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Neues GaskraftwerkCottbus wendet sich von der Braunkohle ab

Wahrzeichen von Cottbus: Die Oberkirche St. Nikolai und die Kühltürme des Braunkohlekraftwerks Jänschwalde
Die Stadtwerke Cottbus sagen sich von der Braunkohle los – ein bisschen wenigstens. Auch in Zukunft soll das Braunkohlekraftwerk Jänschwalde Wärme liefern. (Foto: © OttoKrueja / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0)

Mit dem Bau eines Gaskraftwerks beendet die größte Stadt der Lausitz ihre Braunkohleverbrennung. Ein starkes Zeichen, für das es auch Kritik hagelt. Zu radikal ist die Abkehr dennoch nicht, der Braunkohlekonzern LEAG bleibt im Geschäft.

24.07.2018 – Spätestens 2021 soll Schluss sein mit der Braunkohleverfeuerung in Cottbus. Mitten in der Stadt steht die erst 18 Jahre alte Anlage. Ein Alter, in dem normalerweise kein Kraftwerk abgeschaltet wird. Allerdings sorgt das Heizkraftwerk, das im Osten der Stadt Strom und Wärme für die 100.000 Bewohner erzeugt, regelmäßig für Probleme. Die Technik führt zu häufigen Ausfällen und ist zu unflexibel. Im Sommer, wenn kaum Heizleistung benötigt wird, würden die Stadtwerke das Kraftwerk gerne deutlich stärker drosseln, als es die Braunkohleanlage zulässt, erzählte Stadtwerke-Geschäftsführer Vlatko Knezevic der ZEIT.

Dort ist zu lesen, dass die Entscheidung der Stadtverordnetenversammlung Anfang des Jahres zu viel Unmut in der Region führt. Knezevic und seine Mitarbeiter würden zum Teil angefeindet, von einem „Desaster für die Lausitz“ und einem „falschen Signal“ ist die Rede. Tatsächlich geht es dem Stadtwerke-Chef nach eigenem Bekunden um sinnvolle und wirtschaftliche Entscheidungen. „Meine Aufgabe ist, Schaden von der Stadt, den Stadtwerken und seinen Mitarbeitern abzuwenden“, sagte Knezevic der ZEIT.

Fossile Energie statt fossiler Energie

Will heißen: Die Feinstaub- und Quecksilberkonzentrationen würden sich mit dem Abschalten des Braunkohlekraftwerks mitten in der Stadt deutlich verbessern und auch die Klimabilanz fällt positiver aus. 100.000 Tonnen CO2 wird das Gaskraftwerk gegenüber der bisherigen Braunkohleverfeuerung einsparen, das entspricht etwa 30 Prozent, rechnen die Stadtwerke vor. Der Wirkungsgrad soll sich von 75 auf 93 Prozent erhöhen und der Primärenergiefaktor von 0,7 auf 0,25 sinken. Allzu progressiv ist der Wechsel vom einen fossilen zum anderen fossilen Energieträger allerdings nicht. Unter einer Investition in die Zukunft, wie die Stadtwerke ihre Entscheidung bezeichnen, verstehen die meisten Energieexperten dann doch Erneurbare Energien.

75 Millionen Euro stecken die Stadtwerke in den Neubau, der strenggenommen nur ein Umbau ist. Am selben Standort des derzeitigen Braunkohlekraftwerks wird die neue Anlage mit gasbetriebenen Blockheizkraftwerken (BHKW) und thermischen Druckspeichern errichtet. Die staatliche Förderung der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) war neben den technischen Eigenschaften eines der entscheidenden Kriterien. Die Stadtwerke rechnen dank des neuen Gaskraftwerks mit langfristig guten Fernwärme- und Strompreisen.

Keine radikale Abkehr

Auch wenn die Stadtwerke ihr eigenes Braunkohlekraftwerk abschalten, wird die Braunkohle dennoch weiter Einzug in die Stadt finden. Etwa die Hälfte des städtischen Fernwärmebedarfs wird nach wie vor aus dem größten ostdeutschen Kraftwerk Jänschwalde stammen. Ein komplettes Entkommen ist ohnehin kaum möglich: Die Stadt ist von Braunkohletagebauen und Kraftwerken umzingelt. So radikal ist die Kraftwerksschließung dann doch wieder nicht, der Lausitzer Braunkohlekonzern LEAG bleibe nach wie vor Partner der Stadtwerke, teilten diese mit. cw


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