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RWEEnergiewende mit deutlichen Makeln

Braunkohletagebau (rechts) und Windräder (links) auf Feldern)
Windräder neben dem Braunkohletagebau Garzweiler. Noch dominieren fossile Energien bei der Stromerzeugung von RWE. (Bild: Arne Müseler / www.arne-mueseler.com / CC-BY-SA-3.0)

50 Milliarden Euro will RWE in grünes Wachstum investieren. Vor allem Wind- und Solarenergie sollen ausgebaut werden, doch auch neue Gaskraftwerke sollen hinzukommen. Weiterhin ungeklärt sind ein früherer Kohleausstieg und Erhalt bedrohter Dörfer.

17.11.2021 – Die Ankündigungen von RWE-Chef Markus Krebber beim sogenannten Kapitalmarkttag am Montag klingen erst einmal enorm: 50 Milliarden Euro will der Energiekonzern bis 2030 in den Aufbau „grüner Erzeugungskapazitäten“ investieren, wie sie den Portfoliozuwachs selbst benennen. Wind- und Solarenergie, Speicher, Backup-Kapazitäten und Wasserstoff sollen damit bis Ende des Jahrzehnts von 25 auf 50 Gigawatt (GW) anwachsen.

Von aktuell 7 auf 20 GW sollen etwa Onshore-Wind- und Solarkraftkapazitäten in Europa und Nordamerika ausgebaut werden. Auch die Offshore-Windkraft- und Batteriespeicherkapazitäten sollen um 5,6 auf 8 und um 2,4 auf 3 GW steigen. Für die Energiewende sind das gute Zahlen, doch im Bereich Backup-Kapazitäten soll auch die Gaskraftwerksflotte ausgebaut werden. Bereits jetzt verfügt RWE mit 14 GW installierter Leistung über die zweitgrößte Gaskraftwerksflotte Europas. Anlagen mit einer Leistung von mindestens 2 GW sollen noch hinzukommen.

RWE verspricht diese mit einem „klaren Dekarbonisierungspfad“ zu versehen und auch bestehende Anlagen auf „grün“ umzurüsten. Doch der Energiekonzern macht keine in Jahren messbaren Zielvorgaben zur Umstellung der Kraftwerke auf grünes Gas, wie Wasserstoff aus Erneuerbaren Energien. Bis dahin wird weiter klimaschädliches Erdgas zum Einsatz kommen.

In die falsche Richtung

Als „Ankündigung ohne Substanz“ kritisiert Karsten Smid von Greenpeace dieses Vorgehen. „Wenn ich sehe, dass RWE sich an einem Offshore-Gas-Projekt in Australien beteiligen will, wo Natur und Umwelt für neue Gasreserven massiv beeinträchtigt werden, dann geht das Ganze sogar genau in die falsche Richtung“, so Smid gegenüber energiezukunft.

Auch beim Thema Kohle vermisst Smid ein klares Bekenntnis RWEs zu einem Ausstieg, der mit den Pariser Klimazielen vereinbar wäre. Bei den Koalitionsverhandlungen in Berlin scheint ein Ausstieg bis 2030 beschlossene Sache. Auch NRWs Ministerpräsident Hendrik Wüst sieht das Land bereit für einen Ausstieg aus der Kohleverstromung bis 2030.

RWE-Chef Krebber hingegen ließ auf dem Kapitalmarkttag nicht durchblicken, ob auch RWE sich auf 2030 einstelle. Er erklärte lediglich, es könne gelingen, den Kohleausstieg nach vorne zu ziehen. Beim Kohleausstieg rede man aber ebenso über eine sichere Stromversorgung und die Beschäftigten in der Kohlebranche. „Wir stehen auch zu unserer sozialen Verantwortung“, zitiert ihn die Süddeutsche Zeitung.

Dörfer noch nicht endgültig gerettet

Eine soziale Verantwortung gegenüber den Menschen, die in denen vom Tagebau Garzweiler bedrohten Dörfern leben, fehlt in Krebbers Aussage. Zwar erklärte Ministerpräsident Wüst kürzlich, so viele Dörfer wie möglich erhalten zu wollen – endgültig gerettet vor einer Abbaggerung für den Kohleabbau sind die Ortschaften Keyenberg, Kuckum, Ober- und Unterwestrich, Beverath und Lützerath aber noch nicht.

Die Menschen in den Dörfern am Tagebau würden jede Nacht hören, wie sich die Schaufelradbagger auf ihre Häuser zugraben, so Dorothee Häußermann vom Bündnis Alle Dörfer Bleiben im Gespräch mit der energiezukunft. „Darum fordern wir eine rechtssichere Garantie, dass alle von Braunkohle bedrohten Dörfer bleiben können, einschließlich Lützerath; sowie einen Kohleausstieg, mit dem die Einhaltung des 1,5 Grad Ziels möglich ist. Solange wir das nicht schwarz auf weiß haben, bleiben alle grünen Ankündigungen von RWE ein PR-Manöver“, so Häußermann.

Vor allem die Ortschaft Lützerath ist vom Abriss bedroht. Angesichts laufender Gerichtsverfahren erklärte RWE zwar bis zum 7.1.2022 in Lützerath keine Räum- Rodungs- oder Abrissarbeiten vorzunehmen, Klimaaktivisten im Ort bleiben dennoch wachsam. Gestern verhinderten sie die Einfuhr eines Baggers von RWE.

Ein Pressesprecher von RWE sagte auf Anfrage von energiezukunft: „Wie es mit den Dörfern am Tagebau weitergeht, hängt vor allem davon ab, wie schnell in Deutschland der Ausbau der Erneuerbaren Energien, der Netze und der Backup-Kapazitäten gelingt.“ RWE sei mit ihren Investitionen von 50 Milliarden Euro brutto bis 2030 Teil der Lösung.

Karsten Smid sieht RWE mit den angekündigten Investitionen lediglich in einem Bereich des „gerade so Nötigen“. Um hier nach vorne zu gehen, müsste RWE noch weitaus mehr investieren. Doch vor allem die Braunkohlesparte und deren schlechte Bilanzen würden weitere Investitionen blockieren, so Smid. Er warnt, dass angesichts der immer teurer werdenden Kohleverstromung und der Erwartung an einen Paris-kompatiblen Pfad, immer mehr Investoren von RWE abspringen könnten. Manuel Först

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