Mieterstrom – Vielfalt mit und ohne Förderung

Foto: Solarpanels auf einem Flachdach
Mieterstrom leicht gemacht: Die von NATURSTROM installierte PV-Anlage auf dem Dach des Gebäudes in der Haasestraße in Berlin-Friedrichshain. (Foto: Clemens Weiß)

In Berlin waren die Voraussetzungen für Mieterstromprojekte schon immer sehr günstig. NATURSTROM ist in der Hauptstadt gleich an mehreren Standorten aktiv, unter anderem mit den Projekten Möckernkiez und Bambus Campus. Durch das Mieterstromgesetz gibt es noch mehr Rückenwind für Berliner Projekte.

21.11.2017 – 40.000 Menschen ziehen jedes Jahr nach Berlin. Da sind bezahlbare Mietwohnungen gefragt, besonders, weil neuer Wohnraum zurzeit überwiegend im hochpreisigen Eigentumswohnungssektor zugebaut wird. Umso mehr sind Bauprojekte wie Giselastraβe 36 oder Haasestraβe 8-16 zu begrüßen, die familienfreundliche, ökologisch hochwertige Mietwohnungen schaffen, die für den Normalverdiener erschwinglich sind. Das i-Tüpfelchen sind dabei Direktstrom-Angebote, die auch die zweite Miete senken. Über 120 Euro Stromkosten pro Jahr können Mieter so im Vergleich zur örtlichen Grundversorgung sparen.

Weil der Strom vor Ort direkt auf den Dächern der Gebäudekomplexe erzeugt wird und nicht erst umständlich durchs öffentliche Netz geleitet werden muss, kann er zu einem besonders günstigen Tarif angeboten werden. Auf diese Weise können endlich auch Menschen, die zur Miete wohnen, von den finanziellen Vorzügen der Erneuerbaren Energien profitieren – und damit direkter an der Energiewende und all ihren ideellen und wirtschaftlichen Vorteilen teilhaben. Bis vor kurzem war das nur für Eigenheimbesitzer möglich, die eine eigene Photovoltaikanlage errichten lassen.

Giselastraße Berlin: Mieterstrom ohne Förderung

Die Giselastraβe liegt in Lichtenberg, einem ehemals eher unattraktiven Ostberliner Bezirk, in dem die Stasi ihr Hauptquartier hatte. Doch das ist lange her. Lichtenberg ist inzwischen zum neuen In-Bezirk für Familien geworden, der Groβteil der Bevölkerung ist zwischen 25 und 45 Jahre alt, der Bezirk stellt berlinweit sogar Geburtenrekorde auf. In Folge dessen wird überall gebaut und saniert, und es entstehen Hunderte neuer Wohnungen vor allem für Familien, deren Mieten noch deutlich niedriger sind als in den Innenstadtbezirken. 39 neue Mietwohnungen mit familienfreundlichen Grundrissen, schönen Balkonen und einer gemeinsamen Dachterrasse wurden Anfang 2017 in der ruhigen Giselastraße neu gebaut. Das Besondere: Die Wohnungen sind ökologisch und sozialverträglich umgesetzt.

Das Gebäude ist ein KfW-Effizienzhaus 55 – dazu passte perfekt die Mieterstromlösung, die der Öko-Energieversorger NATURSTROM in Kooperation mit dem Berliner Projektentwickler pro.b und der Umweltbank aus Nürnberg für die Giselastraβe konzipierte. Die dafür installierte Photovoltaikanlage verfügt über eine Leistung von 29 Kilowattpeak und wird pro Jahr voraussichtlich knapp über 26.000 Kilowattstunden Sonnenstrom erzeugen. Durch die Ausrichtung der Module nach Osten und Westen produziert die Anlage vor allem in den Morgen- und Abendstunden Strom, orientiert sich also besser am Bedarf der durchschnittlichen Haushaltskunden als eine klassische Südrichtung. Rund drei Viertel des produzierten Stroms können so im Haus genutzt werden, die Überschussmengen werden ins öffentliche Stromnetz eingespeist.

Die Solaranlage deckt den Prognosen zufolge rund ein Drittel des gesamten Strombedarfs im Gebäude ab. NATURSTROM trat in der Giselastraβe als Full-Service-Partner auf, übernahm und -nimmt also alle Aufgaben von der Planung über die Finanzierung bis hin zum Betrieb und der Stromlieferung. Da die ersten Bewohner bereits im Mai – also vor dem Inkrafttreten des Mieterstromgesetzes – einzogen, wurde das Konzept ohne die zusätzliche Förderung umgesetzt. Dennoch konnte ihnen ein sehr attraktiver Stromtarif angeboten werden. Und wenn sie gemütlich auf ihrer begrünten Dachterrasse mit den Nachbarn plaudern, dann wissen Sie, dass ganz in der Nähe der Strom produziert wurde, mit dem sie eben ihren Kaffee gekocht haben.

Haasestraße Berlin: Mieterstrom mit Förderung

In der Berliner Haasestraβe 8-16 verwirklicht NATURSTROM ein weiteres Mieterstromprojekt, wieder in Partnerschaft mit dem Immobilienentwickler pro.b und der Umweltbank, sowie diesmal unter Nutzung der neuen Förderung. Das Projekt hätte der Energieversorger zwar aus Überzeugung auch ohne Förderung verwirklicht, aber der Mieterstromtarif wäre dann weniger attraktiv geworden. 75 Prozent der Förderung kommen nun direkt bei den Mietern an. Wie in der Giselastraße sind die 62 barrierefreien Wohnungen in der Haasestraße für den Durchschnittsverdiener bestimmt.

Wieder sollen es hauptsächlich Familien sein, die in die neu gebauten Wohnungen im KfW 40-Standard einziehen. Besonders praktisch: Zu dem Komplex gehört sogar eine KiTa. Pro Wohnung sind auch mindestens zwei Fahrradabstellplätze vorgesehen, denn die Haasestraße ist zentral an einem Knotenpunkt gelegen und man kommt leicht ohne eigenes Auto aus. Sie liegt in Friedrichshain, in der Nähe der Warschauer Brücke und dem Ostkreuz. Diese Gegend ist gleichzeitig Szene-Viertel und eine der beliebtesten Wohngegenden. Studenten, Künstler, Touristen, Familien – alle findet man hier. Sie alle genießen den lebendigen Charme, die natürlich gewachsenen Kieze und die gute Infrastruktur mit unzähligen Läden und Restaurants.

Auf dem Dach des Gebäudes in der Haasestraße wird die Photovoltaikanlage mit einer Leistung von 83,75 Kilowattpeak installiert, auch hier wieder in der effizienten Ost-West-Ausrichtung. Die 68 Wohnungen und eine Gewerbeeinheit können also bald mit dem sauberen Mix aus Sonnenstrom vom Hausdach und Ökostrom aus dem Netz versorgt werden – energieeffizient und dank der Förderung zu einem sehr attraktiven Preis für die zukünftigen Endkunden.

Gewobag: Quartier-Strom, der aus der Wärme kommt

Die Gewobag, kommunale Wohnungsbaugesellschaft in Berlin ist mit über 60.000 Wohnungen und 100.000 Mietern eine der größten Immobiliengesellschaften Deutschlands. Ihre Pläne in Berlin sind weiterhin ambitioniert: Eine deutliche Bestandserweiterung von bezahlbarem Wohnraum, insbesondere im innerstädtischen Bereich, ist für die kommenden Jahre geplant. Schon jetzt realisiert die Gewobag „Quartier-Strom“ als Angebot für die Mieter – mit NATURSTROM als energiewirtschaftlichem Partner.

Auch bei diesem Berliner Mieterstromprojekt stehen also die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum und die damit verbundene Energiewende-Teilhabe im Vordergrund. Ansonsten allerdings unterscheidet es sich deutlich von den Projekten in der Haase- und der Giselastraße, was bereits in der Wahl der Energiequelle deutlich wird: Der vor Ort erzeugte Strom wird in Gewobag-eigenen Blockheizkraftwerken produziert. In fünf Gebäuden mit etwa 130 Wohneinheiten versorgen diese die Bewohner nun mit Wärme und Strom. Damit ein echtes Mieterstromprodukt daraus werden kann, hat die Gewobag NATURSTROM mit ins Boot geholt. Der Öko-Energieversorger ergänzt den in den BHKW erzeugten Strom durch Wasserkraft aus dem Netz und kümmert sich um alle energiewirtschaftlichen Abwicklungsprozesse. Silke Bartolomäus

Ansprechpartner bei NATURSTROM für Mieterstromprojekte ist Jan Schrobsdorff, Objektversorgung: schrobsdorff(at)naturstrom.de / Tel. 0441 219859 - 40

Den vollständigen Text finden sie auch in der aktuellen Print-Ausgabe der energiezukunft. 

   

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  1. Hartmut 22.11.2017, 04:38 Uhr
    Ich bin z. Zt, damit beschäftigt ein Objekt mit einer Mieteinheit
    mit Mieterstrom , um zu versorgen
    Beratende Unterstützung ist bei uns dafür aber verdammt dünn gesäht!
    Ob Zoll, Bundesnetzagentur oder auch ander öffdliche Stellen,
    es schlägt ein sehr viel unwissender Unsinn entgegen !!
    Selbst mein Messstellenbetreiber ( Westnetz) hat noch keine Möglichkeit eine EEG komforme Ablesung, und Abrechnung zu erstellen.
    Folglich bekomme ich einen anderen Messstellenbetreiber
    Gott sei Dank, habe ich einen gutes Elektrounternehmen zur Hilfestellung, sonst wäre das von vorne herein schief gelaufen!
    Aber trotzdem, es ist, und bleibt ein Abenteuer

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