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Transition Towns – Städte im Wandel

So sieht Transition in Bamberg aus – Reparieren, Messerschleifen, ernten und gemeinsam essen und sich austauschen im Garten. (Foto: Ille Bintig / ille design Bamberg)
So sieht Transition in Bamberg aus – Reparieren, Messerschleifen, ernten und gemeinsam essen und sich austauschen im Garten. (Foto: Ille Bintig / ille design Bamberg)

Vor allem in den Städten beschäftigen sich Menschen mit umweltbewussten Lebensstilen und suchen nach sinnvollen Lösungen für den Übergang in ein post-fossiles Zeitalter. Stadtbürger weltweit verändern bereits durch lokales Handeln mit verschiedensten kreativen Projekten ihr städtisches Umfeld.

02.10.2014 – Nähen, reparieren, selber machen, leihen und teilen statt zu kaufen, Rad fahren, gärtnern, lokal und regional einkaufen, Jung und Alt -gemeinsam von- und miteinander lernen: Alternative Lebensstile liegen im Trend und das weltweit. „Transition Town – Stadt im Wandel“ heißt die Bewegung, in der Bürger ihr Leben „anders“ gestalten wollen, in der Überzeugung, dass es nicht so weitergehen kann wie bisher. Auf die Lösung der drängendsten Zukunftsfragen durch Politiker vertrauen sie nicht, dafür aber auf ihre eigene kreative Energie und die lokale Gemeinschaft.

Ihren Anfang nahm die Bewegung 2006 im südenglischen Totnes: Rob Hopkins beschäftigte sich als Dozent für ökologisches Bauen und Permakultur mit den Themen Klimawandel und Ressourcenverbrauch und damit mit Peak Oil – dem globalen Ölfördermaximum. Statt nur zu lehren wollte er auch selbst für einen Wandel in seinem Umfeld sorgen. Gemeinsam mit Mitstreitern machte er sich auf eigene Faust auf den Weg ins post-fossile Zeitalter. Mittlerweile ist daraus das weltweite Netzwerk der Transition Towns entstanden.

Ausgehende Beobachtung der Transition Bewegung ist, dass die nationale und internationale Politik nicht angemessen auf die Herausforderungen des Klimawandels reagiert, nicht auf das bevorstehende globale Ölfördermaximum und die Endlichkeit der Ressourcen. Menschen vor Ort können, ja müssten daher von sich aus mit ersten vorbereitenden Maßnahmen auf eine Zukunft knapper werdender Roh- und Treibstoffe reagieren, so Hopkins. Und viele wollen auch nicht einfach so weiter machen wie bisher.

Zwangloses Miteinander

Transition droht nicht mit Revolution und ihre Motive sollen auch keine Angst machen, ganz im Gegenteil: Die Bewegung kämpft gegen ein Gefühl der Hilf- und Machtlosigkeit, das uns angesichts der düsteren Zukunftsprognosen zuweilen überkommen mag, und zeigt stattdessen, dass jeder mit vielen kleinen Dingen etwas tun kann um die Welt zu verändern. Zukünftiger Verzicht ist dabei nicht negativ zu sehen, es ist eher eine Besinnung auf lokales, selbstgemachtes, geteiltes, repariertes – immer verbunden mit einem Gefühl des Miteinander.

Mittlerweile gibt es Transition Towns in über 40 Ländern der Welt mit etwa 3.000 bis 4.000 regionalen Gruppen. Da es sich um ein loses Netzwerk handelt ist die genaue Zahl nicht bekannt. In Deutschland gibt es bereits über 100 Initiativen. In der Regel startet eine Transition Town mit einer kleinen Gruppe von Gleichgesinnten: Durch erste öffentlichkeitswirksame Aktionen, einen Kinoabend, Infostände oder ein Fest wächst das Netzwerk. Nach und nach entstehen Untergruppen zu allen wesentlichen Lebensbereichen, zum Beispiel Mobilität, Ernährung, Energie und Bildung. Jeder ist willkommen und kann sich einbringen – der Kreativität sind dabei keine Grenzen gesetzt – was gut funktioniert verbreitet sich über das Netzwerk der Transition Towns weltweit.

Give peas a chance

In Totnes begannen Hopkins und seine Mitstreiter mit einfachen aber einfallsreichen Schritten: Mit dem Motto „give peas a chance“ überzeugten sie das Bauamt, einen Teil der Schlosswiese des Ortes für Kleingartenparzellen mit privater Gemüseproduktion freizugeben. Ebenso gärtnern und ernten die Guerilleros auf Böden, die ihnen nicht gehören – etwa an ungenutzten Grundstücken oder entlang von Bahnlinien. Aber auch private, ungenutzte Gärten werden wiederbelebt und geteilt. Gartenbegeisterte ohne Land schließen sich mit Besitzern ohne Zeit zusammen – die Pacht wird in Naturalien bezahlt. Kombiniert mit einem Einkaufsführer für lokale Lebensmittelanbieter und Restaurants und sogar einer lokalen Währung ist damit ein wichtiges Ziel der Transition Towns – nämlich zu lokalen Kreisläufen zurückzufinden – ein ganzes Stück näher.

Transition in Franken

Relativ neu ist die Transition Bewegung im fränkischen Bamberg. Sie besteht erst seit einem Jahr, doch es wurde schon viel erreicht: Auch hier teilen Menschen mittlerweile ihre Gärten. Die „Urban-Gardening“ Gruppe legte in Kooperation mit der Initiative „Freund statt fremd“ vor einem Asylsuchenden-Heim einen Stadtgarten für die Bewohner an. Beim Näh-und Reparatur- Café im Mehrgenerationenhaus Villa Kunigunde reparieren regelmäßig unter fachkundiger Anleitung Jung und Alt ihre Kleidung. Im Garten oder in freier Natur trifft sich die Gruppe „Essen vor der Haustür“ bei einem regen Austausch über Wildkräuter und deren Verwendungsmöglichkeiten.

Auch in den Räumen von NATURSTROM am Standort Forchheim findet regelmäßig ein Repair-Café statt. Es wird genäht, Fahrräder und Elektrogeräte werden repariert – und nebenher kommt man bei Kaffee, selbstgebackenem Kuchen und Waffeln ins Gespräch. Die Atmosphäre fördert Austausch und Gemeinschaft, neue Kontakte werden geknüpft und Helfer für das nächste Treffen gefunden.

Der Transition-Bewegung geht es darum, Menschen zu aktivieren, zu vernetzen, zu begeistern – und die Aufmerksamkeit auf alternative Konzepte zu lenken. Die neuen Transition-Gruppen sind keine Konkurrenz zu bestehenden Initiativen und Vereinen – im Gegenteil, sie bereichern und vernetzen Bestehendes, da es ihnen darum geht, Menschen zusammenzubringen damit sie verstehen, dass sie die Macht haben, einen Unterschied auszumachen. Transition-Bewegungen wollen einen sanften aber nachhaltigen Wandel. Denn die Welt umweltfreundlicher und lebenswerter zu gestalten ist mehr als Windräder aufzustellen und Benzin durch Elektromotoren zu ersetzen: Ein Wandel in allen Lebensbereichen und im Bewusstsein ist notwendig. Wir müssen mit alten Gewohnheiten brechen und können dabei an Lebensqualität gewinnen. Lena Dohmann


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Kommentare

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Julian Gröger 08.10.2014, 09:17:43

+212 Gut Antworten

Und gibt's schon eine TT-Initiative in meiner Nähe? Hier gibt's die beste Karte von allen losen oder schon festeren Gruppen: http://www.transition-initiativen.de/page/karte-transition-inis


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