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NeulichterfeldeBerlin bekommt einen klimaneutralen Stadtteil

computergestützte Visualisierung.
So soll der zentrale „Stadtplatz“ von Neulichterfelde einmal aussehen: Belebt und frei von individuellem Autoverkehr (Visualisierung: © Groth Gruppe)

Es ist eines der größten Neubauprojekte Berlins. 6.000 Menschen sollen einmal in Neulichterfelde wohnen. Angesichts drängender Klima- und Umweltfragen, wird ein nachhaltiges Quartier geschaffen, das den CO2-Ausstoß auf ein Minimum senkt.

20.11.2019 – Tief im Südwesten Berlins, an der Grenze zu Brandenburg, sollen ab dem kommenden Jahr mehr als 2.500 Wohnungen entstehen, mit Platz für bis zu 6.000 Menschen. Platz, der in Berlin dringend nötig ist. Allein 2018 hatte die Stadt einen Zuwachs von 31.331 Menschen zu verzeichnen. Gleichzeitig muss, angesichts der Klimakrise, Mobilität und Energieversorgung radikal umgestellt werden. „Der Klimaschutz erfordert neues Denken“, so Klaus Groth, Gründer der Groth Gruppe, die das Projekt verantwortet. Deswegen holte die Groth Gruppe Experten aus den verschiedensten Bereichen ins Boot, um ein eng vernetztes und nachhaltiges Quartier zu schaffen.

Im Mobilitätsbereich will die Toyota Kreditbank dafür sorgen, individuellen Autoverkehr so weit wie möglich zu reduzieren. Die Nähe zum S-Bahnhof Lichterfelde Süd bietet gute Voraussetzungen, den öffentlichen Nahverkehr mit sogenannter Mikromobilität zu verbinden. Für die letzten Meter bis zur Wohnungstür etwa sollen Pedelecs und E-Tretroller bereitstehen. An das künftige Neubaugebiet grenzt derweil eine Weidelandschaft mit großer Artenvielfalt. Dort wird sich der Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) um Erhalt und Pflege der Landschaft kümmern und will ein, nach eigener Aussage, „sinnliches Naturerlebnis“ schaffen. Die gemeinnützige Goldnetz GmbH wiederum wird sich der sozialen Teilhabe widmen und vielfältige Angebote zum Netzwerken und zur Partizipation schaffen.

Mit innovativen Energiekonzepten den CO2-Ausstoß auf ein Minimum senken

Die Energieversorgung von Neulichterfelde wird die NATURSTROM AG übernehmen. Mit einem integrierten Energiekonzept soll der CO2-Ausstoß des Quartiers auf ein Minimum gesenkt werden. Während die Wärme- und Stromversorgung für ein herkömmliches Quartier dieser Größe etwa 6.385 Tonnen CO2 pro Jahr verursacht, sollen es in Neulichterfelde gerade einmal 139 Tonnen pro Jahr sein. Dafür entwickelten die Verantwortlichen bei NATURSTROM das Konzept eines sogenannten Mikrostadtwerks®, mit umfassenden Lösungen in den Bereichen Strom- und Wärmeversorgung sowie Mobilität und Quartierserleben.

Für die klimaneutrale Wärmeversorgung sollen unter anderem biogasbetriebene und von Solarthermie unterstützte Blockheizkraftwerke (BHKW) zum Einsatz kommen. Darüber hinaus wird es ein brennstofffreies Wärmepumpenquartier geben. Thilo Jungkunz, verantwortlich für das Projekt, erklärt das Konzept: „Wir haben hier kalte Nahwärme im urbanen Raum weitergedacht und werden die 421 Reihenhäuser zum Wärmepumpenquartier entwickeln.“ In einer Tiefe von anderthalb bis drei Metern wird dafür dem Erdreich über spezielle Kollektoren Wärme entzogen. Mithilfe eines speziellen Wasser-Glykol-Gemischs wird diese Wärme von etwa 10 Grad zu den angeschlossenen Gebäuden transportiert und dort mittels Ökostrom betriebener Wärmepumpen auf das benötigte Temperaturniveau für Heizung und Warmwasser angehoben. Das funktioniert auch umgekehrt: Statt zu heizen, können die Gebäude so auf natürliche Weise gekühlt werden.

Für die Stromversorgung greift NATURSTROM auf ihre Expertise im Mieterstrombereich zurück. Photovoltaikanlagen auf den Dächern sollen gemeinsam mit Strom aus den BHKW-Anlagen das gesamte Quartier versorgen. Dabei ist den Verantwortlichen eine moderne Erfassung und Transparenz wichtig, wie Salome Klinger, CO-Projektleiterin erläutert: „Verbunden und intelligent gesteuert wird die Strom- und Wärmeversorgung über eine innovative Energiedatenerfassung, die nicht nur für uns als Betreiber wichtig ist, sondern auch den Bewohnerinnen und Bewohnern einen guten Einblick in die Versorgungsprozesse ermöglicht.“

Neulichterfelde könnte zum Erfolgsmodell werden

Auch Mobilitätsaspekte finden sich im Konzept des Mikrostadtwerks wieder. Das Elektro-Lastenrad-Angebot Donk-EE kann das Auto bei dem Transport schwerer Lasten ersetzen. Ein breites Angebot an Ladestationen und Wallboxen sollen das Aufladen der E-Lastenräder sowie anderer elektrisch betriebener Gefährte schnell und einfach machen. Abgerundet wird das Konzept durch eine dauerhafte Vor-Ort-Beratung und Einbindung der Bewohner bei der Umsetzung der Energieversorgung.

Insgesamt soll das Quartier den Menschen ermöglichen, nachhaltiges Wohnen mit vielen anderen Aspekten des täglichen Lebens zu verbinden. Dafür wird es laut Planungen vielfältige Geschäfte, Praxen und gastronomische Angebote geben. Eine eigens für den Stadtteil entwickelte App soll alle Dienstleistungen miteinander verbinden und abrechnen. Mit einer Grundschule, drei Kindergärten und dem vom BUND gepflegten Naturschutzgebiet könnte Neulichterfelde vor allem für Familien eine echte Alternative zum Leben im Stadtzentrum bieten. mf


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Kommentare

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Denkender Bürger 20.11.2019, 08:29:10

Ist das Projekt wirklich so ökologisch und nachhaltig, wie beschrieben?

Von energietechnschen Standpunkt gesehen sicherlich.

Aber ist das alles?

Ich habe mir mal die Luftbider angesehen:

Da wird eine Fläche teilweise gerodet, um ein energietechisch nachhaltiges Wohnungsbauprojekt umzusetzen.

Nun könnte man es als notwenig hinnehmen, schließlich brauchen Gebüude je Baugrund.

Wenn es da nicht in relativer Nachbarschaft die Alternative geben würde:

Das Tempelhofer Feld.

Als ehemaliges Flughafen-Gelände ist diese weitgehend frei von Bewuchs.

Damit steht die Frage im Raum, wieso man diese nicht für das Projekt nutzt.

Das würde definitiv weit weniger ökologisch Eingriffe verursachen.

Statt dessen bereitet man das Tempelhofer Feld mühevoll als Grünfläche auf, um anderswo Bäume für ein ökologische Neubaugebiet zu roden. Für mich ist das ein Widerspruch ...

energiezukunft 20.11.2019, 09:14:30

+19 Gut

Das Tempfelhofer Feld (liegt übrigens nicht in der Nachbarschaft) wird als Freizeit, Sport- und Erholungspark von den Bewohnern der sehr verdichteten Stadtbezirke Tempelhof+Kreuzberg genutzt. Zudem ist das Tempelhofer Feld die "Lunge" dieses sonst dicht bebauten Bezirks und temperiert rein physikalisch gesehen das Mikroklima, es entsteht auf dem freien Feld kühlender Wind, was vor allem im Sommer bei Überhitzung der Stadt sehr wichtig ist. Auch für das Tempelhofer Feld gibt es übrigens natürlich schon Bauinteresse - jedoch an den Rändern, um eben dieses wichtige Mikroklima nicht zu zerstören. red

Denkender Bürger 20.11.2019, 09:59:22

@ energiezukunft

 

Für mich ist es trotzdem ein Widerspruch, eine Fläche teilweise zu roden, um dort ein ökologisches Wohngebiet zu schaffen, wenn es anderweitig Brachflächen gibt, die man dafür genauso bzw. aus umwelttechnischer Sicht besser nutzen könnte.

Damit wir uns richtig verstehen:

Gegen diese Form des Bauens bestehen aus meiner Sicht sicht (ausnahmsweise) mal keine grundsätzlichen Einwände - nur was den Standort angeht hätte es garaniert bessere Möglichkeiten gegeben.

Denkender Bürger 20.11.2019, 10:18:19

@ energiezukunft

 

Nachtrag:

An dieser Stelle und in diesem Fall darf man wirklich mal di politisch-planerisch Verantwortlichen kritisieren.

Ist ähnlich wie bemi BMW-Werk Leipzg:

In Thierbach bei Leipzig gibt es das Gelände eines ehemaigen Kohlekraftwerks, was ohnehin zu Beräumung und Sanierung anstand und bis heute nicht vollständig saniert und beräumt ist.

Ein Eisenbahn-Anschluß wäre bei diesem Gelände vorhanden gewesen. Ebenso ein Schnellstraßen-Anschluß.

Diese Schnellstraße wird obendrein derzeit zur Autobahn ausgebaut, was damals schon feststand.

Hätte man das BMW-Werk dorthin gebaut, hätte man also gleich drei Fliegen mit einer Klappe schlagen können - die Geländesanierung, eine sinnvolle Nachnutzung des Geländes und eine Beschleunigung des ohnehin geplanten Ausbaus der Schnellstraße zur Autobahn.

Statt dessen hat man das BMW-Werk auf die "grüne Wiese" gesetzt - und das gelände des Kraftwerks Thierbach ist zu einem Teil bis heute nicht beräumt und ungenutzt.

Über solche ökologisch-planerischen Fehlleistungen spicht nur seltsamerweise kaum jemand ...

WW?ND Wirtschaftswachstum? NEIN DANKE 22.11.2019, 07:58:58

Nachhaltig?

Wenn etwas neu produziert wird ist es eine neue Geschäftsidee.

Nachhaltig wäre, zu versuchen mit dem was wir haben, auszukommen. Es gibt Millionen leerstehende und ungenutzte Wohnungen und Häuser, warum wird nicht ernsthaft versucht, diese meist strukturschwachen Regionen zu beleben, oder die aufgrund von Spekulation leerstehenden Wohnungen zu nutzen?

anders 22.11.2019, 08:17:27

+18 Gut

ihr vergleich hinkt ein wenig.die b2 wird nicht zur autobahn ausgebaut die a72 ist ein neues projekt um cemnitz mit leipzig zu verbinden.und nicht das aus der b2 eine autobahn wird.der standort lippendorf. ist ein klein wenig zu klein für das bmw werk.und zur zeit des baues des bmw werkes und auch porsche ink der logistik.gabe es noch keine entsprechend goße flächen um die infrastrucktur im beireich lippendorf anzusiedeln.es ist schichtweg zu wenig platz da.aber platz für richtig tolle wohnungen währe verhanden.wird ihr projekt autofrei ein kleiner zuschuss für die miter zur jahreskarte der öfis währe natürlich auch nicht schlecht.ansonsten gibt es nicht zu meckern auser das es in berlin mit sicherheit auch noch olle industriebrachen gibt ,die man bebauen könnte..oder etwa nicht

Denkender Bürger 22.11.2019, 18:28:14

+15 Gut

Das ist denn noch ein weitere Fakt, der in die Jubelberichten überhaupt keine Erwähnung findet.

Danke, daß es mal ein anderer war, der den Mut hatte, darauf hinzuweisen!

Denkender Bürger 22.11.2019, 18:25:43

@ anders

Ich rede nicht vom ehemaligen Kraftwerk Lippendorf (dessen Fläche übrigens teilweise für das Neubau-Kraftwerk Lippendorf benutzt wurde), sondern vom ehemaligen Kraftwerk Thierbach.

Die Fläche hätte locker für das BMW-Werk gereicht, zumal dem Kraftwerk eine Halde für Rohbraunkohle angeschlossen war, die für 4 Wochen Vollast-Bertieb reichen sollte (war nach dem Katastrophen-Winter 1978 angelegt worden).

Und die Schnellstraße, die derzeit zur Autobahn ausgebaut wird ist nicht die B2, sondern die B95. Diese war zwischen Leipzig und Borna schon seit 1978 vierspurig. Das diese zwischen Leipzig und Großdeuben mit der B2 zusammengelegt ist, ist für den Abschnitt zwischen Großdeuben und Borna, an dem sich das Gelände des ehemaligen Kraftwerks Thierbach befindet unerheblich. Und das die Autobahn teilweise nicht der Trasse der B95 folgt lieg schlechterdings daran, daß die B95 nicht auf ganzer Strecke kreuzungsfrei war und mitten durch Espenhain ging, weshalb die Autobahn in einigen Abschnitten jetzt neu trassiert wird.

Worin verkehrstechnisch der Sinn bestehen soll, eine 4-spurige Schnellstraße zu einer Autobahn auszubauen, konnte mir zwar bisher keiner erklären (nicht mal das Verkehrsministerium) - soll aber hier nicht Thema sein.

Bevor Sie über google (oder woher auch immer) irgendwelche fehlerbehafteten Ferndiagonsen erstellen, besuchen Sie den Südraum Leipzig doch besser einmal und machen sich ein Bild vor Ort.

Mareike 27.11.2019, 11:58:58

Mich würde mal interessieren, was mit den alten kaputten Kasernen an der B5, wenn man raus aus Berlin fährt, linke Seite so los ist. Wäre das nicht ideal für so ein nachhaltiges Wohnkonzept?


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