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Meinung der Woche
01. Dezember 2015

UN-Klimagipfel muss Dekarbonisierung einleiten!

Der Weltklimagipfel in Paris hat begonnen, Auftaktreden wurden geschwungen, kleinere Zusagen und Versprechungen gemacht. Doch die großen Zeichen blieben aus, dabei haben die G7-Staaten im Sommer nichts anderes als die Dekarbonisierung der Weltwirtschaft versprochen. Nun müssen Taten folgen, ein Kohleausstieg ist unverzichtbar!

Clemens WeißRedaktion energiezukunft

Clemens WeißRedaktion energiezukunft
Clemens Weiß ist studierter Nachhaltigkeitsgeograph und arbeitet seit 2012 für energiezukunft.eu. (Foto: privat)
Clemens Weiß ist studierter Nachhaltigkeitsgeograph und arbeitet seit 2012 für energiezukunft.eu. (Foto: privat)

01.12.2015 – Über 700.000 Menschen weltweit gingen am Wochenende auf die Straßen um ihren Volksvertretern Druck zu machen. Sie forderten ein ehrgeiziges und verbindliches Abkommen zur Reduzierung der Treibhausgase. Bislang haben ihre Politiker sie stets enttäuscht,  nun muss sich etwas ändern, wenn das Zwei-Grad-Ziel noch annähernd eingehalten werden soll. Spätestens das beschämende Scheitern des UN-Klimagipfels 2009 in Kopenhagen hat die Weltgemeinschaft aufgerüttelt – zumindest Umweltschützer und Klimaexperten.

Denn noch sind die Staats- und Regierungschefs noch lange nicht auf Kurs. Die stets mahnenden Worte des UN-Generalsekretärs Ban Ki Moon haben offenbar noch nicht gefruchtet. Denn die im Vorfeld des Klimagipfels eingereichten nationalen Zusagen zur CO2-Reduktion INDCs (Intended Nationally Determined Contributions) reichen noch lange nicht für das Zwei-Grad-Ziel, auf das sich die Weltgemeinschaft verständigt hat. Würden tatsächlich alle bisherigen Versprechen der über 170 Staaten eingelöst, ließe sich so der Temperaturanstieg nur auf 2,7 Grad Celsius bis 2100 begrenzen.

China und die USA geben Hoffnung

Dennoch gibt es Hoffnung, dass es diesmal eine verbindliche Vereinbarung geben könnte. Denn einige Vorzeichen sind deutlich günstiger als noch vor einigen Jahren. Mit den INDCs wurden die starren Grenzen zwischen Industrienationen und Entwicklungsländern aufgebrochen. Nicht nur der maßgeblich für den Klimawandel verantwortliche Norden, sondern auch die Länder des globalen Südens stehen in der Pflicht. Zwar haben China, Indien, Brasilien oder Indonesien historisch gesehen sehr geringe Schuld an der globalen Erwärmung, seit einigen Jahren sind sie aber zu den großen CO2-Emittenten aufgestiegen.

Gerade die chinesische Staatsführung hat sich in den vergangenen Jahren bewegt und Klimaziele formuliert – als größter Emittent von Treibhausgasen muss sie das auch. Zudem sind die USA unter US-Präsident Barack Obama an den Verhandlungstisch zurückgekehrt und seit seiner zweiten Amtszeit setzt Obama seine Ankündigungen so gut es geht auch tatsächlich durch. Dabei bremst ihn der republikanisch dominierte Kongress zwar stetig aus, dennoch scheint Obama gewillt zu sein, den Klimawandel zu bekämpfen. Seine Umweltbehörde EPA setzt deshalb nicht nur Volkswagen unter Druck, sondern nimmt mit dem Clean Power Plan auch die Bundesstaaten im eigenen Land in die Pflicht. Im vergangenen Jahr legten China und die USA sich in einer gemeinsamen Erklärung sogar auf Klimaziele fest.

Doch ob das alles reicht und die Welt reif ist, für ein umfassendes und verbindliches Klimaabkommen? Immerhin haben einige Industriestaaten bereits am ersten Tag finanzielle Hilfen beschlossen. Sie wollen den Waldschutz stärken und so den Klimawandel bremsen, Entwicklungsländer in einer neuen Initiative mit 500 Millionen Dollar unterstützen und die ärmsten Staaten der Erde bei der Anpassung an den Klimawandel mit einigen hundert Millionen US-Dollar unterstützen. Doch das wird nicht reichen, kleine Initiativen und Fonds werden die globale Erwärmung nicht aufhalten, sondern nur der sogenannte „große Wurf“. Der gelingt nur mit konkreten Schritten, die Industrienationen müssen aufgrund ihrer Verantwortung vorangehen.

Es müssen Taten folgen!

Leider hat Angela Merkel mit ihrer Rede am Montag enttäuscht. Viele Klimaexperten und Umweltschützer hatten mehr gehofft als erwartet, dass die Bundeskanzlerin endlich den deutschen Kohleausstieg verkündet. Andere Staaten wie Großbritannien hatten vorgelegt, auch wenn die Briten anstatt Kohle auf Atomkraft und Erdgas setzen. Dennoch wären es ein wichtiger Schritt und ein deutliches Zeichen an die Welt gewesen, dass Deutschland und Europa vorangehen. Die deutschen Klimaziele für 2020 sind ohne weitere Maßnahmen nicht zu erreichen, wie will Merkel da andere Staaten für mehr Klimaschutz gewinnen?

Als die G7-Staaten im Sommer versprachen, die Dekarbonisierung der Weltwirtschaft müsse noch in diesem Jahrhundert abgeschlossen sein, erwarteten viele Menschen konkrete Schritte. Nun ist die Zeit gekommen und das gilt insbesondere für die ehemalige Klimakanzlerin Angela Merkel. 1995 leitete sie als deutsche Umweltministerin die erste UN-Klimakonferenz COP1. Nun muss die mächtigste Frau der Welt zwanzig Jahre später beweisen, dass ihr das Thema tatsächlich am Herzen liegt.

Clemens Weiß studierte an der Universität Greifswald Nachhaltigkeitsgeographie und Regionalentwicklung (M.Sc.) und arbeitet seit 2012 in der Redaktion von energiezukunft.eu.




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