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Tag der offenen Abwasserfarm

Roof Water-Farm, Blick auf das Gewächshaus und den Innenhof des Block 6. (Foto: © ROOF WATER-FARM)
Roof Water-Farm, Blick auf das Gewächshaus und den Innenhof des Block 6. (Foto: © ROOF WATER-FARM)

Erntedankfest zwischen Wassertanks und Aquaponik-Beeten – am Dienstag präsentiert das wegweisende Stadtentwicklungsprojekt Roof Water-Farm in Berlin seine Mischung aus energiesparender Abwasseraufbereitung und städtischer Lebensmittelproduktion.

04.10.2015 – An der „Urban Snackbar“ wird es zwar nichts von dem geben, was am Ort der Veranstaltung wächst, denn das darf nicht gegessen werden. Dennoch lädt Roof Water-Farm für Dienstag zu seinem „Erntedankfest“ ein. Um ein besonderes Erntedankfest handelt es sich auch, weil es in Berlin-Kreuzberg stattfindet, also mitten in einer Millionenstadt. Die Besonderheit des Ganzen liegt freilich vor allem darin begründet, dass ein Forschungsprojekt vorgestellt wird, an dem ein halbes Dutzend Forschungsinstitute und Firmen beteiligt sind und das in Deutschland einzigartig ist.

In einem Wohnblock wird hier seit 2013 ein Modellprojekt durchgeführt bei dem Architektur, Stadtplanung und Wasserwirtschaft verschmelzen. Abwasser wird bakteriell aufbereitet und taugt dann nicht nur für Toilette und Waschmaschine, sondern auch zur Pflanzenaufzucht. Genauer: In dem Wasser schwimmen Fische, die mit ihren Ausscheidungen Pflanzen düngen, die mit demselben Wasser umspült werden. Diese Technik heißt Aquaponik und auf diese Weise soll in jedem Häuserblock der Großteil des benötigten Gemüses und Fischs produziert werden können.

In dem Projektblock in Berlin-Kreuzberg sind die Lebensmittel aber noch nicht zum Essen freigegeben, obwohl erste Untersuchungen gezeigt haben, dass sie unbedenklich sind. Das Gewächshaus steht hier auch nicht auf dem Dach, wie es das Projekt eigentlich vorsieht – „Roof Water-Farm“ heißt schlicht Dachwasserfarm. Da die Modellanlage im Hof steht, kann sie umso besser besichtigt werden.

Am Dienstag ist sowohl Fach- als auch Laienpublikum geladen. Am Vormittag wird das Projekt Verwaltungsangestellten von Bezirks- und Landesebene sowie Praktikern aus Architektur und Stadtplanung vorgestellt, erklärt Grit Bürgow. Sie hat über urbane Aquakultur und wassersensible Stadtentwicklung promoviert und ist Teil der Projektleitung, die an der Technischen Universität (TU) Berlin angesiedelt ist. Bürgow hofft auf einen Austausch mit den Fachleuten nach der Führung und auf Interesse in der öffentlichen Verwaltung. Im kommenden Sommer geht das vom Bundesforschungsministerium geförderte Projekt zu Ende und dann ist Engagement für die Anwendung der Ergebnisse gefragt.

Roof Water-Farm verfolgt einen breiten Ansatz: Erforscht wird auch, wer die Implementierung dieses Systems der Wasserwirtschaft und der Wohnhausnutzung behindern und wer sie fördern könnte, auf welchen Gebäudetypen das Ganze wie umgesetzt werden könnte und wie die Nachbarschaften auf das Angebot der lokalen Lebensmittel reagieren würden. Auch pädagogische Materialien werden erstellt, sei es für Schulklassen oder für betroffene Berufsgruppen. Die Erkenntnisse werden online gestellt werden und mitunter auch in Form eines Fachartikels veröffentlicht, sagt Grit Bürgow. Für ihre Chefin Angela Million, TU-Professorin für Stadtplanung und Leiterin des Forschungsverbundes, geht es auch bei dieser pädagogischen Dimension um allgemeine Erkenntnisfortschritte: „Wirkungsforschung zu baukultureller Bildung gibt es kaum in Deutschland – anders als bei Kunst- und Musikbildung.“

Nicht nur Schulklassen schauen sich das Kreuzberger Modellprojekt an und lassen sich darüber aufklären, wie lokaler Wasserkreislauf und Lebensmittelanbau Energie sparen kann (selbst die Wärme des Abwassers kann zum Teil wiederverwendet werden). Auch von Universitäten aus dem In- und Ausland kommen Besuchsgruppen, berichtet Grit Bürgow. Am Dienstag von 14 bis 17 Uhr kann die breite Öffentlichkeit Informationen zum Stand des Projekts erhalten.

Ein noch größerer Schritt an die Öffentlichkeit gelingt eventuell 2017. Im Berliner Stadtteil Marzahn hat Roof Water-Farm sowohl Gebäudestudien als auch einen Teil der erwähnten sozialwissenschaftlichen Forschung gemacht. Dort findet 2017 eine Internationale Gartenausstellung statt. Es gebe bereits Interesse, Ergebnisse von Roof Water-Farm dort einzubinden, sagt Grit Bürgow. Ralf Hutter

Erntedankfest Roof Water Farm Dienstag 06.10.2015 von 14 bis 17 Uhr
Die Modellanlage befindet sich in der Bernburger Straße 22, Nähe Anhalter Bahnhof.


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