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Neue Rekordzahlen zu den Folgen der Kohleverstromung

Ohne Kohle geht’s besser – auch wirtschaftlich. (Foto: Nicole Allé)
Ohne Kohle geht’s besser – auch wirtschaftlich. (Foto: Nicole Allé)

Auf mindestens 15 Milliarden Euro beziffert eine neue Greenpeace-Studie die gesellschaftlichen Kosten der Braunkohleverstromung in Deutschland, und das allein im Jahr 2015. Klimaschützer fordern, den unfairen Wettbewerb im Energiesektor zu beenden.

12.11.2015 –Würden diese Kosten auf den Preis einer Kilowattstunde Braunkohlestrom aufgeschlagen, erhöhte sich dieser um 9,9 Cent auf gut das Dreifache des aktuellen Produktionspreises, so die Berechnungen aus der Studie. In diese Kalkulation hat das Forum ökologisch-soziale Marktwirtschaft (FÖS) auch die Sanierung ehemaliger Tagebaue und Gesundheitsschäden durch Kohlekraftwerke einbezogen, die bislang auf die Gesellschaft verschoben werden. Zusätzlich werden Vergünstigungen und Ausnahmeregelungen für die Braunkohlewirtschaft erfasst. „Die Mär von der günstigen Braunkohle ist nicht haltbar. Kraftwerke und Tagebaue kosten die Gesellschaft Milliarden, versteckt in Steuerprivilegien, Ausnahmeregelungen und abgeschobenen Folgekosten“, so Greenpeace-Energieexpertin Susanne Neubronner. „Es gibt neben ökologischen auch handfeste ökonomische Gründe, sofort mit dem Ausstieg aus der besonders schmutzigen und teuren Braunkohle zu beginnen.“

Obwohl die Kohlekonzerne bislang große Kostenblöcke auf die Gesellschaft abgewälzt haben stehen sie wirtschaftlich prekär dar. Deutschlands größter Stromversorger Eon hat für die ersten neun Monate des Jahres einen Milliardenverlust bekannt gegeben, hauptsächlich wegen hoher Abschreibungen auf Kraftwerke.. „Die anhaltenden Wertbereinigungen in den Bilanzen sprechen eine klare Sprache: Mit Kohle lässt sich künftig immer weniger Geld verdienen. Dabei ist ein Großteil der Kosten bislang noch nicht einmal eingepreist“, so Neubronner.

Als mit Abstand größten Posten hat die FÖS-Studie externe Kosten durch klimaschädliche CO2-Emissionen ausgemacht. Alleine die Emissionen aus deutschen Braunkohlekraftwerken kosten die Gesellschaft gut 13 Milliarden Euro pro Jahr. Der europäische Handel mit CO2-Zertifikaten legt auch gut zehn Jahre nach seinem Start lediglich einen Bruchteil dieser Kosten auf die Kraftwerksbetreiber um. „Die Kohlelobby hat den Handel mit Zertifikaten als Klimaschutzinstrument sabotiert. Statt eines wirkungslosen Scheininstruments brauchen wir deshalb einen politisch klar geregelten Kohleausstieg“, fordert Neubronner.

In Deutschland wächst der öffentliche Widerstand gegen die ungebremste Kohleverstromung. Mehr als 40.000 Menschen haben schriftlich mit einer Greenpeace-Petition einen Verkaufsstopp für Vattenfalls Braunkohlegeschäft in Ostdeutschland gefordert. Dort können tschechische Interessenten bis zu fünf weitere Tagebaue eröffnen.

„Fatal ist, durch den Kohle-Deal der Bundesregierung bekommen die Klimakiller nun auch noch weitere 1,6 Mrd. Euro ohne Leistung für den Klimaschutz“, kommentiert Annalena Baerbock, Sprecherin für Klimapolitik die Greenpeace-Studie. „Den Kraftwerken wird der Ruhestand vergoldet, obwohl ihre Kapazitäten nicht gebraucht werden und ihre Folgekosten ohnehin von der Allgemeinheit übernommen wurden. Die Greenpeace-Zahlen verdeutlichen: Wir brauchen einen schrittweisen Kohleausstieg mit planungssicheren CO2-Grenzwerten für alle fossilen Kraftwerke und ein Ende dieses klima- und gesundheitsschädlichen Subventionswahnsinns. Der unfaire Wettbewerb im Energiesektor muss endlich beendet werden.“


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