängiges Informations- und Beratungsportal, das die Energiewende mit voranbringen möchte. Energieheld berät Eigenheimbesitzer individuell zur energetischen Gebäudesanierung und vermittelt ihnen Fachhandwerker aus dem eigenen Netzwerk.




Kommentare

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Rudolf Koenig 10.03.2015, 07:33:26

+139 Gut Antworten

Sehr geehrter Herr Kloth,

 

haben Sie schon einmal ein Blockheizkraftwerk gebaut oder sich wenigstens die BHKW Fertigung ausführlich angeschaut? Wenn ja, werden Sie wissen, daß ein BHKW einen ungleich höheren Aufwand in der Fertigung verursacht als eine Brennwerttherme.

 

Vor dem Hintergrund dieser Tatsache muß sich der Leser fragen, was von Ihren Aussagen zu halten ist.

Freundliche Grüße,

Rudolf Koenig


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